Pädiatrie

Venenpunktion nicht um jeden Preis!

DÜSSELDORF (gvg). Wer im Notdienst zu einem Kinder-Notfall gerufen wird, sollte sich nicht lange mit venösen Punktionsversuchen aufhalten. Die wichtigsten Präparate können auch rektal appliziert werden.

Veröffentlicht: 16.11.2006, 08:04 Uhr

"In den USA gilt die Regel, daß in der Erstversorgung bei Kindern nur zwei venöse Punktionsversuche gemacht werden", sagte der Kinderanästhesist und Rettungsmediziner Dr. Alexander Dorsch aus München auf dem Medica-Kongreß. Wenn keine Vene zu finden sei, könne es auch gerechtfertigt sein, außerhalb der Klinik auf Punktionsversuche ganz zu verzichten.

"Viele im Notfall wichtigen Medikamente können auch rektal gegeben werden", so Dorsch. Dazu gehören außer Paracetamol vor allem Midazolam, Ketamin und Prednison. Die rektale Therapie habe außerdem den Vorteil, daß die Eltern eingebunden werden können. "Wenn möglich, sollten die Eltern nicht rausgeschickt werden", so Dorsch. Die zweite Option ist die intraossäre Punktion der Tibia. Punktionsnadeln sind in vielen Notfallkoffern vorhanden. "Sie sollte nur bei vitaler Indikation und dann etwa eine Kinderhand breit unterhalb des Kniegelenkspalts erfolgen", so Dorsch.

Fast alle Medikamente, die intravenös gegeben werden können, können in derselben Dosis auch intraossär appliziert werden, einschließlich Volumentherapie. Nur bei hochosmolaren Glukoselösungen ist Vorsicht geboten.

Für wen kommt eine intraossäre Punktion in Frage? Kandidaten sind Ertrinkungsopfer, Kinder mit schweren Verbrennungen oder Unterkühlungen und Kinder mit Polytrauma. "Die Prozedur ist sehr selten nötig, aber man sollte sie als Arzt schon im Repertoire haben", so Dorsch.

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