Saarland

Fehldiagnosen bei Hautkrebsverdacht? Neue Vorwürfe gegen Pathologen

Nach dem Abschluss des Prozesses gegen einen Pathologen aus dem Saarland stehen jetzt neue Vorwürfe im Raum. Er soll in Probenmaterial Hautkrebs übersehen haben. Wegen Fluchtgefahr ist der Arzt erneut in Haft.

Veröffentlicht:
Befunderhebung in der Pathologie: In Saarland hat ein Pathologe offenbar häufig Probenmaterial falsch befundet – teilweise mit fatalen Konsequenzen für die Patienten. (Symbolbild)

Befunderhebung in der Pathologie: In Saarland hat ein Pathologe offenbar häufig Probenmaterial falsch befundet – teilweise mit fatalen Konsequenzen für die Patienten. (Symbolbild)

© Monet / stock.adobe.com

Saarbrücken. Für einen wegen Fehlbefunden verurteilten Pathologen währte die Freude über die Haftentlassung nur kurz: War er trotz Verurteilung zu einer mehrjährigen Freiheitsstrafe vor knapp zwei Wochen noch im Gerichtssaal vorläufig auf freien Fuß gesetzt worden, sieht er sich nun mit neuen Vorwürfen konfrontiert. Wegen Fluchtgefahr wurde am vergangenen Wochenende Untersuchungshaft angeordnet.

Bei den noch nicht abgeschlossenen Ermittlungen steht versuchter Totschlag im Raum. Danach soll der 63-jährige Facharzt im Januar und Juli 2019 bei Probenmaterial fälschlicherweise das Vorliegen von Hautkrebs verneint haben. Bei dem einen Patienten wurde laut Staatsanwaltschaft nach Auftreten weiterer äußerlich erkennbarer Hinweise die Operation nachgeholt, der andere sei verstorben. Um zu klären, ob ein Kausalzusammenhang besteht, wurde ein Gutachten in Auftrag gegeben. Die Ergebnisse stehen aber noch aus.

Gesamtstrafe fünf Jahre und drei Monate

Vor 14 Tagen hatte das Landgericht Saarbrücken den Arzt wegen mehrerer Fälle von schwerer oder fahrlässiger Körperverletzung und wegen fahrlässiger Tötung schuldig gesprochen. Zusammen mit einer bereits ergangenen Verurteilung wegen Bestechung im Gesundheitswesen bildeten die Richter eine Gesamtstrafe von fünf Jahren und drei Monaten und setzten zugleich den Haftbefehl unter Auflagen außer Vollzug.

Lesen sie auch

Der Pathologe saß seit Februar 2020 hinter Gittern. Gegen das Urteil haben sowohl die Staatsanwaltschaft als auch die Verteidigung Revision beantragt. Darüber muss nun der Bundesgerichtshof befinden.

Bei der Bemessung des Strafmaßes hatten die Richter die Fehldiagnosen als besonders schwerwiegend eingestuft, die dem Arzt nach Mai 2018 unterlaufen sind. Der Grund: Zu diesem Zeitpunkt habe er selbst BU-Leistungen beantragt und sei sich also seiner gesundheitlichen Probleme bewusst gewesen.

Die neuen Vorwürfe fallen in diesen Zeitraum. Sachverständige bescheinigten dem früheren Labor-Inhaber neben Medikamenten- und Drogensucht vor allem eine depressive Symptomatik. (kud)

Mehr zum Thema

Pilotprojekt Arzneimitteltherapie

Kassen liefern Patientendaten zu Erkrankungen und Medikation

Kommentar

Illusion Klinikplanung

Das könnte Sie auch interessieren
Probeentnahme für einen Corona-Test: In den USA sind im ersten Jahr der Coronaimpfung knapp 14 Prozent der komplett geimpften Krebskranken an COVID erkrankt, aber nur 5 Prozent der geimpften Patienten ohne Krebs. (Symbolbild mit Fotomodellen)

© Pekic / Getty Images / iStock

Viele Durchbruchsinfektionen

COVID-19 bleibt auch für geimpfte Krebspatienten gefährlich

Notfall Thrombose – initial niedermolekulares Heparin

© LEO Pharma GmbH

DGA 2021

Notfall Thrombose – initial niedermolekulares Heparin

Anzeige | LEO Pharma GmbH
Schwangerschaftsassoziierte Thrombose: Warum NMH?

© LEO Pharma GmbH

DGA 2021

Schwangerschaftsassoziierte Thrombose: Warum NMH?

Anzeige | LEO Pharma GmbH
VTE-Inzidenz bei Krebs in den letzten 20 Jahren verdreifacht

© LEO Pharma GmbH

Publikation

VTE-Inzidenz bei Krebs in den letzten 20 Jahren verdreifacht

Anzeige | LEO Pharma GmbH
Kommentare
Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar verfassen zu können.
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

» kostenlos und direkt in Ihr Postfach

Am Morgen: Ihr individueller Themenmix

Zum Feierabend: das tagesaktuelle Telegramm

Newsletter bestellen »

Health Data Ecosystems - Gesundheitsdatenökosysteme

© Roche Pharma AG

3. Internationale Webkonferenz

Health Data Ecosystems - Gesundheitsdatenökosysteme

Kooperation | In Kooperation mit: Roche Pharma AG
Top-Meldungen

Die Wochenkolumne aus Berlin

Die Glaskuppel: Wenn am Ende keiner bluten will

Mit deutscher Beteiligung

Globale Leitlinie zur Sturzprävention veröffentlicht