Commotio cordis

Wie ein Schlag auf den Brustkorb das Herz still stehen lässt

Herzerschütterungen sind insgesamt sehr selten, gelten aber als einer der häufigsten Gründe für einen plötzlichen Herztod bei jungen, gesunden Sportlern.

Veröffentlicht: 15.08.2017, 13:08 Uhr
Wie ein Schlag auf den Brustkorb das Herz still stehen lässt

Karate gehört zu den Sportarten, bei denen es durch einen unkontrollierten Schlag auf den Brustkorb zu Herzproblemen kommen kann.

© poco_bw / Fotolia

FREIBURG. Warum ein heftiger Schlag auf den Brustkorb zum Herzstillstand führen kann, hat ein internationales Forscherteam unter Leitung des Universitäts-Herzzentrums Freiburg • Bad Krozingen aufgeklärt. Die Wissenschaftler wiesen in Laborstudien nach, dass durch lokale mechanische Stimulation im Herzgewebe ein zusätzlicher elektrischer Reiz entstehen kann, der die eigentliche Erregung des Herzens stört, zu Kammerflimmern und schließlich zum Herzstillstand führt, teilt das Herzzentrum mit. Auch den molekularen Mechanismus haben die Forscher entschlüsselt (Circulation: Arrhythmia and Electrophysiology. 2017; 10: e004777)

Herzerschütterungen sind insgesamt sehr selten, gelten aber als einer der häufigsten Gründe für einen plötzlichen Herztod bei jungen, gesunden Sportlern. Die Erkenntnisse der Forscher bieten nun Ansätze zur individuellen Risikoabschätzung bei Sportarten wie Eishockey, Baseball oder Karate.

Wie die Forscher aus Deutschland, Großbritannien und Kanada feststellten, werden durch die mechanische Reizung des Herzgewebes Eiweißmoleküle, sogenannte Ionenkanäle, in den Herzzellen verformt. In der Folge wird eine zusätzliche elektrische Erregungswelle ausgelöst. Dies hat aber nach Erkenntnissen der Forscher nur dann schwerwiegende Konsequenzen, wenn die Erregung dort entsteht, wo kurz zuvor eine normale Erregungswelle über das Herz gelaufen ist. Zudem muss die neu entstehende Welle genau die passende Ausbreitungsrichtung haben, wie die Wissenschaftler zeigten. Bekannt war bereits, dass die zusätzliche Erregung nur in einem Zeitfenster von 20 Millisekunden pro Herzschlag Auswirkungen hat.

"Für die normale Herzfunktion müssen diese Wellen, wie Wasser am Strand, gleichmäßig ein- und auslaufen. Eine Störung der Dynamik kann zu Verwirbelungen führen, die eine koordinierte Pumpfunktion unmöglich machen", wird der Erstautor der Studie Professor Alexander Quinn, Dalhousie University, USA, in der Mitteilung zitiert.

Im Notfall sofort mit Reanimation beginnen

Studien aus den USA haben gezeigt, dass das Risiko steigt, je kleiner und härter der Kontakt eines Objektes mit dem Brustkorb ist. "Im Notfall sollten Umstehende sofort Hilfe rufen und mit Herzdruckmassage und Mund-zu-Mund-Beatmung beginnen", so PD Dr. Hans-Jörg Busch, Ärztlicher Leiter Medizin des Universitäts-Notfallzentrums am Universitätsklinikum Freiburg, in der Mitteilung weiter. "Ist ein externer Defibrillator verfügbar, sollte dieser unbedingt eingesetzt werden. Denn damit ist die Chance sehr hoch, dass das Kammerflimmern beendet werden kann."

Ein besonders ungewöhnlicher Fall von Herzerschütterung erregte Mitte Juni internationale Aufmerksamkeit: Der französischen Bloggerin Rebecca Burger war ein mit Druckluft betriebener Sahnespender explodiert und ein Teil mit großer Wucht gegen den Brustkorb geprallt. Dies führte zum Herzstillstand, an dem Burger schließlich verstarb.

(eb)

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