Gegen den Fachkräftemangel

Hessen setzt auf Lotsen für ausländische Pflegekräfte

Anwerben ist eine Sache, aber wie schaffen es Kliniken und Pflegeheime ausländische Fachkräfte besser zu integrieren? In Hessen soll nun das neue Pflegequalifizierungszentrum genau dabei unterstützen.

Von Christoph BarkewitzChristoph Barkewitz Veröffentlicht:
Der Arbeitsmarkt ist leer gefegt: Immer mehr Kliniken setzen auf ausländische Pflegekräfte, doch oft bleiben diese nur ein paar Jahre. Eine bessere Integration könnte dies ändern. (Motiv mit Fotomodell)

Der Arbeitsmarkt ist leer gefegt: Immer mehr Kliniken setzen auf ausländische Pflegekräfte, doch oft bleiben diese nur ein paar Jahre. Eine bessere Integration könnte dies ändern. (Motiv mit Fotomodell)

© Rawpixel.com/stock.adobe.com

Wiesbaden/Bad Homburg. Hessen will die Anwerbung ausländischer Pflegefachkräfte stärken und hat dazu Anfang Juni das Pflegequalifizierungszentrum Hessen (PQZ) in Betrieb genommen. Das PQZ soll laut Mitteilung des Sozialministeriums Arbeitgeber künftig gezielt bei der Gewinnung von Pflegerinnen und Pflegern aus dem Ausland unterstützen.

Dabei – und das ist die besondere Rolle des PQZ – sollen die neuen Mitarbeiter so gestärkt werden, „dass nachhaltige Integration in Betrieb und Gesellschaft noch besser gelingt“, erläutert Sozialminister Kai Klose (Grüne). Das PQZ verstehe sich als Lotse durch den Anwerbe-, Anerkennungs- und Integrationsprozess.

Zielgruppe der neuen Einrichtung, für die Klose „deutschlandweite Pionierarbeit“ reklamiert, sind die Arbeitgeber im Pflege- und Gesundheitswesen, ihre Belegschaften sowie internationale Pflege- und Gesundheitsfachkräfte. Ein aus Sozial- und Pflegepädagogen, Praxisanleitern und Fachkräften aus dem Pflege- und Gesundheitswesen bestehendes Team biete Unterstützung, Beratung und Begleitung, wo sie benötigt werde.

Nachfrage nach Pflegekräften steigt kontinuierlich

„Der Bedarf an Pflegefachkräften ist ungebrochen hoch, das hat uns die Pandemie-Situation der vergangenen Monate noch einmal nachdrücklich vor Augen geführt“, sagte Klose. Durch den demografischen Wandel steige auch auf dem hessischen Arbeitsmarkt die Nachfrage nach Fachkräften im Pflege- und Gesundheitsbereich seit Jahren kontinuierlich.

Trägerin des PQZ ist den Angaben zufolge die INTEGRAL gGmbH, eine gemeinnützige Beschäftigungs- und Qualifizierungsgesellschaft in kommunaler Trägerschaft des Landkreises Marburg-Biedenkopf und der Stadt Marburg. In Kooperation mit der DRK Schwesternschaft Marburg werde das PQZ hessenweit eine Unterstützungsstruktur etablieren, auf die die Arbeitgeber zurückgreifen könnten.

Die Teilhabe von Menschen mit Zuwanderungsgeschichte an Arbeit und Gesellschaft bilde seit mehr als zwei Jahrzehnten einen Arbeitsschwerpunkt der INTEGRAL gGmbH, sagte deren Geschäftsführer Helge Micklitz. Seit 2020 sei die Ausbildung und Integration in Pflegeberufen hinzugekommen“.

Umfrage: Hessen betrachten Zukunft der Pflege mit Skepsis

Die besondere Bedeutung der Pflege belegt auch eine aktuelle Umfrage der AOK Hessen: Die Zukunft der Pflege wird demnach eher skeptisch betrachtet. Die telefonische Befragung durch Insa Consulere bei 1000 in Hessen wohnenden Personen ab 18 Jahren zeigt, dass 41 Prozent aller Befragten davon ausgehen, später von nahen Angehörigen gepflegt zu werden. Fast genauso groß ist aber die Gruppe jener, die das für sich verneinen (39 Prozent).

Bei der Frage „Wird meine Pflege auf menschenwürdigem Niveau gewährleistet sein?“ zeigen sich 18 Prozent optimistisch, ein Drittel der Bevölkerung stimmt dem immerhin teilweise zu. Allerdings glaubt jeder Vierte, dass dies eher nicht der Fall sein wird, weitere 13 Prozent antworteten „Nein, absolut nicht“. Insbesondere Menschen in den Fünfzigern zeigen sich besonders skeptisch – hier sind 55 Prozent kritisch eingestellt.

Keine Illusionen machen sich die Hessen zur Höhe der Beitragssätze in der Kranken- und Pflegeversicherung: 38 Prozent glauben, dass diese in den kommenden zwei bis drei Jahren deutlich steigen, weitere 44 Prozent gehen lediglich von einer geringfügigeren Anhebung aus.

Mehr zum Thema

Aktuelle RKI-Zahlen

Das Corona-Infektionsgeschehen in den einzelnen Kreisen

Kommentare

Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar verfassen zu können.
Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Nachmittags: das schnelle Telegramm. Am Morgen: Ihr individuell zusammengestellter Themenmix.

Newsletter bestellen »

Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte, Medizinstudenten, MFA und weitere Personengruppen viele Vorteile.

Die Anmeldung ist mit wenigen Klicks erledigt.

Jetzt anmelden / registrieren »

Top-Meldungen
Ein Mädchen wird in einer Hausarztpraxis mit dem Corona-Impfstoff von Biontech/Pfizer geimpft. Die STIKO hat bislang keine generelle Impfempfehlung für ab 12-Jährige ausgesprochen.

© milanmarkovic78 / stock.adobe.com

Steigende Inzidenz

Amtsärzte plädieren für Corona-Impfung von Kindern ab 12 Jahren

Wohnen in Gegenden mit schlechter Luftqualität: Wie stark verschmutzte Luft tatsächlich Einfluss auf das Demenzrisiko hat, ist immer noch ungeklärt.

© Photos.com plus

Epidemiologische Analysen

Demenz: Einfluss von Luftverschmutzung überschätzt?