Projekt der Ärztegenossenschaft Nord

„Heureka“ soll adipösen Kindern besser helfen

Die Ärztegenossenschaft Nord will die Zusammenarbeit von Kinder- und Hausärzten mit anderen in die Behandlung zu dicker Kinder involvierter Akteure verbessern.

Dirk SchnackVon Dirk Schnack Veröffentlicht:
Bewegungs- und Sportprogramme für adipöse Kinder.

Bewegungs- und Sportprogramme für adipöse Kinder.

© Waltraud Grubitzsch / dpa

Bad Segeberg. Keine Zusammenarbeit zwischen den Sektoren, Brüche an den Schnittstellen mit den Therapeuten und schwierige Verhandlungen mit den Kostenträgern: Ärzte kennen diese Probleme seit Jahren und erleben, dass ihre Patienten darunter leiden. Dies gilt auch für die Behandlung adipöser Kinder und Jugendlicher.

Ein Projekt in Schleswig-Holstein will dies ändern und erhält eine halbe Million Euro vom Land. Das Projekt „Heureka“ der Ärztegenossenschaft Nord will die Zusammenarbeit von Kinder- und Hausärzten mit anderen Akteuren, die in die Behandlung adipöser Kinder und Jugendlicher eingebunden werden, verbessern.

Kenntnis der Patienten und ihrer Familien ist essenziell

Mit Hilfe eines Behandlungspfads sollen sie eine strukturierte und passgenaue Therapie erhalten. Voraussetzung dafür ist, dass Haus- und Kinderärzte die Familien der übergewichtigen Patienten ansprechen und die Indikation für eine Behandlung stellen.

„Die Primärärzte sollen aufgrund ihrer Kenntnis der Patienten und Familien festlegen, welchen Weg die Patienten innerhalb des Behandlungspfades nehmen sollen“, erläuterte Projektleiter Dr. Michael Emken auf Nachfrage der „Ärzte Zeitung“. Der Allgemeinmediziner aus Bad Segeberg nannte drei Behandlungswege:

  • ambulantes Trainingsprogramm,
  • bei psychischen Auffälligkeiten Ersteinschätzung durch Kinderpsychiater und gegebenenfalls ambulantes Trainingsprogramm und Nachsorge,
  • bei begründeten Fällen vorübergehende Herausnahme aus dem sozialen Umfeld mit stationärer Behandlung und Nachsorge.

Wichtiger Baustein ist der Einsatz einer Case-Managerin, die die Familien durch die Behandlungspfade begleiten und das Schnittstellenmanagement übernehmen soll.

Neben Primärärzten in den Orten Kiel, Lübeck, Neumünster, Preetz, Bad Segeberg und Wahlstedt sollen niedergelassene Ernährungstherapeuten, Kinder- und Jugendpsychiater, die Fachklinik für Kinder- und Jugendliche in Westerland auf Sylt und Anbieter ambulanter Trainingskurse („FördeKids“, „Zimt“) eingebunden werden.

Kinder werden oft auf ihr Übergewicht nicht angesprochen

Emken ist zusammen mit Kinderarzt Ingo Menrath vom UKSH in Lübeck ärztlicher Leiter des Zentrums für interdisziplinär modulare Trainingsprogramme („Zimt“). Zur Gründung des Zentrums haben sie sich unter anderem aufgrund ihrer Beobachtung entschlossen, dass viele adipöse Kinder zwar im Gesundheitswesen mit anderen Problemen vorstellig werden, ohne dabei aber auf ihr Übergewicht angesprochen zu werden.

Wenn es doch zu Behandlungen kommt, sind diese meist zeitlich sehr eng befristet und nicht immer zielgenau. Damit sich dies ändert, fördert das Land Schleswig-Holstein das Projekt „Heureka“ mit 499.537 Euro. Der Fonds wurde 2018 von der Landesregierung zur Verbesserung der medizinischen Versorgung eingerichtet.

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