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Wenn die Darmerkrankung auf die Lunge schlägt

Lungenerkrankungen wie Bronchiektasien und chronische Bronchitis können Folge einer chronisch- entzündlichen Darmerkrankung sein. Betroffen sind vor allem Patienten mit Colitis ulcerosa.

Philipp Grätzel von GrätzVon Philipp Grätzel von Grätz Veröffentlicht:

DRESDEN. Patienten mit chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen (CED) können gelegentlich eine Lungenbeteiligung aufweisen, die unbedingt als solche erkannt werden muss. Häufiger sind freilich sekundäre Lungenschäden als Folge der Therapie.

Die Häufigkeit einer primären Lungenbeteiligung bei CED-Patienten liege im Promillebereich, betonte Professor Stefan Brandt von der Medizinischen Klinik II der Universität München am Klinikum Großhadern. Vor allem Bronchiektasien und eine chronische Bronchitis können Folge der CED sein. Insgesamt sei das Risiko bei Patienten mit Colitis ulcerosa höher als bei Patienten mit Morbus Crohn.

Beim Kongress der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin in Dresden berichtete Brandt von einer jungen, nicht optimal behandelten Colitis-Patientin, die nach zehnjähriger Krankheit einen Colitis-Schub und zusätzlich eine schwere Tracheobronchitis mit einem auf 50 Prozent des Normalwerts verringerten FEV1-Werts entwickelte.

Unter einer dann initiierten adäquaten Colitis-Therapie mit einem Steroid und später Infliximab heilte nicht nur die Colitis ab. "Auch die Lungensymptome verschwanden vollständig", sagte Brandt.

Gelegentlich kommen bei CED-Patienten auch mit der CED assoziierte Erkrankungen des Lungenparenchyms vor. "Sie sind mit inhalativen Steroiden gut behandelbar. Nur bei schweren Verläufen werden orale Steroide nötig", betonte Brandt. Eine systemische Steroiddauertherapie sei bei CED mit Lungenbeteiligung dagegen in keinem Fall indiziert.

Häufiger als die primäre Lungenbeteiligung bei CED sind sekundäre Lungenerkrankungen, die meist Folge der Medikation sind. So könne bei Therapie mit Sulfasalazin bei Colitis-Patienten eine fibrosierende Alveolitis entstehen. Methotrexat könne eine Hypersensitivitätspneumonitis verursachen. Und bei TNFa-Blockern gehört eine Lupus-ähnliche Pleuritis zum Spektrum der unerwünschten Wirkungen.

Für die tägliche Praxis relevanter ist jedoch eine andere Variante der sekundären "Lungen"-Erkrankungen bei Patienten, nämlich Venenthrombosen und Lungenembolien. "Wir wissen, dass Patienten mit chronisch-entzündlicher Darmerkrankung ein erhöhtes Risiko für Thrombose und Lungenembolie haben. Sie sollten deswegen bei stationären Aufenthalten immer eine Thromboseprophylaxe erhalten", so Brandt.

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