Jahrestagung der süddeutschen Kinderärzte

Pädiater suchen nach Konzepten gegen den Ärztemangel

Die ärztliche Aus- und Weiterbildung muss ambulanter werden. Gleichzeitig setzen Bayerns Pädiater auf mehr Vernetzung.

Von Sylvia Hubele Veröffentlicht:
Blick in die Kinderarztpraxis: Junge Medizinerinnen und Mediziner für den Weg in die eigene pädiatrische Praxis zu gewinnen, wird immer schwieriger.

Blick in die Kinderarztpraxis: Junge Medizinerinnen und Mediziner für den Weg in die eigene pädiatrische Praxis zu gewinnen, wird immer schwieriger.

© Tichon Kuprewitsch / stock.adobe.com

München. Strukturen gemeinsam neu denken und gestalten: Das versprach die Süddeutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (SGKJ) auf dem gesundheitspolitischen Forum am Samstag anlässlich ihrer Jahrestagung. Zentrale Punkte seien dabei die ärztliche Weiterbildung und die Vernetzung, zeigte sich in der Diskussion.

Bayern verfüge derzeit über genügend Kapazitäten in der akuten Versorgung der Kinder und Jugendlichen, konstatierte zwar Bayerns Gesundheitsminister Klaus Holetschek (CSU). Doch die Personalressourcen sind ähnlich knapp wie in der Pflege, vor allem ärztlicher Nachwuchs fehlt. Hier müsse dringend die Weiterbildungsordnung modernisiert werden, forderte Dr. Dominik Ewald, Landesverbandsvorsitzender des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) – es sind also die Landesärztekammern gefragt. Aber auch im Medizinstudium müsse umgedacht werden.

Mehr Lehrpraxen müssen her

„Wir müssen Strukturen neu denken und gestalten“, sagte Ewald. Das gelte für Lehrpraxen, an denen die pädiatrischen Blockpraktika im Studium absolviert werden können, aber ebenso für die allgemeine Stärkung der Primärmedizin: „Ambulante Pädiatrie ist hausärztliche Versorgung!“

Gutes Hilfsmittel für die Weiterbildung sei das bereits vorhandene Curriculum PaedCompenda, das, wie in der (Muster-)Weiterbildungsordnung beschrieben, auf das Erlernen von Kompetenzen setzt. Es gebe sowohl ausbildenden Ärzten, als auch Lernenden eine gute Orientierung an die Hand. Mehr gefördert werden müssen laut Ewald auch Weiterbildungsverbünde, sie müssten in der Gesundheitsministerkonferenz mehr Beachtung finden.

Wie wichtig Netzwerke für die Versorgung sind, zeigte Ann-Christin Hufen vom Kinder- und Gesundheitsnetzwerk Ostbayern (KiGO) auf. Schließlich müssten in Ostbayern die gleichen Herausforderungen gestemmt werden, wie überall. Dazu zählen neben dem Ärztemangel auch die gestiegenen Herausforderungen an die Jugendhilfe bis hin zu zunehmenden psychischen Erkrankungen, auch bei den Eltern. Die Pandemie hat die Situation hier eher verschärft. Im Netzwerk sind mit den Stadt- und Landkreisen auch Diözese, Kliniken und Kinder- und Jugendarztpraxen miteinander verknüpft.

Digitalisierung bitte nur mit echtem Benefit

Für junge Ärzte spielt zudem die Digitalisierung eine große Rolle. Hier brauche es aber echten Nutzen, forderte Ewald. Und es müsse dadurch tatsächlich die Bürokratie in den Praxen reduziert werden. Die Umsetzung der Digitalisierung bzw. Telematikinfrastruktur von politischer Seite aus bezeichnete er kurzerhand als Chaos, ein Beispiel seien die elektronischen Heilberufsausweise. Von den Praxen würden immer wieder Neuerungen verlangt, die von diesen mit finanziellem Aufwand gestemmt werden müssen und die gleichzeitig „ohne Benefit“ für die Praxen seien.

Nachwuchsförderung geht laut Dr. Michael Zeller, Oberarzt an der Kinderklinik Dritter Orden Passau aber noch viel weiter. Es müssten auch die passenden Arbeitsbedingungen geschaffen werden – Stichwort Teilzeit und zwar auch in der Weiterbildung.

Fachkräftemangel betrifft längst auch die MFA

Doch nicht nur die Pädiatrie selbst leidet unter einem Nachwuchsproblem. Ebenso Mangelware sind gute Medizinische Fachangestellte (MFA), berichtete Ewald. Das gilt nicht nur in den ländlichen, sondern genauso in den städtischen Praxen. Übertarifliche Bezahlung sei eine Möglichkeit, doch es gelte, den Beruf der MFA grundsätzlich wieder attraktiv zu gestalten.

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