Wann hat ein Kind eigentlich zu hohen Blutdruck?

OHIO/ERLANGEN (nke). Eine vereinfachte Tabelle zur Hypertonie-Diagnostik bei Kindern und Jugendlichen haben jetzt US-Pädiater vorgestellt. Damit solle es besser als bisher gelingen, Kinder und Jugendliche mit Bluthochdruck früh zu erkennen. Professor Wolfgang Rascher von der Universität Erlangen-Nürnberg hält die angegebenen Referenzwerte allerdings für problematisch.

Veröffentlicht:
Blutdruckmessung bei einem Mädchen. Der Trend geht auch hier wie bei Erwachsenen zu einer 24-Stunden-Messung.

Blutdruckmessung bei einem Mädchen. Der Trend geht auch hier wie bei Erwachsenen zu einer 24-Stunden-Messung.

© Foto: sko

Die Tabelle stammt von der Arbeitsgruppe um Dr. David C. Kaelber von der Case Western Reserve University in Ohio (Pediatrics 123, 2009, e972). "Wenn Sie die US-Werte verwenden, haben 30 Prozent aller Kinder und Jugendlichen einen hohen Blutdruck", kritisiert Rascher, Direktor der Kinder- und Jugendklinik.

Genaue epidemiologische Daten zum Blutdruck liegen in Deutschland vom Kinder- und Gesundheitssurvey (KIGGS) des Robert-Koch-Instituts vor. Danach liegt bei Mädchen im Alter von 14 Jahren die 75. Perzentile bei einem systolischen Wert von 120 mmHg. In der US-Tabelle ist für 14-jährige Mädchen 119/77 mmHg als Grenzwert angegeben. "Demnach wären 25 Prozent der deutschen Mädchen hyperton. Das kann nicht sein", so Rascher zur "Ärzte Zeitung".

Die Deutsche Hochdruckliga zieht die Grenze zum Hochdruck bei 125/80 mmHg für 12-Jährige, bei 135/85 mmHg für 16-Jährige und bei 140/90 mmHg für über 18-Jährige. Diese Werte liegen über den von den US-Ärzten empfohlenen Grenzwerten in Höhe von 120/78 für 16-Jährige und 120/80 für über 18-Jährige.

Dass in Deutschland Kinder mit Bluthochdruck aufgrund der höheren Grenzwerte übersehen werden könnten, befürchtet Rascher nicht. Eher falle das Ergebnis der Blutdruckmessung beim Arzt häufig zu hoch aus: "Deshalb ist es wichtig, dass man an drei Tagen misst. Erst wenn bei allen Messungen die Grenze überschritten ist, sollen Maßnahmen folgen. Die Tendenz geht in der Pädiatrie dahin, 24 Stunden Blutdruck zu messen, bevor man therapiert." Europäische Empfehlungen zu Blutdruck bei Kindern und Jugendlichen sollen bald im "Journal of Hypertension" publiziert werden.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar: Lücken, die es zu schließen gilt

Schlagworte:
Mehr zum Thema

Nicht-ärztliche Betreuung

Hypertonietherapie raus aus der Allgemeinpraxis?

Britische Registeranalyse

Bessere Prognose bei seltener als bei üblicher Nierenerkrankung

Kommentare
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Das war der Tag: Der tägliche Nachrichtenüberblick mit den neuesten Infos aus Gesundheitspolitik, Medizin, Beruf und Praxis-/Klinikalltag.

Eil-Meldungen: Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Nicht-ärztliche Betreuung

Hypertonietherapie raus aus der Allgemeinpraxis?

„ÄrzteTag“-Podcast

Wie funktioniert Gesundheitsversorgung im Kollektiv, Frau Dr. Hänel?

Lesetipps
Globuli in Fläschchen

© ChamilleWhite / Getty Images / iStock

Leitartikel

Homöopathie: Eine bloße Scheindebatte

Eine neue Leitlinie, die Ende diesen Jahres veröffentlicht werden soll, soll Ärzten und Ärztinnen in der hausärztlichen Versorgung helfen, Patienten und Patientinnen zur Vitamin-D-Substitution adäquat zu beraten.

© irissca / stock.adobe.com

32. Jahreskongress der SGAM

Empfehlungen zur Vitamin-D-Substitution: Neue Leitlinie angekündigt