Harnwegsinfekte

Zucker schützt so gut wie Antibiotikum

Eine kontrollierte Studie bestätigt: D-Mannose eignet sich ebenso gut wie das Antibiotikum Nitrofurantoin zur Prophylaxe von Harnwegsinfekten bei Frauen, hat aber weniger Nebenwirkungen.

Veröffentlicht: 16.08.2013, 05:03 Uhr
Zucker schützt so gut wie Antibiotikum

Urinteststreifen: Der Zucker D-Mannose schützt vor Harnwegsinfekten, zeigt eine Studie.

© Alexander Raths / Fotolia.com

ZABOK. Der Zucker D-Mannose wird bereits recht häufig zur Prophylaxe von Harnwegsinfekten bei Frauen verwendet, allerdings ist die Studienlage zum Nutzen der Substanz noch eher dünn, berichten Ärzte um Bojanna Kranjcec von der Klinik in Zabok in Kroatien.

Die Urologen um Kranjcec haben nun die Wirksamkeit des Zuckers mit der des Prophylaktikums Nitrofurantoin verglichen (World J Urol 2013, online 30. April). Dazu behandelten sie Frauen mit einer akuten Harnwegsinfektion und einer Historie von Rezidiven zunächst sieben Tage mit Ciprofloxacin.

Danach wurden die 308 Teilnehmerinnen in drei Gruppen eingeteilt. Etwa ein Drittel erhielt zur Prophylaxe weiterer Infektionen ein halbes Jahr lang D-Mannose (2 g/d in 200 ml Wasser), ein Drittel bekam 50 mg/d Nitrofurantoin und beim letzten Drittel wurde auf eine medikamentöse Prophylaxe verzichtet.

Rezidivrate um drei Viertel reduziert

Nach sechs Monaten war es bei 98 Patientinnen (32 Prozent) zu Rezidiven gekommen. Bei allen Rezidivpatientinnen erfolgte ein Erregernachweis.

In der Gruppe ohne Prophylaxe hatten mehr als die Hälfte der Frauen Rezidive erlitten (61 Prozent), dagegen waren es mit D-Mannose nur 15 Frauen (15 Prozent) und mit Nitrofurantoin 21 Frauen (20 Prozent).

In beiden aktiven Prophylaxegruppen war die Rezidivrate im Vergleich zur Kontrollgruppe signifikant reduziert - um 76 Prozent mit D-Mannose und um 66 Prozent mit dem Antibiotikum.

Die Unterschiede zwischen den beiden geprüften Substanzen bei der Wirksamkeit waren jedoch nicht signifikant.

Allerdings war die Rate unerwünschter Wirkungen mit dem Zucker im Vergleich zu der mit dem Antibiotikum deutlich geringer. Nur acht Frauen mit D-Mannose, aber 29 mit Nitrofurantoin klagten über Nebenwirkungen, am häufigsten in beiden Gruppen war Durchfall (8-10 Prozent).

D-Mannoseeine bindet an Pili von Enterobakterien

Patientinnen mit Nitrofurantoin nannten zudem noch Kopfschmerz, Rush und vaginales Brennen. Insgesamt seien aber beide Substanzen so gut vertragen wurden, dass es keine Therapieabbrüche wegen Nebenwirkungen gab, schreiben die kroatischen Urologen.

D-Mannose ist für die Glykosylierung eine Reihe von Proteinen nötig. Es bindet aber auch an Pili von Enterobakterien und verhindert damit, dass die Keime ans Uroepithel andocken. (mut)

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Kommentare
Antje Schütz

Mannose auch gegen enterokokken

Hallo,
wirkt D-Mannose überwiegend gegen e.coli oder genauso effizient gegen enterokokken faecalis?

Deakos Italien

Nachtrag zu: Artikel Deakos, 21.01.2019

Entschuldigung, es fehlen noch die letzten drei Worte um den Artikel abzuschliessen:
...Urin ausgespült werden.

Mit freundlichen Grüssen
DEAKOS, Italien

Deakos Italien

Antwort zu: D-Mannose bei Harnwegsinfekten (UTI) - Keine Evidenz bei Vaginitis!

Sehr geehrter Herr Dr. Schätzler,
bei akuter oder chronischer Vaginitis, hervorgerufen durch eine vaginale Dysbiose, empfehlen wir eine lokale Anwendung mit D-Mannose. Dieser Zucker verhindert eine Anhaftung der pathogenen Bakterien, die dadurch leichter eliminiert werden können.
Aus unseren positiven und langjährigen Erfahrungen heraus, kann eine Vaginitis lokal mit natürlichen, entzündungshemmenden Substanzen behandelt werden. Wir verwenden bei unseren Patientinnen mit Erfolg, eine Vaginalcreme und eine Vaginalspülung, die beide D-Mannose und eine entzündungshemmende Substanz enthalten. Die Anwendung dieser beiden Produkte, bietet durchaus eine gute Strategie zu obrigem Krankheitsbild, auch weil die physiologische Vaginalflora nicht angegriffen wird.

In der ital. Fachzeitschrift “M. D. Medicinae Doctor, 15.Juni 2013” wurde zu unserer Vaginalspülung eine Fallstudie pubbliziert. Sollten sie daran interessiert sein, können wir ihnen gerne den vollständigen Artikel zusenden.

Sie schreiben: ..."Eine vermehrte Zuckerausscheidung im Urin fördert allerdings im Zusammenhang mit der SGLT-2 Diabetes-Therapie Harnwegsinfektionen und Pilzerkrankungen."...

Es gibt Arzneien, die eine Ausscheidung von Zucker durch den Harn fördern und somit auch Harnwegsinfektionen und Pilzerkrankungen. In diesem Fall, kann D-Mannose einen idealen Ansatz bieten dies zu verhindern, da D-Mannose die pathogenen Bakterien bindet und deren Anhaftung an die Mukoseschleimhaut verhindert. Das D-Mannose Molekül und die pathogenen Bakterien werden ganz natürlich mit dem Harnfluss ausgespült.
Hierzu können wir noch nachtragen, dass der Einfachzucker D-Mannose sich anders verhält, als andere Zucker, da er die pathogenen Mikroorganismen nicht "ernährt" sondern diese sich an das D-Mannose Molekül andocken und dann mit dem

Mit freundlichen Grüssen
DEAKOS

Dr. Thomas Georg Schätzler

D-Mannose bei Harnwegsinfekten (UTI) - Keine Evidenz bei Vaginitis!

Mannose, in biochemischer Darstellung häufig mit Man abgekürzt, ist ein Epimer der Glucose, genauer gesagt ein C2-Epimer. Als D-Mannose ist es eine natürliche Hexose und Baustein zahlreicher pflanzlicher Polysaccharide.

Anbieter in Deutschland:
Vitalfood/D-Mannose/PZN 125 320 09
D-Mannose ist zu 100 % rein und ein mit der Glucose und Galaktose verwandter Einfachzucker.

"D-Mannose Pulver:
Die D-Mannose erkennt die Oberflächenstrukturen von Bakterien, wie z. B. E. Coli und dockt an diese an. Dadurch können die Bakterien gebunden werden. Raab D-Mannose ist frei von Zusätzen."
https://allpharm.de/gesunde_ernhrung/d-mannose/

Eine vermehrte Zuckerausscheidung im Urin fördert allerdings im Zusammenhang mit der SGLT-2 Diabetes-Therapie Harnwegsinfektionen und Pilzerkrankungen.

Mf + kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund (z.Zt. Bergen aan Zee/NL)

Martina Stein

D-Mannose bei Vaginitis

Hallo liebe Frau Gschwendtner,
ja bei Vaginitis kann man auch D-Mannose vaginal einführen, allerdings nicht mit Kapseln, sondern man kann eine Vaginalspülung benutzen die D-Mannose und NAC (N-Acetylcystein) enthält. NAC wirkt antioxidativ, entzündungshemmend und immunstimulierend. Um die Scheidenflora wieder aufzubauen, kann man unterstützend noch eine Vaginalcreme benutzen die D-Mannose enthält. Übrigens: eine Vaginalcreme mit D-Mannose hemmt die Anhaftung von Bakterien wie E.coli an die Scheidenschleimhaut, verändert aber nicht den pH-Wert des Scheidenmileus sondern stärkt die natürliche Schutzwirkung der Scheidenschleimhaut.


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