Zusätzliche parenterale Ernährung bereichert palliative Krebstherapie

BERLIN (gvg). Eine frühe ergänzende parenterale Ernährung bringt Krebskranken in fortgeschrittenem Stadium offenbar Vorteile: Ihre Lebensqualität ist höher, und möglicherweise leben sie auch länger als Patienten ohne diese Zusatzkost. Das haben Wissenschaftler aus Mannheim nachgewiesen.

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Die Studie hat der Chirurg Dr. Edward Shang bei der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Ernährungsmedizin in Berlin vorgestellt. Teilgenommen haben insgesamt 152 Patienten, die hintereinander in der Klinik für Chirurgie der Universität Mannheim wegen fortgeschrittener gastrointestinaler Tumoren operiert wurden. Sie erhielten während des stationären Aufenthalts und danach auch ambulant zusätzlich zur normalen Ernährung eine orale Supplementation oder außerdem noch eine parenterale Supplementation.

Alle Patienten hatten Zeichen einer Mangelernährung, definiert als ungewollter Gewichtsverlust von mindestens fünf Prozent in drei Monaten oder als Body Mass Index (BMI) von weniger als 20 kg/m2. In der Gruppe mit parenteraler Ernährung wurden 30 Prozent des errechneten Energiebedarfs über einen Venenport verabreicht. Die Gesamtenergie-Aufnahme in beiden Gruppen war gleich.

"Den günstigen Effekt der zusätzlichen parenteralen Ernährung auf den BMI sehen wir erst spät, dann aber um so deutlicher", sagte Shang auf einer vom Unternehmen B. Braun Melsungen unterstützten Veranstaltung. Nach 36 Wochen ergab sich ein statistisch signifikanter Vorteil mit einem mittleren BMI von 24 in der Interventionsgruppe und 21 in der Kontrollgruppe (zu Studienbeginn jeweils lag der BMI bei 23).

Schon früher, nach zwölf Wochen, konnten die Kollegen Unterschiede beim Serum-Albumin feststellen: In der Gruppe mit parenteraler Ernährung blieb dieser Parameter mit etwa 40 Gramm pro Liter konstant. In der Kontrollgruppe fiel er im Mittel auf 34 g/l ab. "Statistisch signifikante Vorteile gab es auch bei der Lebensqualität", so Shang. Und auch bei der Lebenszeit schnitten die parenteral ernährten Patienten besser ab: Sie lebten im Median noch zwölf Monate, im Vergleich zu neun in der Kontrollgruppe. "Diese Zahl ist allerdings mit Vorsicht zu interpretieren. Hier sind weitere kontrollierte Studien nötig", schränkte der Chirurg ein.

Insgesamt sei aus den Daten zu ersehen, daß eine komplexe Ernährungstherapie den Krebspatienten ähnlich viel nutzen könne wie eine Chemotherapie, so Shang. "Die organisatorische Herausforderung ist, diese Therapie konsequent ambulant fortzuführen", sagte Shang auf der Veranstaltung.



STICHWORT

Künstliche Ernährung über Vene und Darm

Die parenterale Ernährung faßt man mit der enteralen Ernährung unter dem Oberbegriff "künstliche Ernährung" zusammmen. Bei der parenteralen Ernährung wird der Gastrointestinaltrakt umgangen, zum Beispiel durch intravenöse Infusion einer hochkalorischen Lösung aus Aminosäuren, Kohlenhydraten, Fetten, Vitaminen, Elektrolyten und Spurenelementen. Dabei werden bei den Patienten Werte wie Blutzucker, Kreatinin, Triglyzeride oder Albumin in kurzen Abständen kontrolliert. Bei der enteralen Ernährung dagegen fließt die Nährlösung über eine Sonde in den Magen oder den Darm. Verwendet werden dazu dünnbreiige oder flüssige, an die Stoffwechsellage angepaßte Formeldiäten mit jeweils genau definierter Zusammensetzung.

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