Warum Kratzen eine Psoriasis-Läsion auslöst

Ein wichtiges Element im komplexen Zusammenspiel der Faktoren, die Schuppenflechte verursachen, haben Münchner Forscher entdeckt. Damit können sie eine bisher rätselhafte Hautreaktion bei Dermatosen erklären.

Von Angela Speth Veröffentlicht:
Ausgedehnte Psoriasis am Haaransatz und auf der Kopfhaut. Bei manchen Patienten entstehen durch harmloses Kratzen neue Läsionen.

Ausgedehnte Psoriasis am Haaransatz und auf der Kopfhaut. Bei manchen Patienten entstehen durch harmloses Kratzen neue Läsionen.

© Farina3000 / fotolia.com

MÜNCHEN. 1872 beschrieb Professor Heinrich Köbner erstmals eine überraschende Beobachtung: Bei Patienten mit einer Dermatose wie Psoriasis, Lichen planus und Vitiligo löste ein Trauma wie Abschürfung oder Kratzen auf einer zuvor scheinbar gesunden Hautstelle eine neue Läsion aus.

Seitdem wird diese Reaktion nach dem bekannten Breslauer Dermatologen "Köbner-Phänomen" genannt. Sie ist "isomorphisch" (in der gleichen Form), unterscheidet sich also nicht von den jeweils typischen krankheitsbedingten Läsionen.

Einen entscheidenden Faktor, der diesem Mechanismus bei der Schuppenflechte zugrunde liegt, haben deutsche und US-amerikanische Forscher entschlüsselt. Darauf bauen sie die Hoffnung, ihn für neue Therapien zu nutzen: sowohl gegen die Dermatose selbst als auch die Neigung dazu, teilt die Ludwig-MaximiliansUniversität (LMU) München mit.

Um aufzuklären, weshalb die Schuppenflechte durch äußere mechanische Einflüsse ausbrechen kann, haben die Forscher relevante molekulare Signalwege untersucht. Daran sind zwei Proteine beteiligt, die in der Haut von Menschen, die für Psoriasis anfällig sind, in deutlich erhöhter Menge vorkommen.

Eines, das Koebnerisin (S100A15), hat Privatdozent Ronald Wolf von der LMU gefunden (Science Translational Medicine 2010; 2: 61). Ein zweites, nahe verwandtes Eiweiß, das Psoriasin, war bereits bekannt.

Bei Mäusen sind die Funktionen, die beim Menschen auf die beiden Proteine verteilt sind, in einem einzigen gebündelt: dem S100a7a15. Das Ärzte-Team veränderte das Erbgut der Nager so, dass sie die Eiweißstoffe schon von Geburt an in größeren Mengen in der Haut produzierten.

Wie sich herausstellte, bildeten sich bei den Tieren durch diese Mutationen sehr leicht Symptome wie bei Menschen mit Schuppenflechte: Sobald die Haut der Mäuse, etwa durch eine Schürfung, gereizt wurde, startete eine überschießende Entzündung.

Bei dieser Reaktionskaskade bindet das S100a7a15-Protein an ein RAGE genanntes Molekül auf der Oberfläche von Immun- und Hautzellen.

 Infolgedessen wandern weitere Immunzellen in die Haut ein, zudem entstehen Psoriasis-typische Entzündungs-Botenstoffe in erhöhten Konzentrationen. Fazit der Autoren: Die S100-Proteine Psoriasin und Koebnerisin kurbeln zusammen mit RAGE Prozesse bei der Krankheitsentstehung an.

Nun wollen die Forscher Substanzen finden, die beide S100-Proteine oder deren Kopplung an RAGE blockieren. Sie hoffen, so Psoriasis-Herde zu verhindern oder einen Krankheitsschub zu bremsen. Für die zwei Millionen Patienten allein in Deutschland wäre das ein Gewinn.

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Mykose der behaarten Kopfhaut

Tinea capitis: Von der Diagnose zur Therapie

Das könnte Sie auch interessieren
DMykG 2025: So dringt Bifonazol effektiv in die Nagelplatte ein

© Matt LaVigne | iStock

Neue in-vitro-Daten

DMykG 2025: So dringt Bifonazol effektiv in die Nagelplatte ein

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Bifonazol: Antimykotikum mit antientzündlicher Wirkung

© Irina Esau | Getty Images/iStockphoto

Fokus: Integrität der Haut

Bifonazol: Antimykotikum mit antientzündlicher Wirkung

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Die Bedeutung von Bifonazol in der Therapie der Tinea capitis

© Prof. Dr. med. Hans-Jürgen Tietz

Pilzinfektion Kopfhaut

Die Bedeutung von Bifonazol in der Therapie der Tinea capitis

Anzeige | Bayer Vital GmbH
* Hinweis zu unseren Content-Partnern
Dieser Content Hub enthält Informationen des Unternehmens über eigene Produkte und Leistungen. Die Inhalte werden verantwortlich von den Unternehmen eingestellt und geben deren Meinung über die Eigenschaften der erläuterten Produkte und Services wieder. Für den Inhalt übernehmen die jeweiligen Unternehmen die vollständige Verantwortung.
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: Mittlere Veränderung des DAS28-CRP bis Woche 52 gegenüber Ausgangswert (primärer Wirksamkeitsendpunkt)

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [2]

Anti-TNF-Therapie

Erstes Golimumab-Biosimilar erweitert Therapiespielräume bei RA, PsA, axSpA und pJIA

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Advanz Pharma GmbH, München
Zielgerichtete Interleukin-23p19-Inhibition

© Oleh / stock.adobe.com

Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen

Zielgerichtete Interleukin-23p19-Inhibition

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Lilly Deutschland GmbH, Bad Homburg v.d.H.
Abb. 2: ADA und nAb unter AVT05 und Referenz-Golimumab bis Woche 16

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [3]

Colitis ulcerosa

Das erste Golimumab-Biosimilar erweitert die Therapieoption bei entzündlichen Erkrankungen

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Advanz Pharma GmbH, München
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Nutzen durch randomisierte Studie belegt

Qigong-Übungen senken erhöhten Blutdruck

Lesetipps
Tablette, auf der GLP-1 steht

© THIBNH / Generated with AI / Stock.adobe.com

Neuer GLP-1-Rezeptoragonist

Orforglipron: Bekommt Semaglutid jetzt Konkurrenz?

Ein Stempel mit der Aufschrift "Regress"

© Gina Sanders / stock.adobe.com |

Interview zum Vertragsarztrecht

Regress-Prävention: Wie Ärzte Formfehlern aus dem Weg gehen