Wer kommt zur Arbeit in die Klinik und wer nicht?

Bei einer Pandemie würden viele Beschäftigte im Gesundheitswesen zu Hause bleiben. Die wenigsten Fahnenflüchtigen gibt es bei Ärzten.

Von Michael Hubert Veröffentlicht:
Ob sie bei Pandemie wohl zur Arbeit kämen?

Ob sie bei Pandemie wohl zur Arbeit kämen?

© Foto: A.Rodriguezwww.fotolia.de

FRANKFURT AM MAIN. Bei einer Pandemie würden viele Klinikmitarbeiter fahnenflüchtig: In einer Umfrage am Uniklinikum Frankfurt am Main gab mehr als jeder Dritte an, in Falle einer potenziellen Influenza-Pandemie nicht zur Arbeit zu kommen. Im Herbst vergangenen Jahres erhielten im Zuge der Grippeimpfung alle teilnehmenden Mitarbeiter des Uniklinikums einen Fragebogen. Ziel der Studie war, zu erfassen, wie Bereitschaft und Möglichkeiten der Mitarbeiter eines großen Klinikums* sind, bei einer Influenza-Pandemie zur Arbeit zu kommen. Von den 3900 Mitarbeitern ließen sich 1244 gegen Grippe impfen, fast alle füllten den Fragenbogen aus.

Die Ergebnisse: 14 Prozent gaben an, einen Arbeitseinsatz während einer Pandemie abzulehnen. Mit 24 Prozent war der Anteil bei Beschäftigten in der Verwaltung am höchsten, mit 6 Prozent bei Ärzten am niedrigsten. Aufgrund von persönlichen Verpflichtungen - Betreuung von Kindern sowie erkrankter Angehöriger - würden 17 Prozent nicht erscheinen, aufgrund von Transportproblemen 13 Prozent. Da Doppelmeldungen ausgeschlossen waren, kämen zusammengefasst 36 Prozent der Beschäftigten im Pandemiefall nicht zur Arbeit (Bundesges. Blatt online). Gründe für das Fernbleiben waren primär Angst um die Familie (77 Prozent) und Angst um die eigene Gesundheit (72 Prozent).

An diesem Punkt kann der Arbeitgeber ansetzen. Denn die Beschäftigten wünschen sich die Bereitstellung angemessener persönlicher Schutzausrüstungen. Ganz oben rangiert mit 88 Prozent ein adäquater Mundschutz. An zweiter Stelle steht der Wunsch, unmittelbar nach Verfügbarkeit eines pandemischen Impfstoffes zuerst geimpft zu werden.

In den USA hatten ähnliche Erhebungen wie die in Frankfurt am Main eine mögliche Ausfallquote bei Pandemie von 50 Prozent ergeben. Damit könnte die medizinische Versorgung enormen Schaden nehmen. Wird doch für Deutschland bei einer Pandemie mit schweren klinischen Verläufen binnen acht Wochen mit 13 Millionen zusätzlichen Arztbesuchen, 360 000 Krankenhauseinweisungen und 96 000 Toten gerechnet.

*Das Uniklinikum Frankfurt am Main verfügt über knapp 1200 Betten und etwa 3900 Mitarbeiter

Weitere aktuelle Berichte, Bilder und Links zum Thema Schweinegrippe (Mexikanische Grippe) finden Sie auf unserer Sonderseite

Kommentare
Prof. Dr. Volker von Loewenich 27.07.200916:06 Uhr

Wer kommt zur Arbeit und wer nicht?

Sehr bemerkenswert ist der Unterschied zwischen Angehörigen der Verwaltung auf der einen und Ärzten auf der anderen Seite.
Mein Vorschlag: Verwaltung outsourcen nach Indien. In Zeiten des Internets sicher kein Problem.

Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: FIB-4 1,3: numerische 26%ige Risikoreduktion der 3-Punkt-MACE durch Semaglutid 2,4mg

© Springer Medizin Verlag GmbH, modifiziert nach [17]

Kardiovaskuläre, renale und hepatische Komorbiditäten

Therapie der Adipositas – mehr als Gewichtsabnahme

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Novo Nordisk Pharma GmbH, Mainz
SCD-PROTECT-Studie-- Frühe Phase nach Diagnose einer Herzinsuffizienz – deutlich höheres Risiko für den plötzlichen Herztod als in der chronischen Phase.

© Zoll CMS

SCD-Schutz in früher HF-Phase

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: ZOLL CMS GmbH, Köln
Abb. 2: Schneller Wirkeintritt von Naldemedin im Vergleich zu Placebo in den Studien COMPOSE-1 und COMPOSE-2

© Springer Medizin Verlag GmbH, modifiziert nach [15]

Opioidinduzierte Obstipation

Selektive Hemmung von Darm-Opioidrezeptoren mit PAMORA

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Viatris-Gruppe Deutschland (Mylan Germany GmbH), Bad Homburg v. d. Höhe
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

1,1 Millionen Erwachsene befragt

COVID-19: Impfskepsis häufig doch überwindbar

Lesetipps
Ein Mann mit naßgeschwitztem Gesicht und Hemd tupft sich mit einem Tuch die Stirn ab.

© Creatas / Thinkstock

Stufenschema

Das große Schwitzen: Strukturiert gegen Hyperhidrose vorgehen