Direkt zum Inhaltsbereich

Viel Virus-DNA mit hohem Krebsrisiko verknüpft

TAIPEH (ner). Bei Patienten mit chronischer Hepatitis B sind hohe Blut-Spiegel an DNA des Hepatitis-B-Virus (HBV) ein Hinweis auf ein erhöhtes Risiko, ein hepatozelluläres Karzinom zu entwickeln. Taiwanesische Gastroenterologen empfehlen deshalb diesen Marker zum Monitoring der Patienten sowie für die Kontrolle der Wirksamkeit einer antiviralen Therapie.

Veröffentlicht:

Erhöhte Aufmerksamkeit sollte Patienten mit HBV-DNA-Spiegeln von 10 000 Kopien/ml oder mehr gelten. Das meinen Dr. Chien-Jen Chen von der Nationalen Universität Taiwan in Taipeh und seine Kollegen (JAMA 295, 2006, 65).

Sie haben in einer Studie 3653 Hepatitis-B-Patienten mit initial normalen Werten des Enzyms ALAT (Alaninaminotransferase) und ohne Leberzirrhose sowie ohne Hepatitis-C-Koinfektion prospektiv untersucht. Die Daten repräsentieren einen Spontanverlauf, denn keiner der Patienten hat eine antivirale Therapie bekommen, weil diese bis zum Jahr 2003 in Taiwan nicht verfügbar war.

Insgesamt waren im Beobachtungszeitraum von mehr als elf Jahren 164 hepatozelluläre Karzinome aufgetreten. Für Patienten mit 10 000 bis 100 000 Viruskopien/ml war die Karzinomrate im Vergleich zu Patienten mit weniger als 300 Kopien/ml im Blut um das 2,7fache erhöht.

Ab 100 000 Kopien/ml betrug die Rate bereits das Neunfache, ab einer Million Kopien/ml mehr als das Zehnfache der Vergleichsgruppe. In diesen beiden Gruppen waren zwölf bis 14 Prozent der Patienten innerhalb von 13 Jahren an einem hepatozellulären Karzinom erkrankt.

In vorangegangenen Studien hatte die Arbeitsgruppe um Chen bereits das HBs-Antigen und das HBe-Antigen als Risikofaktoren für das hepatozelluläre Karzinom identifiziert. HBs-Ag ist das Oberflächenantigen, HBe-Ag ist ein Marker für die Vermehrungsaktivität des Virus. HBe-Ag-positive Patienten hätten meist auch einen deutlich erhöhten HBV-DNA-Spiegel (mehr als 100 000 Kopien/ml), berichten die Gastroenterologen.

Auffällig sei jedoch gewesen, daß zwei von drei Patienten mit negativem HBe-Ag dennoch nachweisbare Viruskonzentrationen im Blut hatten. Die Menge der HBV-DNA sollte künftig zum Monitoring der Patienten sowie zur Kontrolle der Wirksamkeit einer antiviralen Behandlung genutzt werden, empfehlen die taiwanesischen Gastroenterologen. Dies sei wichtig, um die Krebsinzidenz zu senken.

Weltweit sind Schätzungen zufolge 350 Millionen Menschen chronisch mit dem Hepatitis-B-Virus infiziert. 15 bis 40 Prozent von ihnen entwickeln eine Leberzirrhose, erleben eine hepatische Dekompensation oder bekommen ein hepatozelluläres Karzinom.

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Welt-Hepatitis-Tag

Hepatitis E: Unterschätzte Gefahr bei Leberzirrhose?

Robert Koch-Institut

Hepatitis C: Diese Bevölkerungsgruppe ist am häufigsten betroffen

Das könnte Sie auch interessieren
Neue Empfehlung zu HWI und Zystitis

© EAU

Ergänzung EAU-Leitlinie 2026

Neue Empfehlung zu HWI und Zystitis

Anzeige | MIP Pharma GmbH
Therapie bei unkomplizierter Zystitis

© Dr_Microbe | Adobe Stock

Evidenz, Resistenz & Wirksamkeit

Therapie bei unkomplizierter Zystitis

Anzeige | MIP Pharma GmbH
Welche Rolle spielen Biofilme bei Therapieversagen und Rückfällen?

© robertprzybysz | iStock

Persistierende Onychomykosen

Welche Rolle spielen Biofilme bei Therapieversagen und Rückfällen?

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Chronisch rezidivierende Vulvovaginalmykosen

© Domepitipat | iStock

Lebensqualität zurückgewinnen

Chronisch rezidivierende Vulvovaginalmykosen

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Pityriasis versicolor

© iStock / C5C

Kleienpilzflechte im Sommer

Pityriasis versicolor sicher erkennen und gezielt behandeln

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: ASTRUM-005-Studie: Finale Analyse des Gesamtüberlebens (OS)

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [5]

Serplulimab beim ES-SCLC

Aus Evidenz wird eine starke Leitlinienempfehlung

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Accord Healthcare GmbH, München
Abb. 1: Strukturierter Ablauf der CAR-T-Zelltherapie, in sektorübergreifender Zusammenarbeit zwischen Zentrum und zuweisender Praxis

© Janssen-Cilag

CAR-T-Zelltherapie mit Cilta-cel

Frühzeitige Zuweisung und strukturierte Patientensteuerung

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Janssen-Cilag GmbH, a Johnson & Johnson company, Neuss
Holzklötze mit Symbolen für verschiedene Versicherungsarten, dahinter eine Person im weißen Hemd.

© REDPIXEL / stock.adobe.com

Cancer is Changing

Medizinischer Fortschritt: „Zwei von drei Krebspatientinnen leben heute länger als fünf Jahre nach der Diagnose“

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: BeOne Medicines Germany GmbH
Vorteile des Logins

Mit unserem kostenloses Login erhalten Ärztinnen und Ärzte, Medizinstudierende sowie Fachkräfte im Gesundheitswesen vollen Zugriff auf unsere medizinischen und praxisrelevanten Inhalte.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Springer Medizin Gala

Preisträger des Springer Medizin Charity Awards feierlich gekürt

Lesetipps
Gewinner des Galenus-von-Pergamon-Preises 2026 in der Kategorie Specialist Care:

© Marc-Steffen Unger

Fortgeschrittenes kleinzelliges Lungenkarzinom

Galenus-Preis 2026: Imdylltra® gewinnt in der Kategorie Specialist Care