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Chronische Rhinosinusitis

Welche Rolle spielen Pilze?

In Abhängigkeit vom Krankheitsstadium variiert bei Patienten mit chronischer Rhinosinusitis die Zusammensetzung des bakteriellen Mikrobioms. Ob Ähnliches auch für das Mykobiom gilt, haben HNO-Ärzte aus Australien untersucht.

Von Dr. Dagmar Kraus Veröffentlicht:
Aspergillus haben die Forscher am häufigsten bei CRS-Patienten mit Pilznachweis gefunden.

Aspergillus haben die Forscher am häufigsten bei CRS-Patienten mit Pilznachweis gefunden.

© Sebastian Schreiter / Springer Medizin Verlag GmbH

ADELAIDE. Die mikrobielle Gesellschaft in und auf unserem Körper leistet einen wichtigen Beitrag für unsere Gesundheit. Kommt das komplexe Ökosystem etwa in unserem Darm aus dem Gleichgewicht, kann das die Entstehung von Adipositas, Diabetes sowie entzündlichen Darmerkrankungen begünstigen.

Einen ähnlichen Zusammenhang vermutet man auch bei chronischen Entzündungen der Nasennebenhöhlen. Und tatsächlich hat sich gezeigt, dass bei Patienten mit chronischer Rhinosinusitis (CRS) das bakterielle Mikrobiom aus dem Gleichgewicht geraten ist.

HNO-Ärzte aus Australien haben nun den Fokus speziell auf die fungale Mikroökologie gelegt. Sie haben das Mykobiom in den Nasennebenhöhlen von Gesunden mit dem von CRS-Patienten verglichen, und dabei anders als in den Untersuchungen zuvor nicht das 18S-rRNA-Gen als Zielstruktur genutzt, sondern die Internal-Transcribed-Spacer (ITS)-Region, die für Myzeten weitaus spezifischer ist (Laryngoscope 2017, online 4. Juli).

Fungale Biomasse messen

Insgesamt haben Yi Chen Zhao von der Universität in Adelaide und seine Kollegen 90 Probanden in ihrer Studie berücksichtigt, 63 litten an einer CRS, 27 nicht.

Von allen Teilnehmern wurde intraoperativ eine Tupferprobe aus dem mittleren Nasengang entnommen, und diese mit Hilfe konventioneller Verfahren wie Kultur und Histologie auf Myzeten hin untersucht. Gleichzeitig bestimmten die Forscher die ITS-Amplikon-Konzentration als Marker für die fungale Biomasse.

Mit konventionellen Methoden gelang ein Pilznachweis bei nur neun Teilnehmern, alle litten an einer CRS. Die anschließend gemessenen ITS-Amplikon-Konzentrationen ließen eine Unterteilung in drei Gruppen zu: CRS-Patienten mit Pilznachweis, CRS-Patienten ohne Pilznachweis sowie Kontrollpersonen.

Wie zu erwarten, lag die ITS- Amplikon-Konzentration bei CRS-Patienten mit konventionellem Pilznachweis mit 3,62 ng / µl am höchsten. Gleichzeitig wies diese Patientengruppe den niedrigsten Shannon- Diversitätsindex auf. Die niedrigsten ITS-Amplikon-Konzentrationen wiederum waren bei den gesunden Kontrollpersonen zu messen (1,01 ng / µl).

Bei immerhin 40 Probanden jedoch, davon waren 24 CRS-Patienten und 16 Kontrollpersonen, konnte in den Nasennebenhöhlen überhaupt keine fungale Biomasse nachgewiesen werden (ITS-Amplikon-Konzentrationen = 0,1 ng / µl). Andererseits fanden sich bei zwei Personen der Kontrollgruppe mit 1,4 und 1,7 ng / µl wiederum vergleichsweise hohe ITS-Amplikon-Konzentrationen.

Mit einem Anteil von 35,22 Prozent waren Aspergillus-ITS-Sequenzen am häufigsten vertreten, gefolgt von Schizophyllum (6,86 Prozent). 3,56 Prozent der Sequenzen konnten nicht zugeordnet werden.

Fungale Dysbiose als CRS-Ursache?

Die Studie bestätige somit die ITS- Sequenzierung als geeignete Technik, um das sinonasale Mykobiom zu charakterisieren, so das Resümee der australischen HNO-Ärzte. Schließlich korrelierten die Ergebnisse der ITS-Sequenzierung mit denen konventioneller Nachweisverfahren.

Gleichzeitig widerlege die Untersuchung die Hypothese, dass ein Myzetenwachstum beziehungsweise eine fungale Dysbiose grundsätzlich ausschlaggebend für die Entstehung der chronischen Rhinosinusitis sein könnte.

Konnte doch lediglich bei einer Untergruppe von CRS-Patienten ein überbordendes Pilzwachstum beziehungsweise eine fungale Dysbiose nachgewiesen werden, so Zhao und Kollegen.

Lassen sich Myzeten in Kulturen anzüchten oder histologisch nachweisen, spreche das für eine große fungale Biomasse, wie die australischen Studienautoren erklären. Andere klinischen Faktoren wie zum Beispiel der Lund-Mackay-Score, nasale Polypen, Eosinophilie oder eosinophiler Mukus ließen hingegen jedoch keine Rückschlüsse auf die fungale Besiedelung der Nasennebenhöhle zu.

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