Prostatakarzinom

Zweitmalignome nach Brachytherapie häufiger als nach Op

Veröffentlicht: 10.08.2019, 13:01 Uhr

MONTREAL. Aufgrund von Studien etwa in USA und Europa mit nur geringen Patientenzahlen war bisher keine definitive Aussage zum Langzeitrisiko möglich, nach Brachytherapie im Vergleich zur radikalen Prostatektomie an einem Harnblasen- oder Rektumkarzinom zu erkranken.

Deshalb haben Urologen und Onkologen um Dr. Elio Mazzone vom University of Montreal Health Center in ihrer Studie Informationen der US-Datenbank SEER (Surveillance, Epidemiology, and End Results) ausgewertet, die zwischen 1988 und 2015 dort dokumentiert worden waren. Es handelte sich um die Befunde von mehr als 318.000 Männern, die an einem lokalisierten, histologisch bestätigten Prostatakarzinom als einzigem Primärtumor erkrankt waren und die sich deswegen einer Brachytherapie oder einer radikalen Prostatektomie unterzogen hatten (BJU Int 2019; online 30. Mai).

Medianes Follow-up von 102 Monaten

Die Ärzte stellten die Hypothese auf, dass die Brachytherapie bei diesen Patienten mit einem höheren Risiko für ein sekundäres Malignom – nämlich ein primäres Harnblasen- oder Rektumkarzinom – assoziiert ist als eine radikale Prostatektomie. Darüber hinaus postulierten sie aufgrund der mittlerweile erfolgten Verbesserung der radioaktiven Prostata-Seed-Transplantation einen Trend zugunsten seltenerer Blasen- und Rektumkarzinome nach einer Brachytherapie.

Das mediane Follow-up der Studie lag bei 102 Monaten. Im Studienzeitraum unterzogen sich von den mehr als 318.000 Männern fast 55.600 (18,4%) einer Brachytherapie. Von allen Studienteilnehmern entwickelten 4625 Männer (1,4%) erstmals ein Harnblasen- oder ein Rektumkarzinom.

Unter den Patienten mit einer Brachytherapie war im Vergleich zu jenen mit einer Prostatektomie der Anteil derjenigen, die ein Harnblasenkarzinom (2% versus 1%) oder ein Rektumkarzinom (0,4% versus 0,3%) entwickelten, jeweils signifikant höher. Nach 20 Jahren lag die Inzidenz des Harnblasenkarzinoms in der Bestrahlungsgruppe bei 6%, in der Op-Gruppe bei 2,4%. Für das Rektumkarzinom betrug die Inzidenz zu diesem Zeitpunkt 1,1% versus 0,5%.

Der Multivariatanalyse zufolge war die Brachytherapie mit einem signifikant höheren Risiko für ein Harnblasenkarzinom assoziiert als die Operation (Hazard Ratio [HR]; 1,58) und lag damit um 58% höher. Ähnlich viel höher lag das Risiko für ein Rektumkarzinom (HR: 1,59).

Immer weniger Zweitmalignome nach Brachytherapie

Schließlich stellten die Ärzte – ihren Angaben zufolge erstmals überhaupt – fest, dass seit 1988 bei Patienten mit einem Prostatakarzinom nach einer Brachytherapie immer seltener Zweitmalignome aufgetreten sind. So habe die kumulative 5-Jahres-Inzidenz des sekundären Harnblasenkarzinoms 1988/1989 noch bei 1,7% gelegen, 2010/2011 waren es nur noch 0,6%. Auch das Rektumkarzinom nach einer solchen Seed-Bestrahlung sei immer seltener geworden und in jüngeren Jahren fast gar nicht mehr aufgetreten (1,4% versus 0,1%).

Die Ergebnisse der aktuellen Studie stehen im Widerspruch zu den Ergebnissen früherer europäischer und nordamerikanischer Studien, in denen kein Unterschied in der Inzidenz sekundärer Karzinome zu erkennen gewesen war.

Die Ärzte vermuten, dass dies auf die damals deutlich niedrigeren Zahl an Studienteilnehmern gerade in der Brachytherapiegruppe und das kürzere Follow-up zurückgeht. Ein Minimum von zehn Jahren Nachverfolgung sei deshalb für aussagekräftige Ergebnisse notwendig.

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