Ambulante Notfallversorgung

Netz an Berliner KV-Notdienstpraxen nun komplett

In Berlin ist die elfte KV-Notdienstpraxis eröffnet worden. Die geplante Reorganisation der ambulanten Notfallversorgung ist damit abgeschlossen.

Von Madlen Schäfer Veröffentlicht:

Berlin. Am Vivantes Klinikum Neukölln hat am vergangenen Wochenende die elfte Notdienstpraxis der Kassenärztlichen Vereinigung ihren Betrieb gestartet. Das Netz an Notdienstpraxen der KV ist damit komplettiert. Ende 2017 hatte sich die KV Berlin das Ziel gesteckt, die ambulante Notfallversorgung neu zu organisieren.

Den Berlinern stehen nun insgesamt sechs KV-Notdienstpraxen für Erwachsene in Charlottenburg, Friedrichshain, Marzahn-Hellersdorf, Mitte, Steglitz-Zehlendorf und Neukölln zur Verfügung. Fünf KV-Notdienstpraxen für Kinder und Jugendliche stehen in den Bezirken Lichtenberg, Charlottenburg, Neukölln, Tempelhof und Wedding bereit. Aktuell sind 652 Ärztinnen und Ärzte in den Notdienstpraxen tätig.

Ärztlicher Bereitschaftsdienst modernisiert

Außerdem wurde die Leitstelle des ärztlichen Bereitschaftsdienstes, die unter der 116117 telefonisch erreichbar ist, modernisiert. Seit Januar 2020 können Anrufer mit akuten medizinischen Beschwerden auf SmED, das standardisierte medizinische Ersteinschätzungsverfahren, zurückgreifen.

In der Leitstelle werden Mitarbeiter durch die Software unterstützt, um am Ende der Befragung dem Anrufer die richtige Weiterversorgung empfehlen zu können.

Ebenso hat die KV den fahrenden Hausbesuch für immobile Patienten weiterentwickelt. 2020 wurden bisher rund 85.000 Hausbesuche gefahren. „Mit unserem Notdienstpraxen-Netz, der mit moderner Technik ausgestatteten Leitstelle und dem fahrenden Dienst ist die ambulante Notfallversorgung in Berlin gut aufgestellt.

Sie sorgt dafür, dass Menschen mit akuten Beschwerden auch außerhalb der Praxissprechzeiten ärztlich gut versorgt sind, ohne die Notaufnahmen der Krankenhäuser zu belasten“, sagt der stellvertretende KV-Vorsitzende Dr. Burkhard Ruppert.

Finanzielles Defizit bei Notfallversorgung

„Auch wenn die Patientenversorgung verbessert wurde, darf dies nicht darüber hinwegtäuschen, dass es sich bei der Notfallversorgung um ein defizitäres Geschäft handelt“, sagt KV-Vorstandsmitglied Günter Scherer.

Im Jahr 2021 rechne die KV mit einem Fehlbetrag von circa 1,6 Millionen Euro bei den KV-Notdienstpraxen, bei der Leitstelle und dem fahrenden Dienst mit einem Fehlbetrag von ungefähr einer Million Euro. Diese müssten letztlich von allen Ärzten in Berlin finanziert werden. „Jetzt ist der Gesetzgeber an der Reihe.

Anstatt über die Zerschlagung von funktionierenden Strukturen zu diskutieren, ist der Gesetzgeber aufgefordert, eine kostendeckende Vergütung für die ambulante und stationäre Notfallversorgung zu gewährleisten“, fordert Scherer.

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