Nicht erkannte Herzschwäche

Projekt HerzCheck: Viele Patienten mit asymptomatischer Herzinsuffizienz entdeckt

Untersuchung mit mobilem MRT führt bei jedem vierten Teilnehmenden zu einem überraschenden Ergebnis.

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Potsdam/Berlin. Rund 2000 Patienten in Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern haben sich bereits mit einem mobilen MRT-Gerät auf eine noch nicht erkannte Herzschwäche untersuchen lassen. Dabei wurde bei jedem vierten Teilnehmenden eine asymptomatische Herzinisuffizienz festgestellt, die den Betroffenen bislang nicht bekannt war. Das gaben das Deutsche Herzzentrum Berlin (DHZB), die AOK Nordost, die medneo Deutschland GmbH und mehrere an dem Projekt beteiligte Unikliniken am Dienstag in Berlin bekannt.

„Unsere ersten Ergebnisse zeigen, dass das Projekt einen echten Mehrwert bietet“, fasst Professor Sebastian Kelle vom DHZB zusammen. „Mit den Mitteln modernster Diagnostik und der Telemedizin konnten wir die Krankheit bei vielen Patienten bereits eindeutig feststellen.“ Damit habe man eine frühzeitige Behandlung ermöglichen und die Ärzte vor Ort bei der Festlegung einer passenden Therapie unterstützen können.

Unterstützung durch den Innovationsfonds

Das Projekt unter medizinischer Leitung des Deutschen Herzzentrums Berlin wird vom Innovationsfonds des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) mit über sieben Millionen Euro gefördert. Im Juli 2021 war der erste Standort im brandenburgischen Templin eröffnet worden. Heute halten die LKWs mit den mobilen MRT-Geräten regelmäßig an zwölf Standorten in Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern. Ziel von „HerzCheck“ ist es, eine Herzinsuffizienz bei Risikopatientinnen und -patienten frühzeitig zu erkennen und so deren Prognose und Lebensqualität zu verbessern. Zudem können hohe Folgekosten einer erst spät diagnostizierten Herzinsuffizienz deutlich gesenkt oder sogar vermieden werden. Den Betroffenen bleiben belastende Krankenhausaufenthalte erspart.

„Rund 100.000 Versicherte der AOK Nordost leiden an Herzinsuffizienz – offiziell. Die Dunkelziffer dürfte um einiges höher liegen“, sagte Daniela Teichert, Vorstandsvorsitzende der AOK Nordost. „Die Zwischenergebnisse von HerzCheck zeigen: Wir sind auf dem richtigen Weg.“ Mit „HerzCheck“ bringe man eine wichtige Versorgung zu den Menschen. „Die Evaluation wird nun hoffentlich zeigen, dass die frühzeitige Entdeckung der Herzinsuffizienz die prognostizierten Effekte – insbesondere den Rückgang von vermeidbaren Krankenhausaufenthalten – erzielt“, sagte Teichert. „Dann stehen die Chancen gut, dass der Gemeinsame Bundesausschuss mit HerzCheck ein weiteres Innovationsfondsprojekt mit AOK-Nordost-Beteiligung für die Regelversorgung empfiehlt.“ (lass)

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