Verzögerte Wundheilung

Zu viel Salz schwächt das Immunsystem

Stark salzhaltige Nahrung kann sich direkt auf das Immunsystem auswirken und etwa die Wundheilung verzögern. Das jedenfalls lässt eine Studie von Berliner Forschern vermuten.

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Vorsicht vor zu viel Salz: Eine neue Studie deutet darauf hin, dass es die Wundheilung verzögern kann.

Vorsicht vor zu viel Salz: Eine neue Studie deutet darauf hin, dass es die Wundheilung verzögern kann.

© Daniel Träger / iStock / Thinkstock

BERLIN. Zu viel Salz im Essen kann das Immunsystem beeinflussen. In einer Studie wiesen Dr. Katrina Binger, Matthias Gebhardt und Professor Dominik Müller vom Experimental Clinical Research Center (ECRC) des Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC) und der Charité - Universitätsmedizin Berlin nach, dass erhöhter Salzkonsum bei Nagern zu verzögerter Wundheilung führt (J Clin Invest 2015; online 20. Oktober).

Zugleich gelang es ihnen, den dahinterstehenden Mechanismus aufzuklären, heißt es in einer Mitteilung des MDC.

Makrophagen werden geschwächt

Seit wenigen Jahren ist bekannt, dass zu viel Salz in der Nahrung auch Auswirkungen auf das Immunsystem hat und zwar in unterschiedlichster Weise. In ihrer jetzt veröffentlichten Studie erbringen die Berliner Wissenschaftler den Nachweis, dass zu viel Salz in der Nahrung eine bestimmte Gruppe von Makrophagen des Immunsystems schwächt.

Bei diesen Immunzellen handelt es sich um Makrophagen vom Typ 2, die von den Interleukinen IL-4 und IL-13 stimuliert werden. Bei Nagern, die mit stark salzhaltigem Futter ernährt wurden, war die Wundheilung verzögert; nicht zuletzt wohl auch aufgrund der salzbedingten Schwächung dieser besonderen Fresszellen, wie die Wissenschaftler vermuten.

Eine Forschergruppe um Professor Jens Titze von der Vanderbilt University in Nashville, Tennessee, entdeckte dabei kürzlich zusammen mit den Berliner Forschern einen neuen Salzspeicher im Körper, heißt es weiter in der Mitteilung: Überschüssiges Salz lagert sich in den Zwischenräumen von Haut- und Muskelzellen ab und nicht etwa im Blut, da die Nieren den Salzgehalt dort ständig regulieren.

Werden Autoimmunerkrankungen gefördert?

Diese neuen Erkenntnisse ermöglichten es den drei MDC-Wissenschaftlern, auch den Mechanismus aufzuklären, über welchen Kochsalz die Aktivität der Makrophagen schwächt. Erst 2013 hatte eine Gruppe von Forschern, darunter auch Müller, eine andere Wirkung von Salz auf das Immunsystem entdeckt, teilt das MDC mit.

In einer Studie hatten sie nachgewiesen, dass erhöhter Salzkonsum die Entstehung von Autoimmunerkrankungen fördert. Der Grund: Zu viel Salz führt zu einem massiven Anstieg von Th17-Helferzellen.

In diesem Frühjahr erbrachten Titze, Müller, Binger und Gebhardt zusammen mit anderen Forschern bei Nagern und bei Patienten den Nachweis, dass hoher Salzkonsum das Immunsystem auf Trab bringt und bakteriellen Infektionen in der Haut rasch heilt.

Der Grund: Salz lagert sich in der Haut ein und aktiviert bei einer bakteriellen Hautinfektion Makrophagen vom Typ 1. In diesem Zusammenhang warnt Müller jedoch davor, zu viel Salz zu essen: "Die Risiken überwiegen den Nutzen".

Mehr noch: "Diese vermeintlich widersprüchlichen Befunde deuten darauf hin, dass sich die Makrophagen ganz unterschiedlich an ein Milieu anpassen können, das sich durch einen erhöhten Salzpegel im Körper verändert". (eb)

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