Immunseneszenz

Standard-Impfungen für Menschen ab 60 Jahre – heute und morgen

Influenza, Pneumokokken, Herpes zoster – das sind die Standard-Impfungen für Menschen ab 60 Jahren. Hinzu kommt die Auffrischung gegen Tetanus und Diphtherie. Dann gibt es noch ein paar Besonderheiten.

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Der Impfkalender für Senioren ist simpel. Nur die Grippe-Impfung muss jedes Jahr neu erfolgen. (Symbolbild mit Fotomodellen)

Der Impfkalender für Senioren ist simpel. Nur die Grippe-Impfung muss jedes Jahr neu erfolgen. (Symbolbild mit Fotomodellen)

© Alexander Raths / stock.adobe.com

Der Impfkalender für Menschen ab 60 Jahren erscheint simpel, sind es doch generell nur vier Impfungen, die empfohlen werden:

Über 70? Zweiter COVID-Booster!

Bei der Impfung gegen SARS-CoV-2 gilt derzeit eine einheitliche Empfehlung für alle Erwachsenen: Neben der Grund-Immunisierung aus zwei Impfdosen sollte nach frühestens drei Monaten eine einmalige Boosterung erfolgen. Ausnahme sind Über-70-Jährige und Menschen in Pflegeeinrichtungen. Für diese Gruppen empfiehlt die STIKO eine zweite Boosterung, frühestens 3 Monate nach dem ersten Booster. Umfassende Infos zum Thema COVID-19 und Impfen bietet das RKI hier.

Standard-Impfungen für Menschen ab 60 Jahre – heute und morgen

© Impfkalender der STIKO / Grafik: ÄrzteZeitung

Immunseneszenz mindert die Immunantwort

Bei Menschen ab 60 Jahren lässt auch die Leistungsfähigkeit des Immunsystems nach, wodurch das Erkrankungsrisiko steigt und die Immunantwort geringer ausfällt. Denn erstens sind im Alter weniger naive B-Zellen vorhanden und zweitens nimmt die Zahl seneszenter T-Zellen zu. Die Folgen: Das immunologische Gedächtnis ist beeinträchtigt und das Immunsystem kann sich schwerer auf Neues einstellen.

Um die Immunantwort bei Älteren zu steigern, gibt es zwei Möglichkeiten:

  • Die Antigen-Menge wird erhöht.
  • Es werden Adjuvantien eingesetzt.

Der von der STIKO ab 60 Jahren empfohlene Influenza-Impfstoff setzt auf das erste Prinzip, der empfohlene Zoster-Impfstoff auf das zweite.

Grippe-Impfstoff: Hochdosis schlägt Standarddosis

So hat die Hochdosis-Influenza-Vakzine ihre Überlegenheit in einer großen Studie gezeigt. Die 32.000 Teilnehmer ab 65 Jahren erhielten entweder den Hochdosis- oder den Standarddosis-Impfstoff. Primärer Endpunkt war die Verhinderung einer laborbestätigten Influenza (N Engl J Med 2014; 371(7): 635). Der HD-Impfstoff war dabei 24,2 Prozent wirksamer als die SD-Vakzine.

Influenza schädigt Herz und Hirn

Corona-Viren wie SARS-CoV-2 sind eigentlich Atemwegserreger. Es wurde in der Pandemie sehr schnell gelernt, dass COVID-19 keine reine Atemwegserkrankung, sondern eine Systemerkrankung ist.

Das gilt auch für die Influenza, vor allem hinsichtlich des Herz-Kreislauf-Systems. So ist etwa in den Tagen nach einer Influenza-Infektion das Risiko für Herzinfarkt sechs- bis zehnfach erhöht (N Engl J Med 2018; 378: 345) und das Risiko für Schlaganfall drei- bis achtfach (Eur Resp J 2018 51: 1701794). Und in einer Studie aus Hongkong waren bei Patienten über 65 Jahre 18 Prozent der Influenza-Todesfälle kardiovaskulär bedingt (J Infect Dis 2012; 206: 1862).

Influenza-Schutz ist auch Herzschutz

Und auch das Influenza-Virus kann in Kardiomyozyten eindringen und eine Myokarditis oder Perikarditis verursachen. Auch indirekte Effekte wie Plaque-Rupturen aufgrund der systemischen Immunantwort und Entzündung sind möglich (Expert Rev Cardiovasc Ther 2015; 13: 593).

Daher empfiehlt die STIKO ebenso wie kardiologische Fachgesellschaften schon lange, Patienten mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen gegen Influenza zu impfen – und zwar altersunabhängig.

Pandemie beflügelt Influenza-Impfungen

Nach KV-Daten, die vom RKI ausgewertet worden sind, hat rund jeder Zweite ab 60 Jahren (47,3 Prozent) in der Saison 2020/2021 eine Impfung gegen Influenza erhalten (Epid Bull 50/2021). Das ist deutlich mehr als in früheren Jahren, als die Impfrate in dieser Altersgruppe bei rund einem Drittel lag. Bleibt zu hoffen, dass dieser Trend anhält und effektivere Impfstoffe die Akzeptanz der Grippe-Impfung in dieser Altersgruppe weiter erhöhen. (hub)

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