Herzrhythmus-Störungen

Zu selten Antikoagulation bei Alten mit Vorhofflimmern

BARCELONA (ner). Mehr Mut zur Antikoagulation von alten Patienten mit Vorhofflimmern hat der niederländische Kardiologe Professor Robby Nieuwlaat gefordert. Die Ängste vieler Ärzte vor Blutungen seien nicht immer gerechtfertigt.

Veröffentlicht: 05.09.2006, 08:00 Uhr

"Das Schlaganfall-Risiko ohne orale Antikoagulation ist viel höher als das Risiko intrakranieller Blutungen mit oraler Antikoagulation", so Nieuwlaat. Beim ESC in Barcelona hat Nieuwlaat neue Daten des European Heart Survey vorgestellt, die auch den Stand der Therapie bei 5300 Patienten mit Vorhofflimmern aus 35 europäischen Ländern dokumentieren.

Obwohl das Schlaganfall-Risiko mit dem Alter deutlich steige, stagniere der Anteil jener Patienten mit Vorhofflimmern, die orale Antikoagulantien erhalten: Bei den über 80jährigen sind es weniger als 60 Prozent.

Vor allem Patienten mit mehreren Risikofaktoren - dazu gehören Herzinsuffizienz, Bluthochdruck, Alter über 75 Jahre, Diabetes oder Schlaganfälle/transitorische ischämische Attacken in der Anamnese - sollten Antikoagulantien erhalten, hat der Kardiologe erinnert. Die Thromboplastinzeit (INR-Wert) sollte zwischen 2,0 und 3,0 liegen, selten über 4,0. Dann komme es nur selten zu intrakraniellen Blutungen.

Nieuwlaat kritisierte weiter, daß auch die Rate von Patienten, die zur Rhythmuskontrolle bei Vorhofflimmern (Kardioversion, Versuch zur Normalisierung des Sinusrhythmus) behandelt werden, mit dem Alter sinkt: Weniger als 40 Prozent der Patienten über 80 wurden entsprechend behandelt, so die Ergebnisse des Survey. Besonders bei schweren Symptomen bessere eine Rhythmuskontrolle die Lebensqualität.

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