Baden-Württemberg

Anteil geriatrischer Patient variiert regional

Reha vor Pflege ist ein zentraler Grundsatz. Forscher sind für Baden-Württemberg der Frage nachgegangen, ob dafür vor Ort die nötigen Versorgungsangebote vorgehalten werden.

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STUTTGART. Geriatrische Patienten haben in Baden-Württemberg je nach ihrem Wohnort „regional unterschiedliche Chancen auf eine geriatrisch rehabilitative Versorgung, die sie selbst nur bedingt beeinflussen können“. Das geht aus einer Studie im Auftrag von AOK Baden-Württemberg und dem Landesgesundheitsministerium hervor. Dabei haben Wissenschaftler der PMV Forschungsgruppe an der Universität Köln zusammen mit Versorgungsforschern aus Köln und Freiburg die geriatrischen Versorgungsstrukturen im Südwesten unter die Lupe genommen.

Ziel war auch eine Abschätzung, wie sich die Zahl der geriatrischen Patienten in den kommenden 20 bis 30 Jahren entwickeln wird. Als Grundlage dienten Abrechnungsdaten der AOK aus den Jahren 2011 bis 2013 im Hinblick auf Versicherte, die zu dieser Zeit 60 Jahre und älter gewesen sind.

Auf Basis eines Geriatrie-Checks und der alters- und geschlechtsspezifischen Bevölkerungszahlen ergibt sich für das Jahr 2012 eine Prävalenz von 29 Prozent potenziell geriatrischen Patienten. Landesweit hochgerechnet war demnach für das Jahr 2012 mit 770.000 potenziell geriatrischen Patienten zu rechnen. Überraschend sind dabei die großen regionalen Unterschiede: Während der Anteil in der Region Stuttgart auf 27 Prozent beziffert wird, sind es in der Region Rhein-Neckar bis zu 33,1 Prozent.

In einem nächsten Untersuchungsschritt sollten die regionalen Angaben zur Zahl potenziell geriatrischer Patienten mit dem vorgehaltenen Versorgungsangebot abgeglichen werden, etwa der Zahl geriatrischer Betten in Akut- und Rehakliniken auf Kreisebene. Diese Daten lagen den Autoren bei der Untersuchung indes nicht vor.

Um das landeseigene Geriatriekonzept fortschreiben zu können, sind epidemiologische Daten wichtig. Ausgehend vom Jahr 2012 mit 770.000 potenziell geriatrischen Patienten könnte diese Zahl bis 2035 auf 1,14 Millionen Menschen steigen.

Je nach Region entspräche dies einem Anstieg von 43 bis 55 Prozent. Die Region Heilbronn-Franken weise die höchsten prognostizierten Steigerungsraten auf, am Mittleren Oberrhein sind sie am niedrigsten.

Für die Versorgungsplanung sind diese Erkenntnisse wichtig, um künftig bedarfsgerechte Kapazitäten aufzubauen und vorzuhalten. Denn vor dem Hintergrund des Grundsatzes „Reha vor Pflege“ ist die Frage zentral, inwieweit eine geriatrisch rehabilitative Versorgung den Pflegebeginn verzögern oder verhindern kann.

Als Mitauftraggeber zieht AOK-Chef Dr. Christopher Hermann aus den Studienergebnissen die Konsequenz, dass die alternde Gesellschaft nur „mit einem klaren Blick auf die Besonderheiten der Region“ versorgt werden könne. „Zentralisierungsbestrebungen“, die Hermann in der Gesundheitspolitik der großen Koalition ausmacht, „versagten“ vor diesen Notwendigkeiten. (fst)

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