Papilläres Schilddrüsen-Ca

Zwei molekulare Muster entdeckt

US-Forscher haben die Entstehung des papillären Schilddrüsenkarzinoms weiter entschlüsselt: Ist das der Durchbruch für die molekularpathologische Klassifikation von Schilddrüsenkarzinomen?

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ESSEN. Das papilläre Schilddrüsenkarzinom (PTC) ist das mit Abstand häufigste Karzinom der Schilddrüse.

Verschiedene Mutationsereignisse, allen voran somatische Mutationen im BRAF-Gen (V600E), können zu einer dauerhaften Aktivierung der MAPK-Kaskade führen und dadurch die Entwicklung eines PTC aus gesunden Schilddrüsenzellen verursachen (J Clin Oncol. 2014; 32(25):2718-26), erinnert die Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie.

US-amerikanische Forscher haben molekulare Profile identifiziert (Cell 2014; 159(3):676-90). Damit werde jetzt erstmals eine generelle genetische Klassifikation von Schilddrüsenkarzinomen realistisch, schlussfolgern sie. Und dies habe auch für die Therapieplanung zukünftig entscheidende Bedeutung.

Die Forscher haben unter kombiniertem Einsatz modernster Hochdurchsatztechnologien (Whole Exome DNA Sequenzierung, SNP Arrays, RNA-Seq, miRNA-Seq, DNA-Methylierung) genetische Veränderungen bei papillären Schilddrüsenkarzinomen umfassend untersucht.

Hierzu wurden 496 PTC-Proben analysiert, berichten Professor Dagmar Führer und Professor Kurt Werner Schmid, bei vom Uniklinikum Essen, im Web.

In 96,5 Prozent der Fälle hätten dabei somatische Mutationen identifiziert werden können, darunter auch Mutationen in neuen Onkogenen (EIF1AX) oder neue Veränderungen in bekannten Genen wie RET, BRAF und ALK.

Es hätten sich zwei unterschiedliche molekulare Muster ergeben, zum einen BRAF-abhängige und zum anderen RAS-abhängige Profile, die jeweils exklusiv in den jeweiligen Tumorentitäten vorlagen.

Noch nie so umfassend genetisch untersucht

Für beide molekulargenetischen Cluster ließen sich grundlegende Unterschiede in der Signaltransduktion (MAPK und PI3K), der Differenzierung und der miRNA Muster in den Schilddrüsenkarzinomen zeigen, so Führer und Schmid.

"Nie zuvor wurde eine so große Anzahl von Schilddrüsenkarzinomen so umfassend genetisch untersucht. Ferner gelang es durch Hochdurchsatztechnologien erstmals, molekularpathogenetische Muster für die Entität papilläres Schilddrüsenkarzinom zu identifizieren", so die beiden Essener Wissenschaftler.

Bemerkenswert sei dabei die niedrige Anzahl an kumulativen Mutationsereignissen in PTC, die erklären könnte, warum die Biologie eines Schilddrüsenkarzinoms im Vergleich zu anderen Krebsarten eher "gutartiger" ist und ein Großteil der Patienten durch die Schilddrüsenoperation und adjuvante Radiojodablation geheilt wird.

Dazu passe auch, dass Mutationen im TERT Promoter-Gen, die mit einem aggressiven Verlauf eines PTC assoziiert zu sein scheinen, nur in einem kleinen Teil (< 10 Prozent) der PTC vorlagen.

Führer und Schmid: "Dennoch bleiben noch viele Fragen offen, wie: was unterscheidet einen metastasierten von einem nicht-metastasierten Schilddrüsenkrebs, welche Ereignisse tragen dazu bei, dass ein Schilddrüsenkrebs auf eine Radiojodtherapie nicht mehr anspricht und vieles mehr, bis der Pathologe bereits anhand des Op-Präparates aussagen kann, wie der weitere Verlauf des Schilddrüsenkrebses wahrscheinlich aussehen wird." (eb)

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