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Virologen fordern

Vorteile des Impfenschutzes besser vermitteln

Die Deutsche Gesellschaft für Virologie (GfV) fordert ein langfristiges Impfkonzept für Deutschland.

Veröffentlicht:

ULM. Bei der Diskussion um einen verbesserten Impfschutz in Deutschland dürfe die Masern-Impfung nicht allein im Fokus stehen, betont die Deutsche Gesellschaft für Virologie (GfV) in einer Mitteilung.

Zum Beispiel müssten auch die HPV-Impfung bei jungen Mädchen zum Schutz vor Zervix-Karzinom und die Pneumokokken-Impfung bei alten Menschen häufiger als bisher eingesetzt werden.

"Wir brauchen zudem ein langfristiges Impfkonzept für die kommenden Jahrzehnte", betonen die GfV-Experten in der Mitteilung.

Die GfV appelliert an Hausärzte, ihre Patienten verstärkt an Impfungen zu erinnern. Die im Präventionsgesetz vorgesehene verpflichtende Impfberatung vor dem Kindergarten wird ausdrücklich begrüßt.

"Die Impfberatung vor dem Besuch einer Kindertagesstätte, vor allem aber die Kontrolle des Impfstatus bei jedem Arztbesuch sind wichtige Maßnahmen, um Impflücken etwa bei Masern, Röteln oder Mumps zu schließen", wird GfV-Präsident Professor Thomas Mertens vom Uniklinikum Ulm in der Mitteilung zitiert.

"Grundsätzliche Lösung ohne Impfstoffe nicht denkbar"

Laut einer Studie an der Universität Erfurt ließen sich in Deutschland mehr Menschen impfen, wenn die Vorteile des Schutzes für den Einzelnen und die Gesellschaft besser vermittelt würden.

Deshalb müsse das Thema mit allen Aspekten viel besser als bisher in die Ausbildung der Medizinstudenten eingebunden werden.

"Eine grundsätzliche Lösung der Probleme, vor die uns altbekannte und regelmäßig neu auftretende Viren stellen, ist ohne Impfstoffe nicht denkbar", betont Mertens.

Die GfV fordert Ärzte zudem auf, verstärkt über neue, weniger bekannte Impfstoffe zu informieren, etwa die HPV- oder auch die Pneumokokken-Impfung. Diese Impfstoffe haben sich als wirkungsvoll erwiesen. Dennoch werden sie in Deutschland noch viel zu selten eingesetzt, kritisieren die Experten.

Ein anderes Problem, das im Präventionsgesetz berücksichtigt werden sollte, sei die Überprüfung des langfristigen Impfschutzes, so die GfV.

Säuglinge werden zwar erfolgreich etwa gegen Hepatitis B, Mumps oder Varizellen geimpft. Wichtig sei aber auch zu erforschen, wie diese Impfungen im Erwachsenenalter weitergeführt werden müssen.

Für solche Arbeiten fehle jedoch die finanzielle Unterstützung der zuständigen staatlichen Stellen.

Die Forschungsnotwendigkeit werde auch im Nationalen Impfplan thematisiert. Die GfV betont: Nur mit hohen Impfraten und validierten Impfstrategien können gefährliche Erreger in Deutschland dauerhaft in Schach gehalten werden. (eb)

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Kommentare
Dr. Wolfgang P. Bayerl 02.05.201508:42 Uhr

die drei HPV-Impfungen für ein prophylaktische Maßnahme, bisher nur mit "Wahrscheinlichkeit"

sind allerdings verdammt teuer, imho zu teuer liebe Virologen.
Pneumokokken selektiv ja, sind aber keine Viren.

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