Studie zu SARS-CoV-2

Durchseuchung in Rhein-Main sehr gering

Nicht jeder positive Antikörpertest weist auch wirklich auf SARS-CoV-2-Virus hin, zeigt neue Studie.

Von Christoph Barkewitz Veröffentlicht: 26.05.2020, 14:52 Uhr
Durchseuchung in Rhein-Main sehr gering

1000 – vermeintlich – gesunde Mitarbeiter beim Industriedienstleister Infraserv Höchst in Frankfurt sind auf SARS-CoV-2 getestet worden – per Rachenabstrich und auch per Blutanalyse.

© Nicolas Armer/picture alliance / dpa

Wiesbaden. Eine neue Studie mehrer hessischer Einrichtungen legt nahe, dass im Rhein-Main-Gebiet nur eine sehr geringe Infektionsrate mit dem neuen Coronavirus SARS-CoV-2 besteht.

Die virologischen Institute der Unikliniken Frankfurt und Marburg hatten gemeinsam mit dem Gesundheitsamt Frankfurt und dem DRK-Blutspendedienst Baden-Württemberg 1000  – vermeintlich – gesunde Mitarbeiter beim Industriedienstleister Infraserv Höchst in Frankfurt auf SARS-CoV-2 getestet – sowohl per Nasen-Rachen-Abstrich für den Nachweis einer akuten wie auch mittels Blutproben auf das Vorliegen einer früher durchgemachten Infektion.

Wie viele unentdeckte Fälle?

Das Ziel lautete, unentdeckte Fälle aufzuspüren und einen Hinweis über die Anzahl derer zu bekommen, die die Erkrankung bereits unerkannt durchgemacht haben. Über die Rachenabstriche sei bei einer Person eine (unbemerkte) Infektion nachgewiesen worden, berichtete Professor Sandra Ciesek, Direktorin der Medizinischen Virologie des Uniklinikums Frankfurt. Bei fünf Menschen seien Antikörper im Blut nachgewiesen worden: Zwei hätten von ihrer vorherigen Erkrankung gewusst, drei nicht.

„Vier von sechs ahnten nichts von ihrer Infektion“, so Ciesek, wies allerdings darauf hin, man müsse diese Zahlen lokal betrachten, sie seien nicht repräsentativ: alle Probanden stammten aus einem Betrieb, keine Kinder.

Professor Stephan Becker, Direktor des Instituts für Virologie der Uni Marburg, berichtete zudem, es sei in einem zweiten Verfahren getestet worden, ob zuvor positiv auf Coronaviren getestete Probanden auch wirklich Antikörper auf exakt SARS-CoV-2 gebildet hätten. Dabei habe sich herausgestellt, dass von zuvor 29 positiven Befunden nach der weiteren Untersuchung lediglich die zuvor genannten fünf Fälle tatsächlich die Infektion mit SARS-CoV-2 gehabt hätten. Man müsse folglich genau schauen, ob positive Patienten mit dem neuen Virus infiziert waren, so Becker.

Weitere Studien notwendig

Es bedürfe noch vieler solcher Studien an vielen Stellen Deutschlands, um verlässliche Werte zur Dunkelziffer zu bekommen, sagte der Leiter des Frankfurter Gesundheitsamts, Professor René Gottschalk. Gleichwohl nannte er es „erstaunlich, dass im Rhein-Main-Gebiet die Durchseuchung offenbar recht gering ist“.

Die 1000 Mitarbeiter hätten sich allesamt freiwillig gemeldet, sagte Dr. Martin Kern, Leiter Arbeits- und Gesundheitsschutz bei Infraserv. Sie stammten mit Labor, Technik, Produktion und Verwaltung aus sämtlichen Unternehmensteilen und seien Mitte April binnen fünf Werktagen auf beide Varianten getestet worden.

Auffälligkeiten in Frankfurt

Frankfurt war jüngst mit einigen Häufungen von Infektionen aufgefallen. So wurde am Wochenende bekannt, dass mehr als 100 Menschen, die zu einer Baptisten-Gemeinde gehören, an COVID-19 erkrankt sind. Bei dem als Ausgangspunkt angesehenen Gottesdienst am 10. Mai trugen die Besucher keine Schutzmasken und sangen zusammen, wie die Gemeinde inzwischen einräumte – anders als es die großen christlichen Kirchen empfehlen und praktizieren.

Kurz zuvor waren in einer Flüchtlingsunterkunft mehr als 70 Corona-Fälle nachgewiesen worden. Trotz allem bleibt Frankfurt unter der Grenze von 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner und Woche. Das Beispiel der Baptisten-Gemeinde mahne aber, dass das Infektionsrisiko weiter bestehe, sagte Sozialminister Kai Klose (Grüne). Für ein vollständiges Aufheben der Schutzmaßnahmen wie in Thüringen geplant, „ist es bei jetziger Lage zu früh“.
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