Ärztemangel

Bayern hat Bedarf an Nachwuchsmedizinern – aber in welchem Umfang?

Schon heute haben einige ländliche Regionen in Bayern zu wenige Ärztinnen und Ärzte, Patienten müssen weit zur nächsten Praxis fahren. Und der Bedarf wird steigen. Doch wie viele Studierende es deshalb geben sollte, scheint schwer zu prognostizieren.

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Abgeordnete des Bayerischen Landtags wollten am Mittwoch von Sachverständigen wissen, wie viele Medizinstudienplätze künftig nötig sind. Die Antworten fielen zumeist vage aus.

Abgeordnete des Bayerischen Landtags wollten am Mittwoch von Sachverständigen wissen, wie viele Medizinstudienplätze künftig nötig sind. Die Antworten fielen zumeist vage aus.

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München. Dass Bayern mehr Nachwuchsmediziner braucht, darüber waren sich die Experten bei einer Anhörung am Mittwoch im Landtag einig. Doch welche Auswirkungen dies auf die Zahl der Studienplätze im Freistaat haben sollte – darüber bestand große Unsicherheit.

Allzu groß ist die Zahl der Faktoren, die dabei eine Rolle spielen. Zu ihnen gehört unter anderem der Trend zu Teilzeit und Anstellung, aber auch der Mangel an Landärzten, die Fachrichtung der Spezialisierung und der Zugang sowie die Organisation des Studiums.

Die konkreteste Prognose wagte der Präsident der Bayerischen Landesärztekammer, Dr. Gerald Quitterer: 150 bis 200 Studienplätze seien nötig, um – nach zwölf Jahren Ausbildung – 100 bereits praktizierende Ärztinnen und Ärzte zu ersetzen. „Allein schon aufgrund von Teilzeit und Anstellung brauchen wir heute schon 130 Personen für ehemals 100“, erläuterte Quitterer.

Denn immer mehr Mediziner wollen sich nicht mehr als Selbstständige niederlassen und/oder lieber Teilzeit arbeiten, um mehr Zeit für Familie und Privatleben zu haben.

Prognose des Bedarfs ist komplex

Auch zu Berufswechseln, Abwanderung ins Ausland und anderen Faktoren wie der älter werdenden Bevölkerung liegen Zahlen vor, dennoch taten sich viele Experten schwer mit konkreten Aussagen zu nötigen Studienplätzen. „Ich glaube nicht, dass wir verlässlich sagen können, wie in zwölf Jahren der Bedarf sein wird“, sagte etwa Professor Matthias Frosch von der Universität Würzburg.

Er erinnerte daran, dass es in den 1980er Jahren die sogenannte Ärzteschwemme gab. „Eine Generation später ist dieser Überschuss dann in einen Mangel gemündet. Und ich weiß nicht, was passiert, wenn wir heute planen und in 10, 20 Jahren dann gesellschaftlich begründet vielleicht eine ganz andere Situation haben.“

Breite Einigkeit gab es jedoch bei der Feststellung, dass dem Praktischen Jahr eine große Bedeutung zukomme – nicht nur für die Ausbildung der dann fast fertigen Studierenden, sondern auch etwa für die Besetzung von Landarztstellen.

Wenn die jungen Leute ihre komplette Ausbildung in Großstädten machten, sei die Wahrscheinlichkeit groß, so der Tenor, dass sie dort Freunde fänden, eine Familie gründeten und daher „kleben blieben“. (dpa)

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