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Viele Kranke brauchen bessere Selenversorgung

HAMBURG (nke). Vor allem bei kranken Menschen ist die Selenversorgung oft unzureichend. Sie bedürfen einer Selensubstitution. Darauf verständigten sich die Teilnehmer eines Expertenworkshops.

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Das essenzielle Spurenelement Selen ist Bestandteil von antioxidativen Enzymen und wirkt immunmodulierend. Die Ernährung liefert in Deutschland allerdings nur wenig von dem Mineralstoff, da die Böden selenarm sind. Das bei der Veranstaltung des Unternehmens Dr. Loges unterzeichnete Konsensuspapier fasst die wissenschaftlichen Grundlagen zu Wirkmechanismen und klinischer Bedeutung von Selen zusammen und leitet daraus Empfehlungen für die Praxis ab.

Sinnvoll ist danach die Verabreichung von Selen zur Prävention von Krebs sowie begleitend zur Tumortherapie und in der Krebsnachsorge. Auch bei entzündlichen Schilddrüsenerkrankungen und zur Prävention der KHK kann die Applikation des Spurenelementes nützlich sein, wie aus mehreren Studien hervorgeht.

Bei Krebserkrankungen sei die Epidemiologie eindeutig, sagte der niedergelassene Internist Dr. Stephan Wey aus Lauf bei Baden-Baden. "Eine schlechte Selenversorgung ist - vor allem bei Rauchern - mit einer erhöhten Krebsinzidenz assoziiert." Das Risiko für Prostatakrebs ist bei niedrigen Selenspiegeln um das Vier- bis Fünffache erhöht.

Klarheit über die Bedeutung von Selen in der Primärprävention soll die Select-Studie (Selenium and Vitamin E Cancer Prevention Trial) liefern. Dabei wird bei 12 000 Männern in den USA der Nutzen von 200 µg Selen, 400 mg Vitamin E und der Kombination beider Substanzen im Vergleich zu Placebo geprüft. Ausgewertet wird die Studie 2012. Dr. Martin Adler, Allgemeinarzt aus Siegen, empfiehlt bereits jetzt allen Männern zur Prävention von Prostata-Ca täglich 200 µg Selen als Natriumselenit.

Optimale Selenserumspiegel zur Primär- und Sekundärprävention von Krebs lägen bei 120 bis 140 µg/l vor, so Wey. Um diese zu erreichen sei in eine langfristige Substitution mit Natriumselenit erforderlich. Vor Verabreichung des Mineralstoffs sollte der Blutselenspiegel ermittelt werden. Bei langfristiger Einnahme sollte eine tägliche Dosis von 300 µg nicht überschritten werden. Eine erste Kontrolle sei nach etwa drei Monaten, später in halbjährlichen Abständen nötig.

STICHWORT

Selen

Selen ist ein Halbedelmetall und verhält sich chemisch ähnlich wie Schwefel. Das essenzielle Mikro-Spurenelement hat wichtige oxidative Schutzfunktionen: in den körpereigenen Redoxsystemen der Glutathionperoxidase und Thioredoxinreduktase, bei der Produktion des Schilddrüsenhormons T4, bei DNA-Reparaturmechanismen und der Apoptose in Tumorzellen. Bisher sind mehr als 20 Selen-haltige Proteine oder Proteinuntereinheiten bekannt. (eb)

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