Diabetes

Warum nicht jeder Adipöse diabeteskrank wird

Entzündungen im Fettgewebe und im Gehirn könnten Ursache dafür sein, dass manche Adipöse an Typ-2-Diabetes erkranken.

Veröffentlicht: 23.10.2019, 15:26 Uhr

Berlin. Mit dem Körpergewicht steigt ja das Risiko für Typ-2-Diabetes, besonders bei einem BMI von über 30 kg / m2 ist das Risiko sehr hoch. Doch warum erkranken einige Menschen mit Adipositas an Diabetes, andere nicht?

„Der Unterschied könnte in einer niederschwelligen Entzündungsreaktion bestehen, zu der es im Fettgewebe kommt“, wird Professor Monika Kellerer, Präsidentin der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) in einer Mitteilung der DDG zitiert.

Bei einigen Menschen komme es zu dieser Reaktion, bei anderen bliebe das Fettgewebe „unbehelligt“. Im ungünstigen Fall speichern die Fettzellen überschüssige Kalorien, wodurch das Immunsystems aktiviert wird.

Botenstoffe werden freigesetzt

Zunächst sind Makrophagen, später auch andere Immunzellen wie Lymphozyten nachweisbar. Im weiteren Entzündungsverlauf setzen die Abwehrzellen eine Reihe von Botenstoffen frei, die den Blutzuckerstoffwechsel stören. Insulin verliert allmählich seine Wirkung und es kommt zur Insulinresistenz.

Bisweilen komme es bei den Betroffenen auch im Hypothalamus zu einer Entzündung, berichtet die DDG weiter. Dies haben Kieler Forscher anhand von MRT-Aufnahmen Betroffener herausgefunden.

„Da sich in diesem wichtigen Steuerzentrum des vegetativen Nervensystems auch das Appetitzentrum befindet, könnte dies vielleicht sogar das verminderte Sättigungsgefühl von Menschen mit starkem Übergewicht erklären“, so Studienautor Professor Matthias Laudes vom Universitätsklinikum Schleswig-Holstein in der Mitteilung.

Mit Probiotika ließe sich die Entzündungsreaktion im Fettgewebe und im Gehirn und somit ein Typ-2-Diabetes möglicherweise verhindern. Eine andere entzündungsvorbeugende Therapiemaßnahme könnte sein, bestimmte Interleukine durch Antikörper zu hemmen. „Erste Studien zeigen, dass bei Patienten so der Glukosespiegel verbessert wird und dies sogar der vorzeitigen Verkalkung der Blutgefäße vorbeugt“, so Laudes.

Ruft Entzündung eine Leptin-Resistenz hervor?

Die Entzündungsreaktion im Gehirn wird dabei auch von Genvarianten beeinflusst – eine Variante könnte bei der Entstehung der Adipositas beteiligt sein, berichtet die DDG. Laudes sieht hier einen Zusammenhang mit Leptin, das im Gehirn ja ein Sättigungsgefühl erzeugt. Die Entzündung rufe eventuell eine Leptin-Resistenz hervor. „Das würde bedeuten, dass der Sättigungsmechanismus bei Betroffenen nicht funktioniert. Sie essen mehr, bevor sie satt werden.“

Darüber hinaus wies Laudes in seinen Untersuchungen darauf hin, dass auch ein Mangel an bestimmten Darmbakterien mit einer vermehrten Entzündungsreaktion im Hypothalamus verbunden war.

Die DDG rät Betroffenen zu individuellen Lebensstilverbesserungen. Aber auch gesundheitspolitische Maßnahmen wie das aktuelle Vorhaben des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL), den NutriScore als Lebensmittelkennzeichnung in Deutschland einzuführen, seien notwendig. (eb)

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