Kommentar

Zuviel des Guten bei Vorhofflimmern

Von Peter Overbeck Veröffentlicht: 16.03.2010, 14:42 Uhr

Liegt die Herzfrequenz bei Patienten mit Vorhofflimmern unter frequenzkontrollierender Therapie noch bei 95 Schlägen pro Minute, werden sich viele Ärzte einig sein: Das ist viel zu hoch! Diese Einschätzung muss nach den jetzt bekannt gewordenen Ergebnissen der RACE-2-Studie wohl überdacht werden. Sie zeigen nämlich, dass eine noch striktere Frequenzkontrolle sich bei permanentem Vorhofflimmern nicht unbedingt auszahlt - zumindest nicht in Form einer stärkeren Reduktion kardiovaskulärer Ereignisse.

Ist ein prognostischer Nutzen nicht zu erwarten, bleiben nur noch die Nachteile einer ambitionierten Frequenzkontrolle: Mehr Medikamente schlucken, ein höheres Risiko von Nebenwirkungen in Kauf nehmen, häufiger zur Kontrolle zum Arzt müssen. Gerade für die meist älteren Patienten mit Vorhofflimmern sind das oft erhebliche Belastungen.

Die Botschaft der RACE-2-Studie lautet: Primär sollte die Frequenzkontrolle an den Symptomen ausgerichtet sein und nicht an irgendwelchen Zielherzfrequenzen. Dann darf die Herzfrequenz ruhig auch mal bei 95 Schlägen pro Minute liegen. Der Patient hat davon erstens prognostisch keinen Nachteil und zweitens den Vorteil einer für ihn weniger aufwendigen Therapie.

Lesen Sie dazu auch: Leichtere Therapie bei Vorhofflimmern

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Kommentare
Tom Jeffrey Lohmann

Medikamentöse Therapie des VHF und Langzeitüberleben

Die Studie gibt m. E. keine Auskunft über die genannten Parameter bei längerem Bestehen. Ob das Outcome der Pat. mit einer HF von 95/min nach 10 Jahren immer noch so rosig ist, bezweifle ich mal ganz stark. Die Langzeitschäden treten erst viel später auf als bereits nach 3 Jahren, und da ist man mit HF um 80/min besser bedient. Das Herz muss nicht soviel ackern und wird selbst besser durchblutet auch die Abnutzungserscheinungen treten später erst ins Gewicht.
Es ist richtig, das wir den Pat. behandeln, aber tun wir das nur kurzfristig oder längerfristig?


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