Corona-Studien-Splitter

Positive Daten zu Corona-Totimpfstoff

Ein altbewährtes Prinzip könnte den Reigen der Corona-Impfstoffe bereichern: Zu einem Totimpfstoff mit inaktivierten SARS-CoV-2-Viruspartikeln liegen jetzt positive Daten vor. Und: Statine sind offenbar bei hospitalisierten, infizierten Patienten mit einer verringerten 28-Tage-Sterblichkeit verbunden.

Von Anne BäurleAnne Bäurle und Wolfgang GeisselWolfgang Geissel und Marco MrusekMarco Mrusek Veröffentlicht:
Impfausweis mit Comirnaty-Eintrag: Welcher ist immunogener – der Corona-Impfstoff von BioNTech oder der von Moderna?

Totimpfstoff mit inaktivierten SARS-CoV-2-Viruspartikeln – ein altbewährtes Prinzip, das bereits bei vielen anderen Impfungen erprobt wurde.

© designua / stock.adobe.com

Update vom 21. Oktober

Zu einem Totimpfstoff gegen COVID-19 liegen jetzt positive Ergebnisse einer Phase-III-Studie vor. Das meldet der französische Hersteller Valneva. Demnach ist die Vakzine mit dem Namen VLA2001 der erste in Europa entwickelte und getestete inaktivierte Corona-Impfstoff. Statt Vektorviren oder mRNA verwendet das Unternehmen inaktivierte SARS-CoV-2-Viruspartikel. Der Impfstoff wurde in der Studie (n=4012) mit dem Vektorimpfstoff von AstraZeneca (Vaxzevria®) verglichen, und zwar hinsichtlich der zellulären Immunantwort. Der primäre Endpunkt war die Immunogenität, gemessen als geometrischer Mittelwert des Titers (GMT) von SARS-CoV-2-spezifischen neutralisierenden Antikörpern, der zweite Endpunkt war die Verträglichkeit. Die Teilnehmer erhielten entweder zwei Dosen VLA2001 oder Vaxzevria® im Abstand von vier Wochen. Zwei Wochen nach der zweiten Dosis von VLA2001 betrug der GMT 803,5 im Vergleich zu 576,6 nach der Gabe von Vaxzevria®. Damit schnitt der Totimpfstoff besser ab als der Vektorimpfstoff. Die Serokonversionsrate erreichte in beiden Gruppen über 95 Prozent. Reaktionen an der Injektionsstelle (73,2 versus 91,1 Prozent) und systemische Reaktionen (70,2 versus 91,1 Prozent) traten mit VLA2001 seltener auf als mit Vaxzevria®. Ein Antrag auf Zulassung in der EU werde derzeit vorbereitet (Mitteilung des Unternehmens Valneva, veröffentlicht am 18. Oktober). (otc)

Die Einnahme von Statinen ist bei älteren Patienten mit SARS-CoV-2-Infektion während eines Krankenhausaufenthalts mit einer verringerten 28-Tage-Sterblichkeit verbunden. Das legt jetzt zumindest eine US-amerikanische Kohortenstudie mit 1179 Patienten mit SARS-CoV-2-Infektion nahe. Wie die Forscher aus Boston und Ann Arbor festgestellt haben, bestand diese Assoziation sowohl bei Patienten, die vor dem Krankenhausaufenthalt bereits Statine eingenommen hatten, als auch bei solchen, die vorher noch keine eingenommen hatten (Hazard Ratio 0,270 beziehungsweise 0,493). Dies galt für Patienten über 65 Jahre, jedoch nicht bei Patienten ≤ 65 Jahre (J Inf Dis 2021, online 19. Oktober). (otc)

Update vom 19. Oktober

Kinder spielen bei der SARS-CoV-2-Übertragung möglicherweise eine größere Rolle als bisher angenommen. Darauf lassen die Ergebnisse einer belgischen Kohorten-Studie schließen. Forscherinnen und Forscher um Dr. Christelle Meuris von der Universitätsklinik in Lüttich, Belgien, haben insgesamt 181 Personen, und zwar 63 Kinder einer Grundschule sowie 118 Erwachsene (Eltern und Lehrer dieser Schule) untersucht. Alle Studienteilnehmer wurden zwischen September 2020 und Dezember 2020 einmal pro Woche über 15 Wochen mit einem PCR-Test auf eine Infektion mit SARS-CoV-2 hin untersucht. Außerdem wurden per Fragebogen Art und Dauer der Symptome im Falle einer Infektion ermittelt. Ergebnis: Es gab keinen signifikanten Unterschied zwischen der Rate der SARS-CoV-2-positiv getesteten Kinder und der Rate der positiv getesteten Erwachsenen: 13 Kinder (20,6 Prozent) und 32 Erwachsene (27,1 Prozent). Betroffene Kinder waren jedoch deutlich häufiger asymptomatisch als Erwachsene (46 Prozent versus 13 Prozent). Außerdem ergab die Rekonstruktion des Ausbruchs, dass die meisten SARS-CoV-2-Übertragungen von der Schule aus erfolgt waren, also durch Schüler oder Lehrer. Die Ergebnisse legen nahe, dass Kinder eine größere Rolle bei der SARS-CoV-2-Übertragung spielen als bisher angenommen, resümieren die Studienautoren (JAMA Netw Open 2021; online 12. Oktober). (ikr)

Pandemie und Tabak: Der Pro-Kopf-Verkauf an Zigaretten war in den USA während der Pandemie wohl um gut 12 Prozent höher als der Verkauf, der aufgrund der Entwicklungen in den vorangegangenen Jahren ohne die Pandemie zu erwarten gewesen wäre. Das hat eine Modellrechnung von Forscherinnen und Forschern der American Cancer Society ergeben. Sie haben auf der Basis von Daten des Alcohol and Tobacco Tax and Trade Bureau im US-amerikanischen Finanzministerium aus den vergangenen Jahren den zu erwartenden Pro-Kopf-Verkauf von Zigaretten im Zeitraum während der Corona-Pandemie geschätzt. Dann haben sie den während der Pandemie zwischen März 2020 und Juni 2021 tatsächlich erfolgten Zigaretten-Verkauf beobachtet und mit den ohne Pandemie zu erwartenden Verkaufszahlen über denselben Zeitraum verglichen. Ergebnis: Der beobachtete Zigaretten-Verkauf übertraf nach dem Beginn der Pandemie zu allen Zeiten die zu erwartenden Verkaufszahlen. Der monatliche Anstieg des Pro-Kopf-Verkaufs betrug nach den Berechnungen der US-Forscher durchschnittlich 14,1 Prozent (0,34 Packungen pro Kopf) (Ann Intern Med; online 19. Oktober). (ikr)

Update vom 18. Oktober

Die in Europa zugelassenen COVID-Vakzinen schützen weiterhin sehr gut vor schweren Verläufen, auch bei einer Infektion mit der Delta-Variante. Das teilt das Robert Koch-Institut (RKI) mit. Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen des RKI haben 17 Studien ausgewertet, die sich mit der Delta-Variante von SARS-CoV-2 beschäftigt haben. Sie bewerten auf Basis der gegenwärtigen Evidenz die gepoolte Vakzin-Effektivität (VE), also die Schutzwirkung der Impfstoffe, wie folgt: 67 Prozent VE gegen eine Infektion mit der Deltavariante von SARS-CoV-2 über alle Altersgruppen hinweg, 63 Prozent VE gegen eine asymptomatische Infektion, 76 Prozent VE gegen eine symptomatische Infektion und 91 Prozent VE gegen schwere Erkrankung und Hospitalisierung. Den RKI-Wissenschaftlern zufolge bedeutet das einen moderaten bis hohen Schutz vor einer Infektion mit der Delta-Variante und einen weiterhin hohen Schutz vor einem schweren COVID-Verlauf (Euro Surveill 2021; online 14. Oktober).

Liebe Leser, wir fassen die Corona-Studienlage wöchentlich zusammen. Eine Übersicht mit allen bereits veröffentlichten COVID-19-Splittern der vergangenen Wochen und Monate finden Sie hier:

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Kommentare
Veröffentlichte Meinungsäußerungen entsprechen nicht zwangsläufig der Meinung und Haltung der Ärzte Zeitung.
Dr. Horst Grünwoldt

Zu Zitaten aus der FAZ (Wirtschaft) vom 20. Juli 2020 von Christian Geinitz, Berlin "Wappnen für die Zweite Welle"

Wie kann der gelernte Bankkaufmann Spahn, z.Z. Bundesgesundheitsminister, eine "Zweite Welle" von leblosen Nano-Zellpartikeln vom Typ SarsCoronaV2 ankündigen, und wie will er das -außer klimatologisch- epidemiologisch begründen? - - -Wie kann mein Kollege -der Leiter des RKI Wieler- öffentlich vom "wieder Fuß fassen" des Corona-RNS-Partikels reden, ohne eine neue Psychoseuche zu initiieren? Und dann auch noch - wider virologische Erkenntnisse- äußern, dass "es" ein (binärer) "Organismus " ist, der "nichts weiter möchte, als sich zu vermehren" ? - - -"Und wenn wir ihm (dem leblosen Zellpartikel!) die Chance bieten, dann tut "er" (der verbal personalisierte Nicht-Organismus) das! (?) - - - Da bleibt im Angesicht der vorhersehbaren (schon galoppierenden!) Corona-Weltwirtschaftskrise einem infektiologisch erfahrenen Hygieniker "die Spucke weg"!
Und die Schlußfolgerung: Nicht ein Virus namens Corona ist dafür die reale Gefahr, sondern die zügellosen Phantasmen der regierungsamtlich beauftragten "Experten" zur Begründung von gesundheitsschädlichen "Hygienemaßnahmen". (Die Herren Drosten, Kekule´und Wieler mögen nach dreistündigen Tragen des sog. Mund-Nasenschutzes mal jeder für sich damit einen bakteriologischen Abklatsch auf Blutagarplatten machen, um darauf ihre angereicherten Staphylokokken aus der Nase, und die Streptokokken aus dem Mund-Rachenraum anzuzüchten!)

Dr. med. vet. Horst Grünwoldt, Rostock

Facit des Lesers: Solche begriffliche, mystifizierende Wortwahl ist virologisch und wissenschaftlich ganz und gar unseriös, und nährt die pandemische Viruswolke des Phantoms "Corona", obwohl es sich nicht um einen resistenten Umweltkeim handelt!

Friedrich Bock antwortete

1. Ob ein Argument richtig oder falsch ist hängt davon ab ob es den Tatsachen entspricht und nicht wer vorbringt. Es ist einfach nur arrogant ein Argument gering zu schätzen weil es von einem Bankkaufmann vorgebracht wir
2. ich arbeite seit 30 Jahren in der operativen Medizin , ein Mundnasenschutz kann problemlos viele Stunden getragen werden , das sich danach darin Bakterien finden ist völlig unerheblich

Dr. Thomas Georg Schätzler

Was haben SARS-CoV-2-Virusmaterial, Visiere, MNS-MASKEN, RKI und Donald Trump miteinander zu tun?

Zu: Eine Maskenpflicht für Personal und Patienten hat in US-Kliniken die Rate der SARS-CoV-2-Positiven unter den Klinikmitarbeitern halbiert (JAMA 2020; online 14. Juli).

Visiere bieten im Gegensatz zum Mund-Nasen-Schutz (MNS-MASKEN) nur einen relativen Eigenschutz vor groben Partikeln und einen geringen Fremdschutz, der z.B. im Labor, bei Autopsien und gewerblicher Arbeit (z.B. Abbruch-, Stemm- und Schweißarbeiten) v o r CORONA-Zeiten auch gar nicht zwingend nötig war.

"Association Between Universal Masking in a Health Care System and SARS-CoV-2 Positivity Among Health Care Workers"
von Xiaowen Wang et al.
https://jamanetwork.com/journals/jama/fullarticle/2768533
belegt aktuell:

Der Schleuderkurs, den das RKI gefahren hatte, war diesbezüglich äußerst kontraproduktiv. Ebenso die ewig bekloppten, paralogischen Lügen-Ideen eines narzisstisch gestörten und gekränkten, orangefarbenen, mit Lichtschutz(!)-Brille aufgehellten Augenpartien aus dem Kopf eines angeblich bedeutendsten Staatsmannes der westlichen Welt.

Mf + kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund

Dr. Thomas Georg Schätzler

Niemand kann alle neuen CORONA-Studien lesen.
Aber eine hier in der ÄZ zitierte, unverblindete, randomisierten Studie zur Behandlung mit Colchicin [GRECCO-19] hat sofort mein Misstrauen geweckt: "Die Wahrscheinlichkeit, dass Patienten einen schweren COVID-19-Verlauf entwickeln, [sei angeblich] signifikant verringert [worden]. "
Die Autoren von "Effect of Colchicine vs Standard Care on Cardiac and Inflammatory Biomarkers and Clinical Outcomes in Patients Hospitalized With Coronavirus Disease 2019 - The GRECCO-19 Randomized Clinical Trial" (S. G. Deftereos et al.) https://jamanetwork.com/journals/jamanetworkopen/fullarticle/2767593
haben mangels anderer spezifischer, sensibler, signifikanter/insignifikanter Daten nur mit Surrogatparametern wie kardialen und inflammatorischen Biomarkern bzw. einem 7-gradigen klinischen Status-Scale gearbeitet. Ein "prospective, open-label, randomized clinical trial"] mit gerade mal 105 Patienten ["...were randomized in a 1:1 allocation from April 3 to April 27, 2020..."] ergab nur wenig dramatische und viele harmlos verlaufende Fälle. Die Todesfälle wurden gar nicht weiter analysiert: "Of the 7 patients who met the primary clinical end point in the control group, 1 (14.3%) needed noninvasive mechanical ventilation (bilevel positive airway pressure), 5 (71.4%) were intubated and ventilated mechanically (3 [42.9%] died shortly after intubation), and 1 (14.3%) died suddenly in the ward of cardiorespiratory arrest. The patient in the colchicine group who met the end point needed invasive mechanical ventilation and died subsequently in the intensive care unit." Therapeutisch wurde alles eingesetzt, was Rang und Namen hat: "Chloroquin, Hydroxychloroquin, Azithromycin, Lopinavir, Ritonavir, Tocilizumab und Antikoagulation."
M.E. ist die Publikation nur dem allgemeinen CORONA-Veröffentlichungswahn geschuldet.
Vgl. Mein Kommentar dazu:
https://www.doccheck.com/de/detail/articles/28123-covid-19-und-sars-cov-2-publikationswahn-publish-or-perish
Mf + kG Dr. Schätzler, FAfAM Dortmund

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