Kommentar

Ansteckungsgefahr – auch in der Kommunikation

Ein unsensibles Fax des KV-Vize hat die Stimmung unter Saarlands Ärzten zum Kippen gebracht. Das passiert, wenn gewohnte kommunikative Ventile fehlen.

Dr. Michael KudernaVon Dr. Michael Kuderna Veröffentlicht:

Das praktisch unsichtbare Virus hat unser Leben weitgehend im Griff – kein Wunder, dass Menschen verunsichert sind. In solchen Situationen suchen viele Halt bei ihrem „Dokter“. Doch offenbar sind auch diese nicht vor Verunsicherung gefeit. Und nun hat sich die Anspannung innerhalb der Ärzteschaft ausgerechnet im Saarland, wo Harmonie zum gesellschaftlichen Grundkonsens gehört, in einem völlig überflüssigen Konflikt zwischen KV und Praxen entladen.

Glaubt man den KV-Verantwortlichen, sehen sie sich seit Tagen am Telefon oder per Mail üblen Beschimpfungen ausgesetzt. Oft geht es dabei um fehlende Schutzausrüstung. Dass dies der Mann- und Frauenschaft um KV-Chef Dr. Gunter Hauptmann unter die Haut geht, ist verständlich – zumal sie sich bis zur Erschöpfung um Nachschub bemüht hatten.

Die Angriffe kamen zunächst vor allem von Patienten, während die Ärzte weitgehend an einem Strang zogen. Doch ein völlig unsensibles Fax des KV-Vizes an alle Kassenärzte brachte die Stimmung auch unter ihnen teilweise zum Kippen. Wurden sie vor einigen Tagen noch für ihren Einsatz von der KV-Spitze gelobt, fühlten sich viele plötzlich wegen Fehlverhaltens einzelner pauschal bedroht. Angst und fehlende Schutzkleidung seien kein Grund, Hausbesuche in Heimen abzusagen, bekamen sie dabei um die Ohren gehauen – und in gleichem Aufwasch wurde disziplinarrechtliche Verfolgung angekündigt. Kein Wort des Bedauerns, dass einige Praxen immer noch auf ihre Schutz-Lieferungen warteten.

Kommunikative Kompetenz zeigt sich vor allem in Krisen. Die gegenwärtige Krise ist insoweit auch für alle ein Härtetest, da die gewohnten Ventile fehlen: Keine Versammlung, auf der man mal Dampf ablassen kann, keine Zeit für ausgiebige Telefonate, kein Diskurs – stattdessen Informationsflut und Anweisungen.

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Vielleicht müssen sich „Dokters“ in den verschiedensten Funktionen öfter mal auf Ratschläge besinnen, die sie hoffentlich selbst hin und wieder aufgeregten Patienten geben: tief durchatmen, ein wenig sacken lassen und erst dann den Fax-Sendeknopf bedienen oder ins Telefon maulen.

Schreiben Sie dem Autor: gp@springer.com

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