Sachsen

Ländlicher Raum hat bei Bedarfsplanung Vorrang

Der Bedarf an Ärzten in ländlichen Regionen ist in Sachsen groß. Das unterstreicht die Bedarfsplanung, die Hausärzten in Dresden und Leipzig keine Niederlassungsmöglichkeiten mehr bietet. Wo es noch freie Hausartzsitze gibt, zeigen wir in einer Karte.

Sven EichstädtVon Sven Eichstädt Veröffentlicht:

Dresden. In den Städten Dresden und Leipzig sowie einigen angrenzenden Regionen dürfen sich Ärzte bestimmter Fachrichtungen nicht mehr niederlassen.

Das haben die Kassenärztliche Vereinigung Sachsen (KVS) und die Krankenkassen in Sachsen bei ihrer Bedarfsplanung für 2020 beschlossen.

Betroffen sind Hausärzte sowie Nervenärzte, Augenärzte und Psychotherapeuten, die sich dort „befristet“ nicht mehr niederlassen können.

Auf ländlichen Raum fokussiert

„Die vorhandenen ärztlichen Kapazitäten sollen im Sinne einer Versorgungsteuerung primär auf den ländlichen Raum fokussiert werden, da sie dort von den Patienten am dringendsten gebraucht werden“, sagte der KV-Vorstandsvorsitzende Dr. Klaus Heckemann.

Rainer Striebel, Vorstand der AOK Plus für Sachsen und Thüringen, verlangte, „vor allem im ländlichen Raum“ müsse versucht werden, „möglichst viele der offenen Planstellen zügig zu besetzen“. Dazu seien mehr sektorenübergreifende Versorgungsformen wie ländliche Gesundheitszentren nötig.

„Wir unterstützen auch Initiativen für neue Berufsbilder in der Pflege oder Modelle für medizinische Fachangestellte, die Hausärzte entlasten können“, fügte Striebel an. „Über solche und ähnliche Vorschläge wollen die Krankenkassen nun mit allen relevanten Akteuren aus Politik, Verwaltung, Wirtschaft und Vertragspartnern möglichst schnell ins Gespräch kommen.“

Hausärzte können sich in Dresden und Leipzig nicht mehr niederlassen

Silke Heinke, Leiterin der Landesvertretung Sachsen des Verbandes der Ersatzkassen, schätzte, dass der „Mehrbedarf“ an Ärzten im Freistaat „zum Teil erheblich“ sei. „Sachsen ist damit stärker denn je gefordert, den ärztlichen Nachwuchs im Lande zu halten und für Niederlassungswillige attraktiv zu gestalten“, ergänzte sie.

Während in Dresden und Leipzig Hausärzte sich nicht mehr niederlassen können, steige der Bedarf im ländlichen Raum des Freistaates aufgrund höherer Krankheitslast deutlich (siehe nachfolgende Karte).

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Für Hausärzte werden deshalb aktuell weitere 116 Niederlassungsmöglichkeiten und somit nun insgesamt 364 offene Stellen ausgewiesen.

Insgesamt werden für Ärzte aller Fachgruppen 216 neue Niederlassungen angeboten: Dazu zählen 40 neue Sitze für Psychotherapeuten, 17 für Nervenärzte und fünf für Rheumatologen.

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Kommentare
Wolfgang Wähnke 05.02.202009:48 Uhr

Da es künftig sehr viel mehr Ältere geben wird und diese deutlich mehr Gesundheitsversorgung benötigen, wird sich dieser Mangel im Gesundheitsbereich künftig nochmals deutlich verstärken, wenn nicht zielgerichtete Maßnahmen durchgeführt werden. Auch kommunale Akteure sind hier gefragt und sollten hier zunächst Daten basiert vorgehen und hier sind nur einige Indikatorbeispiele:

Altersstrukturprognosen der Bevölkerung und Pflegeprognosen möglichst nach Sozialräumen
Aktuelle Altersstrukturen und Erhebung von Ruhestandsplänen in Gesundheitsberufen
Nachfolgeplanung der niedergelassenen Ärzteschaft erheben
Aktuelle Pflegesituation (Angebote und Wartezeiten im ambulanten und stationären Bereich, Kapazitätsplanung bis 2030, werden schon Pflegebedürftige abgewiesen? Wenn ja, wie oft? Wie viele offene Stellen gibt es im Pflegebereich? Arbeitsamt: wie lange dauert es bis zur Stellenbesetzung wie ist der Vergleich zu den bundesweiten Daten?)
Überlastungssignale in Kliniken und Pflegeeinrichtungen.

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