COPD

"Wir leben im Zeitalter der dualen Bronchodilatation!"

Gelingt es, die Lunge von COPD-Patienten effizient zu entblähen, kann dies auch die Herzleistung steigern. So fällt es den Betroffenen leichter, sich wieder mehr zu bewegen.

Veröffentlicht: 16.01.2018, 12:03 Uhr

BERLIN. Die duale Bronchodilatation in der COPD-Therapie ist aufgewertet worden. Dies spiegelt sich unter anderem in den aktualisierten Empfehlungen der Global Initiative for COPD (GOLD) wider. "Wir wissen, dass wir mit der dualen Bronchodilatation eine FEV1-Zunahme von 300 bis 350 ml erreichen können", erläuterte Professor Marek Lommatzsch, Universität Rostock.

Das Entscheidende dabei sei aber nicht nur, dass die Atemwege erweitert werden, sondern, dass zudem die Lunge entbläht wird, so der Pneumologe bei einer von Berlin-Chemie unterstützten Veranstaltung.

Diese Entblähung sei erstaunlich stark, im Durchschnitt bis zu 700 ml. So könne der Patient wieder tiefer durchatmen, sich besser belasten.

LAMA / LABA stärkt auch Herz

Wie unter anderem die CLAIM-Studie ergeben hat, hat die Entblähung zudem einen direkten Effekt aufs Herz (ERS 2017, Abstract 2899). In der Untersuchung der Arbeitsgruppe um Professor Jens Hohlfeld, MH Hannover bekamen 62 COPD-Patienten mit deutlicher Überblähung einen dualen Bronchodilatator (Indacaterol / Glycopyrronium;110 / 50 μg q. d.) oder Placebo.

Nach 14 Tagen wurde die Veränderung des linksventrikulären enddiastolischen Volumens mittels Magnetresonanztomographie ermittelt. Das LV-Volumen besserte sich signifikant um 10,3 ml, die Herzleistung nahm zu (> 0,2 l / min / m2).

Zudem kam es zu einer Entblähung, das Residualvolumen verringerte sich im Mittel um 750 ml (p < 0,0001). "Diese Studie wird Geschichte schreiben", so das Fazit von Lommatzsch, weil sie zeige, dass sich mit einer inhalativen Therapie die Herzleistung steigern lasse.

Eine bessere Herzleistung geht häufig mit einer erhöhten Aktivität einher. Bestätigt hat dies unter anderem die Arbeitsgruppe um Privatdozent Dr. Henrik Watz, LungenClinic Grosshansdorf, mit einer dualen Bronchodilatation (Aclidinium / Formoterol) versus Placebo (Activate, Int J Chron Obstruct Pulmon Dis 2017; 12: 2545-2558).

Das Ergebnis: Patienten mit Verum hatten nicht nur eine geringere funktionelle Residualkapazität vor der Inhalation am Morgen (through FRC), sondern sie waren nach acht Wochen auch in der Lage 700 Schritte mehr zu gehen als Placebo-Patienten.

"Vor 15 Jahren war der Therapiestandard noch ICS / LABA – zu Recht. Aber, die Zeit ist vorbei. Heute ist es die Kombination LAMA / LABA. Wir leben im Zeitalter der dualen Bronchodilatation", so der Pneumologe. Sie sei in puncto Lungenfunktion und auch bei der Vermeidung von Exazerbationen deutlich überlegen.

ICS fristen Nischen-Dasein

Den inhalativen Steroiden bleibt so in der COPD-Therapie heute nur noch eine kleine Nische. Belegt wurde dies unter anderem in der Wisdom-Studie. Hier wurde die duale Bronchodilatation mit der Wegnahme eines inhalativen Steroids verglichen.

In einer Post-hoc-Analyse der Studie stellten Forscher fest, dass diejenigen Patienten (9 Prozent) mit einer hohen Zahl an Eosinophilen (> 300 Eosinophile / μl Blut) gut auf inhalative Steroide ansprachen. Eine weitere Analyse hat ergeben, dass COPD-Patienten, die 300 bis 400 Eosinophile / μl Blut plus mindestens zwei Exazerbationen in den vergangenen zwölf Monaten hatten, von einer Steroid-Gabe klar profitieren.

"Es gibt also eine Subpopulation an COPD-Patienten, die von der Zusatztherapie profitieren, allerdings nicht von der Initialtherapie", resümierte der Pneumologe aus Rostock. Nicht zu vernachlässigen sei bei der Steroidgabe aber auch das erhöhte Pneumonie-Risiko: "Es ist nicht riesig, aber es ist da." (otc)

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