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Phytotherapie

Zistrosenkraut als Option bei Atemwegsinfekten

Zubereitungen aus Zistrosenkraut haben antivirale Aktivitäten, etwa gegen Influenzaviren. Auch klinische Daten bei Atemwegsinfekten liegen vor.

Veröffentlicht:

GLANDORF. Bei Atemwegsinfekten stehen pflanzliche Präparate bei Patienten und Ärzten hoch im Kurs. Es gibt eine Reihe von Fertigzubereitungen und Arzneimitteln aus ganz unterschiedlichen Pflanzen. Darunter fallen auch Extrakte aus der graubehaarten Zistrose (Cistus incanus).

Im Zusammenhang mit einem antiviralen Potenzial werden oft Pflanzenextrakte mit hohem Gehalt an natürlichen Polyphenolen diskutiert, so Professor Stephan Ludwig von der Universität Münster in einer Übersichtsarbeit (Z Phytother 2012; 33: 14-18). Diese Stoffklasse umfasse eine große Gruppe von rund 8000 unterschiedlichen Substanzen.

Physikalische Interaktion mit Virus

Unterschieden werden müssten Polyphenole, die innerhalb der Zelle wirken und solche, die außerhalb wirken, so der Virologe. Einige polyphenolischen Verbindungen, wie das Resveratrol, ein niedermolekulares Polyphenol aus dem Rotwein, oder Pflanzenextrakte aus Geranium sanguineum scheinen ihre antivirale Wirkung intrazellulär zu entfalten.

Andere polyphenolische Pflanzenprodukte wirken durch physikalische Interaktion mit dem Virus und werden nicht von Zellen aufgenommen. So binden polyphenolische Catechine aus Grüntee an das Oberflächenprotein Hämagglutinin von Influenza-Viren und reduzieren damit die Infektiosität der Erreger.

Hochmolekulare Polyphenole

Mit Cystus052 sei ein weiterer Pflanzenextrakt identifiziert worden, für den dieses antivirale Wirkprofil gelte, so Ludwig weiter. Dieser Extrakt ist enthalten in Cystus Pandalis® Lutschtabletten. Die darin vorkommenden Stoffe, maßgeblich wahrscheinlich die hochmolekularen Polyphenole, umhüllen eine ganze Reihe bekannter Virenstämme, sodass sie sich nicht in körpereigenen Zellen festsetzen können.

Damit komme es erst gar nicht zur Infektion, teilt das Unternehmen Dr. Pandalis Urheimische Medizin mit. Eine solche antivirale Aktivität wurde in vitro gegen das H5N1-Virus (Vogelgrippe) und das pandemische H1N1-Virus (Schweinegrippe) gezeigt (Influenza and Other Respiratory Viruses 2011; 5 (Suppl. 1), 230–251). Diese in der Zellkultur gezeigte antivirale Aktivität des Extrakts konnte im Tiermodell bestätigt werden, schreibt Ludwig weiter.

Vergleich mit Placebo

Zu dem Präparat gibt es klinische Studien, darunter eine mit 160 Patienten mit Infekten der oberen Atemwege. Sie erhielten sechsmal täglich zwei Lutschtabletten mit Cistus-Extrakt oder Placebo über sieben Tage (Antiviral Research 2009; 84: 267-271). Anhand eines Fragebogens dokumentierten die Patienten die Schwere der fünf Symptome Schmerz, Hustenfrequenz, Hustenstärke, Auswurf und Schnupfen (Skala 0 bis 30).

Lag der Punktwert zu Beginn bei 22, ging er in der Verum-Gruppe an Tag sieben auf 4 Punkte zurück, in der Placebo-Gruppe jedoch nur auf 11 Punkte. Wobei die Verbesserung bei Patienten mit einem Virusinfekt stärker ausgeprägt war als bei jenen mit bakteriellem Infekt.

Auch die CRP-Werte gingen im selben Zeitraum in der Verum-Gruppe deutlicher zurück: von 37,6 auf 8,8 mg / l (Placebo von 34,8 auf 17,7 mg / l). Die Autoren fassen zusammen, dass der Cistus-Extrakt effektiver war, im Hinblick auf Dauer und Schwere der Symptome als Placebo. Ob der Extrakt auch geeignet sei, Patienten mit schweren Atemwegsinfekten damit zu behandeln, müssten weitere Studien ergeben.

Gurgeln mit grünem Tee

In einer anderen Studie mit 300 Patienten mit oberen Atemwegsinfekten wurde der Cistus-Extrakt mit grünem Tee verglichen. Die Patienten erhielten entweder sechsmal täglich zwei Lutschtabletten mit Cistus-Extrakt oder mehrmals täglich grünen Tee zum Gurgeln und Schlucken über sieben Tage (Phytother Res. 2010; 1: 96-100).

Es wurde der gleiche Fragebogen (Werte von 0 bis 30) verwendet wie im Vergleich mit Placebo, der die Schwere der Symptome Schmerz, Hustenfrequenz, Hustenstärke, Auswurf und Schnupfen erfasste.

Zu Beginn lag der Wert in beiden Gruppen bei 12 Punkten. Er sank an Tag drei bis vier in der Cistus-Gruppe auf 8 Punkte, nahm in der Gruppe mit grünem Tee aber auf 14 Punkte zu. An Tag sieben war die Symptomverbesserung in der Cistus-Gruppe fast doppelt so stark wie in der Tee-Gruppe, die täglich mehrmals grünen Tee zum Gurgeln und Schlucken erhielt.

In der Gebrauchsinformation von Cystus Pandalis® Lutschtabletten steht, es handele sich um ein traditionelles pflanzliches Arzneimittel zur Linderung von Schleimhautreizungen im Mund- und Rachenraum. Weiterhin heißt es, es sei es aufgrund langjähriger Anwendung ausschließlich für die genannten Anwendungsgebiete registriert. (eb)

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