COVID-19

Arbeit im Impfzentrum: „Wir machen täglich Leute glücklich“

70 Menschen pro Tag werden im Impfzentrum Neumünster gegen Corona geimpft. Es könnten mehr sein. Vorerst sollen jetzt nur noch Zweitimpfungen verabreicht werden.

Von Dirk SchnackDirk Schnack Veröffentlicht:
Irmgard Overath bekommt ihre erste Impfung im Impfzentrum Neumünster. Sie war eine der vorerst letzten – ab 25. Januar kann wegen des Lieferengpasses zunächst ausschließlich die zweite Impfung verabreicht werden.

Irmgard Overath bekommt ihre erste Impfung im Impfzentrum Neumünster. Sie war eine der vorerst letzten – ab 25. Januar kann wegen des Lieferengpasses zunächst ausschließlich die zweite Impfung verabreicht werden.

© Dirk Schnack

Neumünster. Die Impfungen gegen das Corona-Virus beherrschen die politische Debatte und die Medien, die Bevölkerung diskutiert und ist in manchen Fragen polarisiert. Im Impfzentrum Neumünster wird das Thema, das ganz Deutschland bewegt, erstaunlich unaufgeregt abgearbeitet.

Von der aufgeheizten Debatte in Politik und Medien ist hier nichts zu spüren. Jede halbe Stunde kommen sechs impfberechtigte ältere Menschen, die meisten von ihnen in Begleitung eines Angehörigen. Geduldig lassen sie ihre Impfberechtigungen von Angehörigen der Bundeswehr prüfen, weisen sich aus, nehmen im Warteraum Platz.

Lange müssen sie nicht warten, bei manchen reicht die Zeit nicht einmal, um die über die Bildschirme laufenden Impfinformationen zu lesen. Sie kommen schnell zum Aufklärungsgespräch bei Ärztin Kathrin Kandzora. Dort zeigen sich die meisten interessiert, beanspruchen die Ärztin aber nicht lange. Sie wollen eine Station weiter zur MFA, die ihnen den Impfstoff verabreicht.

Nach 40 Minuten sind die meisten wieder draußen

Es folgt der zeitlich aufwändigste Teil: die Nachbeobachtung – wo es bislang noch zu keiner einzigen Reaktion kam, die eine ärztliche Hinzuziehung erforderlich gemacht hätte. Nach rund 40 Minuten haben die meisten Menschen das Impfzentrum Neumünster wieder verlassen.

Drei Wochen geht das jetzt so in Neumünster: Jeden Tag erhalten 70 Menschen den Impfstoff, insgesamt rund 1500 seit dem vierten Januar. Eine von ihnen ist Irmgard Overath, die mit 82 froh über den Impftermin ist, den ihr Enkel für sie vereinbart hat. Frau Overath hat schon eine COVID-Erkrankung im März 2020 überstanden, jetzt will sie kein Risiko mehr eingehen.

Für sie und alle anderen 1500 bislang Geimpften in Neumünster war es noch die erste Impfung. Wegen des Lieferengpasses werden die Erstimpfungen jetzt unterbrochen, ab Montag, 25. Januar geht es hier ausschließlich mit der zweiten Impfung weiter. So wie in Neumünster wird es in vielen Impfzentren in ganz Deutschland nach und nach mehr Zweit- als Erstimpfungen geben müssen, weil der Nachschub für eine begrenzte Zeit gering ist. Ab Mitte Februar, schätzt Neumünsters Impfkoordinator Dr. Johannes Kandzora, wird es voraussichtlich wieder so viel Impfstoff geben, dass auch erste Impfungen wieder verabreicht werden können.

Mehr Impflinien wären möglich

Ein Bruch, den er lieber vermieden hätte. „Unsere Hoffnung war, dass wir die Kapazitäten erweitern können“, sagt Kandzora. Mehr Schichten und mehr Impflinien wären in Neumünster und in anderen Impfzentren möglich – wenn mehr Impfstoff da wäre. „Wir arbeiten unter unseren Möglichkeiten“, sagt Sebastian Auch, der für die räumliche und personelle Organisation jenseits der medizinischen Fragen verantwortlich ist. Dennoch sind Kandzora und Auch überzeugt, dass alle Seiten Grund haben, das Positive zu sehen.

Diese Haltung spiegelt sich auch beim beschäftigten Personal wieder. „Wir machen täglich Leute glücklich“, sagt MFA Diane Seemann. Sie selbst habe zwar zwei Tage gebraucht, um den Lieferengpass zu akzeptieren. Nun sagt sie: „Ich verfalle deshalb nicht in Depressionen, es geht ja schließlich voran.“

Sind zufrieden, bei der Impfung gegen Corona helfen zu können: MFA Diana Seemann, Organisator Sebastian Auch und Ärztin Kathrin Kandzora (von links).

Sind zufrieden, bei der Impfung gegen Corona helfen zu können: MFA Diana Seemann, Organisator Sebastian Auch und Ärztin Kathrin Kandzora (von links).

© Dirk Schnack

Was Seemann, das Ehepaar Kandzora und die anderen Helfer im Impfzentrum antreibt, sind die Menschen, die kommen. „Es ist beeindruckend, wie rüstig, fit, sortiert, gut vorbereitet und voller Optimismus die älteren Menschen zu uns kommen“, sagt Dr. Johannes Kandzora. Die positive Grundhaltung der Menschen motiviere das Team, dies helfe auch über Enttäuschungen wie den Lieferengpass hinweg.

Einige Pannen im Impfportal

„Große Dankbarkeit“ nimmt Sebastian Auch bei seinen „Gästen“ wahr – allerdings mit ein paar Ausnahmen. In den drei ersten Wochen kamen täglich ein bis zwei ältere Menschen, die fest davon überzeugt waren, einen gebuchten Termin zu haben. Sie hatten ihn über das landesweite Webportal für das Impfen gebucht – dachten sie.

Das System hatte ihren Termin aber aus nicht nachvollziehbaren Gründen nicht gespeichert. „Es tut weh, solche Menschen wieder nach Hause schicken zu müssen. Diese Menschen sind verständlicherweise enttäuscht und frustriert“, sagt Auch. Mit dieser Enttäuschung hat es ein Ende – die Landesregierung Schleswig-Holstein schwenkt, wie berichtet, auf postalische Einladungsschreiben für ältere Menschen um.

Kein Ende hat es voraussichtlich mit den Begehrlichkeiten vieler Menschen, die nicht zur Gruppe mit der höchsten Priorität zählen. Kandzora berichtet, dass viele Ärzte versuchen, Impftermine für Menschen zu bekommen, die in der Versorgung nah am Patienten arbeiten, aber bislang noch nicht berücksichtigt werden konnten – etwa in der ambulanten Pflege. So nachvollziehbar Kandzora den Wunsch nach einer Impfung für solche Menschen findet, hält er strikt an der Vorgabe fest: „Die festgelegte Priorität kann man auch gut nachvollziehen. Ich führe zu diesem Thema viele Gespräche und erläutere das gerne immer wieder.“ Trotz solcher kleinen Probleme und trotz des Lieferengpasses: Kandzora und sein Team in Neumünster halten das Impfen bislang für einen Erfolg, der „Licht am Ende des Tunnels“ zeigt.

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