Hygiene-Mängel in Pakistan

Viele HIV-Infekte bei Kleinkindern

In Pakistan werden ungewöhnlich viele Kleinkinder mit HIV infiziert. Die Ursache: Hygienemängel bei Injektionen.

Veröffentlicht: 27.12.2019, 09:50 Uhr

Karachi. Hygienemängel bei Injektionen und Bluttransfusionen haben in der Stadt Ratodero im Norden Pakistans zu gehäuften HIV-Infektionen vor allem bei kleinen Kindern geführt. Das hat die Untersuchung eines Ausbruchs in der Stadt mit 330 000 Einwohnern vom April ergeben, berichten Ärzte um Dr. Fatima Mir von der Aga Khan University in Karachi (Lancet Infect Dis. 2019; online 20. Dezember). Die Behörden hatten im Frühjahr ein freiwilliges HIV-Screening angeboten, nachdem ungewöhnlich viele HIV-Infekte bei Kindern aufgefallen waren.

Von über 31 000 getesteten Menschen waren 930 HIV-positiv, 604 davon waren jünger als fünf Jahre und 793 jünger als 16 Jahre. Nach Ansicht der Ärzte waren die HI-Viren vor allem mit kontaminierten Injektionsnadeln und Blutprodukten übertragen worden.

So hatten fast 90 Prozent der betroffenen Kinder in der Zeit vorher mehrere Injektionen bekommen, vor allem bei Magen-Darm- oder Atemwegsinfektionen. Fast zehn Prozent der Kinder waren mit Bluttransfusionen behandelt worden, in der Regel wegen Anämie. Bei 2,5 Prozent der Kinder war auch die Mutter infiziert. Bei jedem dritten registrierten Kind mit HIV war bis Mitte Juli keine antivirale Therapie begonnen worden, so die Ärzte. Begründet wird dies mit Medikamenten-Engpässen und zu wenig geschultem Personal.

Pakistan gehört zu den letzten vier Ländern in Asien, in denen die HIV-Inzidenz seit 1990 ununterbrochen steigt, so die Ärzte. Die Infektionen springen dabei offenbar häufig von Risikogruppen in die Normalbevölkerung. 70 Prozent der Einwohner sind bei der Gesundheitsversorgung auf Privat-Praxen und -Kliniken angewiesen, in denen es keine staatlichen Kontrollen gibt. Zudem präferieren Therapeuten Injektionstherapien, weil sie orale Medikamente als weniger effektiv ansehen. Für über 90 Prozent dieser Injektionen gebe es orale Alternativen, heißt es in einem Kommentar zur Studie. (eis)

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