Direkt zum Inhaltsbereich

Zervix-Schutz durch drei Injektionen

GRAINAU (wst). Aus einer persistierenden Infektion mit humanen Papillomaviren (HPV) entwickelt sich häufig ein Zervixkarzinom. Für einen effektiven Schutz vor den wichtigsten onkogenen HPV-Typen ist mittlerweile ein Impfstoff verfügbar. Die Zulassung einer weiteren Vakzine dieser Art wird demnächst erwartet. Experten hoffen, dass die Impfung für die Hauptzielgruppe der 11- bis 18-jährigen Mädchen Kassenleistung wird.

Veröffentlicht:

Der Impfstoff des Unternehmens GlaxoSmithKline mit dem Handelsnamen Cervarix® soll Mitte dieses Jahres auf den deutschen Markt kommen. Der Impfstoff schützt Patientinnen vor der Infektion mit den zwei häufigsten onkogenen HP-Viren, den Typen 16 und 18. Sie lösen mindestens 70 Prozent aller Zervix-Karzinome aus. Darauf hat Dr. Heike Perlitz aus Haldensleben bei Magdeburg hingewiesen.

Hauptbestandteil des noch nicht erhältlichen Impfstoffes sind so genannte Virus-like-Particles, die das hoch immunogene aber nicht onkogene Kapsidprotein L1 der HPV-Typen 16 und 18 enthalten. Um die Immunantwort zu verstärken, wurde das von GlaxoSmithKline patentierte Adjuvans AS04 hinzugefügt, berichtete Perlitz auf einer Veranstaltung des Unternehmens in Grainau.

Drei Impfungen im Abstand von ein und sechs Monaten

Die Grundimmunisierung besteht aus drei Impfungen im Abstand von ein und sechs Monaten. Ob und wann eine zusätzliche Boosterung notwendig ist, ist noch unklar. Nach den bisherigen Studiendaten bleiben die hohen Antikörpertiter jedenfalls über 4,5 Jahre erhalten.

Klinische Studien haben ergeben, dass eine Impfung mit der Vakzine Zervix-Neuinfektionen mit den HPV-Typen 16 und 18 zu über 90 Prozent und persistierende Infektionen mit diesen beiden Virustypen zu 100 Prozent verhindert, so Perlitz. Zudem gibt es aus Phase-II-Studien bereits Hinweise, dass der neue Impfstoff auch vor Infektionen mit den ebenfalls onkogenen HPV-Typen 31 und 45 schützt. Damit ließen sich theoretisch rund 80 Prozent aller Zervix-Karzinome verhindern, sagte Perlitz.

Ideal wäre es, Mädchen bereits vor dem ersten Geschlechtsverkehr zu impfen, da die Übertragung der sehr häufigen HP-Viren beim Koitus erfolge. Perlitz ist zuversichtlich, dass die HPV-Impfung zwischen dem 11. und 18. Lebensjahr schon bald eine Regelleistung der Krankenkassen wird. Die STIKO hat bei einer Sondersitzung am 5. Dezember 2006 noch keine Empfehlung für die HPV-Impfung getroffen.

Die Techniker-Krankenkasse hat sich als erste Kasse bereit erklärt, die Kosten der Impfung bei Mädchen bis zum 18. Lebensjahr zu übernehmen. Und auf Antrag würden nach Perlitz‘ Erfahrung bis zu dieser Altersgrenze die zunächst noch vorzuleistenden Kosten für die Impfung inzwischen auch von anderen gesetzlichen Krankenkassen rückerstattet.



STICHWORT

Impfkosten

Noch gibt es keine Impfvereinbarungen zwischen Kassen und KVn zur HPV-Impfung. Die Impfung ist daher IGeL. Einige Kassen erstatten jedoch die Kosten. Bisher sind das: DAK, Ortskrankenkassen, Techniker Krankenkasse, in Einzelfällen die Barmer. Die Patienten müssen die Arztrechnung bei den genannten Kassen einreichen, um ihre Kosten erstattet zu bekommen.

Eine Entscheidung der Ständigen Impfkommission wird für Februar erwartet. (eb)

Mehr zum Thema

Robert Koch-Institut

STIKO lockert Impfempfehlungen gegen COVID-19

Mehrere Milliarden Dosen verimpft

Review bestätigt: mRNA-Impfungen sind sicher und wirksam

Das könnte Sie auch interessieren
Grippeimpfung bei Diabetes: Risiko für Folgen senken

© AzmanJaka | Getty Images

Impflücken bei Chronikern

Grippeimpfung bei Diabetes: Risiko für Folgen senken

Anzeige | Viatris Germany GmbH
Die vergessene Reiseimpfung

© Milo Zanecchia | Getty Images

Impfen in der Praxis

Die vergessene Reiseimpfung

Anzeige | Viatris Germany GmbH
Hohe Verantwortung, moderate Impfquote

© FatCamera | Getty Images (Symbolbild mit Fotomodellen)

Impfstatus Klinikpersonal

Hohe Verantwortung, moderate Impfquote

Anzeige | Viatris Germany GmbH
Überzeugende Real-World-Daten zur Langzeitprophylaxe

© AndreasReh, Ljupco, tinydevil, shapecharge | istock

rHWI

Überzeugende Real-World-Daten zur Langzeitprophylaxe

Anzeige | MIP Pharma GmbH
Antibiotikum mit antimykotischen Zusatznutzen

© Dr_Microbe | Adobe Stock

In vitro-Studien

Antibiotikum mit antimykotischen Zusatznutzen

Anzeige | MIP Pharma GmbH
Therapie bei unkomplizierter Zystitis

© Dr_Microbe | Adobe Stock

Evidenz, Resistenz & Wirksamkeit

Therapie bei unkomplizierter Zystitis

Anzeige | MIP Pharma GmbH
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: Typische Körperumrisse bei Achondroplasie

© BioMarin

Achondroplasie

Gezielte Therapie: erste Lebensjahre sind entscheidend

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: BioMarin Deutschland GmbH, Frankfurt am Main
Abb. 1: Diagnostik bei Harnsteinen: Prozedere bei Hochrisiko-Gruppe

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [5, 11]

Hoher Medical Need

Urolithiasis: Metaphylaxe kann hohe Rezidivrate deutlich senken

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Aristo Pharma GmbH, Berlin
Voraussetzungen für eine erfolgreiche Transition Betroffener in die Erwachsenenmedizin

© Pinit / stock.adobe.com / generiert mit KI

Pädiatrische cholestatische Lebererkrankungen

Voraussetzungen für eine erfolgreiche Transition Betroffener in die Erwachsenenmedizin

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Mirum Pharmaceuticals Germany GmbH, München
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Mehrere Milliarden Dosen verimpft

Review bestätigt: mRNA-Impfungen sind sicher und wirksam

Einschätzung von Kollegen

Wenn die Telefon-AU wegfällt: Was das für den Praxisalltag bedeutet

Lesetipps
Weltkugel, eingerahmt von vielen bunten Schleifen.

© AddMeshCube / sock.adobe.com

Krebsreport

WHO befürchtet starken Anstieg der Krebs-Diagnosen weltweit

Tablets to maintain the correct functioning of the human cardiovascular system on a blue background close-up

© bisonov / stock.adobe.com

Kombi schlägt Monotherapie

Diese Blutdrucksenker werden am besten vertragen