Geburt

WHO kritisiert zu häufigen Einsatz von Wehenmitteln

Selbst bei unkomplizierten Schwangerschaften greifen Ärzte und Hebammen immer öfter in den natürlichen Geburtsverlauf ein, kritisiert die Weltgesundheitsorganisation.

Veröffentlicht:

GENF. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat den Trend zu immer mehr medizinischen Interventionen während der Geburt kritisiert. In vielen Fällen sei das überflüssig und könne Mutter oder Kind gefährden, teilte die Organisation am Donnerstag in Genf mit.

Sie wandte sich etwa gegen den immer häufigeren Einsatz von Wehenmitteln, beispielsweise Oxytocin, zur Beschleunigung der Geburt. Bei den meisten der 140 Millionen Geburten pro Jahr weltweit sei das nicht nötig.

"Wenn die Wehen sich normal entwickeln und Mutter und Kind bei guter Gesundheit sind, sind Interventionen, um die Geburt zu beschleunigen, nicht nötig", sagte Princess Nothemba Simelela, Leiterin der WHO-Abteilung Familien, Frauen, Kinder und Jugendliche.

Die WHO hat deshalb neue Richtlinien für Geburten herausgegeben. Nicht das Krankenhaus, die Ärztin oder Hebamme sollten allein die Schritte der Geburt bestimmen. Die Frauen müssten stets einbezogen werden.

Die WHO gibt in ihren neuen Richtlinien 56 Empfehlungen. Darin wirft sie die Faustregel über Bord, dass sich der Muttermund nach normaler Schwangerschaft bei Einsetzen der Wehen etwa einen Zentimeter pro Stunde öffnen sollte. Für manche Frauen sei das unrealistisch. Eine langsamere Öffnung allein deute nicht automatisch darauf hin, dass es bei der Geburt Komplikationen gebe und Interventionen nötig seien.

Auch die Kardiotokographie sei normalerweise nicht nötig, ebenso wenig das Rasieren der Schamhaare. Die Organisation rät von einem Dammschnitt als Routineeingriff ab. Babys müssten nicht automatisch Mund und Nase ausgesaugt werden, wenn sie auch allein anfingen zu atmen.

In Ländern mit knappen Gesundheitsressourcen sei es wichtig, das vorhandene Geld für den Ausbau der Gesundheitsbetreuung für alle Schwangeren zu nutzen. Jeden Tag sterben nach Angaben der WHO weltweit 830 Frauen bei der Geburt. Die meisten Todesfälle könnten durch gute Vorsorge und Betreuung bei der Geburt verhindert werden. (dpa)

Die Richtlinien sind abrufbar unter: www.who.int/reproductivehealth/ publications/intrapartum-care- guidelines/en/

Mehr zum Thema

Versorgung von ungewollt Schwangeren

Ärztin Alice Baier: „Abruptio gehört ins Studium“

Kommentare
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Das war der Tag: Der tägliche Nachrichtenüberblick mit den neuesten Infos aus Gesundheitspolitik, Medizin, Beruf und Praxis-/Klinikalltag.

Eil-Meldungen: Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Untypisches Krankheitsbild

Hinter dieser Appendizitis steckte ein Erreger

Qualität im stationären Sektor

Lauterbach will Klinik-Atlas überarbeiten

Lesetipps
Globuli in Fläschchen

© ChamilleWhite / Getty Images / iStock

Leitartikel

Homöopathie: Eine bloße Scheindebatte

Eine neue Leitlinie, die Ende diesen Jahres veröffentlicht werden soll, soll Ärzten und Ärztinnen in der hausärztlichen Versorgung helfen, Patienten und Patientinnen zur Vitamin-D-Substitution adäquat zu beraten.

© irissca / stock.adobe.com

32. Jahreskongress der SGAM

Empfehlungen zur Vitamin-D-Substitution: Neue Leitlinie angekündigt