Coronavirus-Ausbruch

Potsdamer Oberbürgermeister knöpft sich Klinikärzte vor

Nach dem Coronavirus-Ausbruch am Klinikum Ernst von Bergmann zieht Potsdam Ärzte und Klinikleitung zur Verantwortung.

Veröffentlicht: 09.04.2020, 11:48 Uhr

Potsdam. Der Potsdamer Oberbürgermeister Mike Schubert hat gegen drei Ärzte und die Geschäftsführung des von einem massiven Corona-Ausbruch betroffenen Klinikums Ernst von Bergmann Ordnungswidrigkeitsverfahren eingeleitet. Auch die Staatsanwaltschaft wurde zur Prüfung eines eventuell strafrechtlich relevanten Verhaltens eingeschaltet.

„Nach den uns vorliegenden Daten gab es eine Verletzung ärztlicher Meldepflichten seitens des Klinikums an das Gesundheitsamt“, sagte Schubert in Potsdam.

Unverzügliche Meldung ans Gesundheitsamt

Die Stadt habe zudem eine Anordnung erlassen, wonach das Klinikum die Empfehlungen des Robert Koch-Instituts umzusetzen habe. Experten des RKI hatten Ende vergangener Woche die Klinik, die seit letztem Mittwoch nur noch im Fall lebensbedrohlicher Erkrankungen Patienten aufnehmen darf, geprüft.

„Das Gesundheitsamt hat das Klinikum per Bescheid angewiesen, dass unverzügliche und vollständige Meldungen der Befunde an das Gesundheitsamt erfolgen müssen“, sagte die Potsdamer Beigeordnete für Gesundheit, Brigitte Meier.

Das Klinikum müsse die vollständige Testung aller Patienten und Mitarbeiter in allen Kliniken des EvB, also auch in den Außenstandorten in Bad Belzig und Forst durchführen. Zudem müssten alle früheren Patienten ermittelt werden, die zwischen dem 13. und 27. März in Alten- und Pflegeheime verlegt worden sind, um sie auf Sars-CoV-2 zu testen.

Die Verlegung von Patienten einer besonders betroffenen Geriatriestation sei nach Angaben von Amtsärztin Kristina Böhm bislang nicht nachvollziehbar.

Zu den weiteren Empfehlungen des RKI gehöre unter anderem, eine im Ausbruchsmanagement kompetente Person in den Krisenstab des Klinikums zu integrieren, rasch eigene Testkapazitäten im hauseigenen Labor zu schaffen sowie die strikte räumliche und personelle Trennung von Patienten-Bereichen mit Corona-Infektionen und infektionsfreien Bereichen.

Aktuell 88 Corona-Patienten zu versorgen

Im Klinikum Ernst von Bergmann sind aktuell 88 Menschen mit Coronavirus-Infektionen in stationärer Behandlung. Davon befinden sich 14 Patienten auf der COVID-19-Intensivstation, von denen elf beatmet werden. 21 Patienten des Hauses, die mit dem Coronavirus infiziert waren, sind in den vergangenen Tagen gestorben.

Von den rund 2400 Klinikmitarbeitern sind derzeit 103 mit dem Coronavirus infiziert. Insgesamt gab es in Potsdam bislang 27 Corona-Tote. Zum Vergleich: In der benachbarten, ungleich größeren Bundeshaupstadt Berlin waren es am Dienstag 32. (lass)

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