Mecklenburg-Vorpommern

Krise an Rostocker Unimedizin: Verantwortung wird weitergereicht

Die Situation an der Rostocker Unimedizin löst kurz vor der Wahl gegenseitige Schuldzuweisungen aus.

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Schwerin. „Fadenscheiniger Wahlkampf“ oder notwendige Aufklärung? In Mecklenburg-Vorpommern scheiden sich die Geister an der Aufarbeitung der Situation an der Rostocker Universitätsmedizin. In der Woche vor Land- und Bundestagswahl kamen Bildungs- und Gesundheitsausschuss zu einer gemeinsamen Sondersitzung zusammen – die Parteien bewerteten dies unterschiedlich.

Anlass war die schwierige personelle Situation an der Klinik, die mehr als 40 Chefärzte in einem Brandbrief publik gemacht hatten. Insbesondere die Kinderklinik war in den Fokus gerückt. Der Vorstandschef der Universitätsmedizin wurde daraufhin freigestellt, zusätzliche finanzielle Mittel freigegeben. Bildungsministerin Bettina Martin und Aufsichtsratschef Mathias Brodkorb (beide SPD) wurden Versäumnisse vorgeworfen.

Der Präsident der Landesärztekammer, Professor Andreas Crusius, hatte im Interview mit der „Ärzte Zeitung“ von Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) gefordert, das Thema zur Chefsache zu machen. Zusammen mit Gesundheitsminister Harry Glawe (CDU) musste Martin nun vor den Ausschüssen erscheinen.

Bettina Martin: Zuständige Vorstände gefordert

Martin wies die gegen sie erhobenen Vorwürfe zurück. Unterstützung erhielt sie vom bildungspolitischen Sprecher ihrer Partei, Andreas Butzki. Wenn es um die gesicherte medizinische Versorgung gehe, seien vor Ort „zuallererst die zuständigen Vorstände gefordert“, so Butzki.

Über die Rolle des freigestellten Vorstands Professor Christian Schmidt – er diskutierte zeitgleich auf dem Hamburger Gesundheitswirtschaftskongress zum Thema Bürgerversicherung – ist aber öffentlich seitdem nicht mehr gesprochen worden. Stattdessen übten sich die Parteien in gegenseitigen Vorwürfen.

Wolfgang Waldmüller von der CDU forderte einen „Impuls“ des Bildungsministeriums in enger Absprache mit Klinikleitung und Aufsichtsrat für ein Konzept, das die strukturellen Defizite beseitigen hilft.

Vorwurf an die Landesregierung

Der Gesundheitsexperte der Linken, Torsten Koplin, warf der Landesregierung vor, „nicht zeitnah und angemessen reagiert“ zu haben, um den Personalschwund an der Universitätsmedizin aufzuhalten. Die Verweise der Regierung auf „formgerechte Risikomeldungen“ bezeichnete Koplin als „Ausflüchte, die der Lage in keiner Weise gerecht werden“.

Koplin sagte nach der Sitzung: „Die Landesregierung hat die Kindermedizin an der Universitätsmedizin Rostock sehenden Auges in die Bredouille gebracht.“ Für ihn hat die Sitzung die Erkenntnis gebracht, dass die Stabilisierung der Kinder- und Jugendmedizin im Bundesland eine der drängendsten gesundheitspolitischen Aufgaben zu Beginn der nächsten Legislatur sei.

Butzki versuchte erneut, die Verantwortung für die schwierige Situation auf die bundesweiten Bedingungen zu schieben. Die DRG seien nicht annähernd kostendeckend. (di)

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