Nahrungsergänzungsmittel

Vitaminpillen senken Infarkt-Risiko nicht

Nahrungsergänzungsmittel wie Vitamine und Mineralien senken nicht das Risiko, an Hirninfarkt oder Herzkrankheit zu sterben, so eine Studie.

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Frisches Obst zu essen ist besser als Vitaminpillen einzunehmen, betont die Deutsche Schlaganfall-Gesellschaft.

Frisches Obst zu essen ist besser als Vitaminpillen einzunehmen, betont die Deutsche Schlaganfall-Gesellschaft.

© Sven Bähren / stock.adobe.com

BERLIN. Jeder vierte deutsche Verbraucher schluckt sie, doch wohl die wenigsten brauchen sie: Mit Nahrungsergänzungsmitteln wie Vitamin A, C, D und E, mit Kalzium, Magnesium oder Eisen setzte der Handel im Jahr 2015 laut Verbraucherzentrale Bundesverband rund 1,1 Milliarden Euro um.

Dass dieses Geld schlecht angelegt ist, bestätigt nun eine Metaanalyse zum Einsatz der Präparate gegen Schlaganfall und Herzinfarkt (Circ Cardiovasc Qual Outcomes. 2018; 11(7): e004224).

Verbraucher sollten ihr Geld deshalb lieber in einen Sportverein investieren und auf eine gesunde Ernährung achten, raten Experten der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) und der Deutschen Schlaganfall-Gesellschaft (DSG) in einer gemeinsamen Mitteilung.

Insgesamt 3249 Studien aus den Jahren 1970 bis 2016 haben Mediziner um Professor Joonseok Kim, University of Alabama in Birmingham, für die Metaanalyse berücksichtigt.

Um zu klären, wie die Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln das Risiko für Schlaganfälle und Herzerkrankungen beeinflusst, analysierten die Forscher 18 besonders hochwertige Studien, an denen insgesamt mehr als zwei Millionen Menschen teilgenommen hatten.

"Ernüchterndes Ergebnis"

"Das Ergebnis ist ernüchternd und lautet, dass es keinen Nutzen einer solchen Maßnahme für die Gesamtbevölkerung gibt", wird Professor Peter Berlit, DGN-Generalsekretär in der Mitteilung zitiert.

Fasst man die Sterblichkeit für alle Herz-Kreislauf-Erkrankungen zusammen, so war das relative Risiko (RR) bei der Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln exakt 1,00.

Das bedeutet: Es machte keinen Unterschied, ob die Teilnehmer eine Extradosis Vitamine, Mineralstoffe oder Spurenelemente einnahmen oder nicht.

Zum gleichen Ergebnis kamen die Forscher – im Rahmen der statistischen Schwankungen – bei der separaten Betrachtung von Herzsterblichkeit (RR 1,02), Tod durch Schlaganfall (RR 0,95) und der Häufigkeit von Schlaganfällen (RR 0,98).

Lediglich das Risiko für Herzerkrankungen schien mit einem RR von 0,88 für Nahrungsergänzungsmittel zu sprechen.

Es besteht aber auch hier kein Zusammenhang: Zieht man lediglich die höherwertigen, randomisierten und kontrollierten Studien zur Berechnung heran, ergibt sich ein relatives Risiko von 0,97.

"Zu diesem unbefriedigenden Resultat kommt noch das alarmierende Ergebnis einer systematischen Metaanalyse von 78 randomisierten Studien aus dem Jahr 2012 durch die Cochrane Collaboration, wonach die Nahrungsergänzung mit Antioxidantien nicht nur nicht hilft, sondern sogar die Sterblichkeit erhöht!", so Berlit in der Mitteilung.

Salat, Obst und Gemüse wirken Gefäßerkrankungen entgegen

Dabei hatten die Forscher sich in der aktuellen Studie die größte Mühe gemacht, auch Untergruppen zu erkennen, die möglicherweise doch von Nahrungszusätzen profitieren könnten.

Das Ergebnis blieb jedoch stets negativ, egal, wie lange die Präparate eingenommen wurden, wie alt die Studienteilnehmer waren, ob Mann oder Frau, Raucher oder Nichtraucher, sportlich oder nicht.

"Mit Multivitamin-Tabletten werden jährlich Milliardenumsätze gemacht, die Metaanalyse zeigt jedoch klar, dass diese Pillen weder Schlaganfälle verhindern noch die Sterblichkeit an Herz-Kreislauf-Erkrankungen senken", fasste der 1. Vorsitzende der Deutschen Schlaganfall-Gesellschaft (DSG), Professor Armin Grau, in der Mitteilung zusammen.

"Es ist hingegen eindeutig erwiesen, dass Salat, Obst und Gemüse Gefäßerkrankungen entgegenwirken. In Salat, Obst und Gemüse kommen Vitamine in ihrer natürlichen Umgebung vor. Fünf Portionen am Tag gelten als optimal."

Weitere effektive Maßnahmen, die sogar den Geldbeutel schonen, sind der Verzicht aufs Rauchen und auf größere Mengen von Alkohol sowie regelmäßige körperliche Bewegung.

"Wenn man schon Geld ausgeben will, dann ist es ist viel lohnenswerter, in einen Sportverein oder ein Fitnessstudio zu investieren als in Vitamine und Mineralstoffe", riet Berlit. (eb)

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Kommentare
Dr. A. Constantin Rocke 04.09.201808:15 Uhr

Unzulässige Verallgemeinerung

Diese Verallgemeinerung halte ich für falsch - ein Beispiel zur Folsäure aus dem china stroke prevention trial:

https://www.acc.org/latest-in-cardiology/clinical-trials/2015/03/14/13/01/csppt

Bei derartig vernichtenden Mikronährstofftherapie-kritischen Aussagen sollte man sich immer fragen: cui bono?

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