Direkt zum Inhaltsbereich

AOK Rheinland/Hamburg

Psychische Erkrankungen: Klinik-Beschäftigte mit Fehltagen-Rekord

Eine Auswertung der AOK Rheinland/Hamburg zeigt eine deutliche Zunahme der AU-Tage und -Fälle in den Krankenhäusern. Ursachen: Zu hohe Belastung, Zeit- und Personalmangel und fehlende Unterstützung.

Veröffentlicht:

Hamburg/Düsseldorf. Die starke Arbeitsbelastung in den Krankenhäusern fordert ihren Tribut: Das Personal in den Kliniken ist immer häufiger wegen psychischer Erkrankungen arbeitsunfähig. Nach Auswertungen der AOK Rheinland/Hamburg haben die Fehltage einen Rekordwert erreicht.

6,7 Tage war jeder Klinikbeschäftigte im Jahr 2022 allein wegen zu starker psychischer Belastung im Durchschnitt krankgeschrieben. Innerhalb von 20 Jahren registrierte die Krankenkasse bei den Ausfalltagen wegen entsprechender Diagnosen eine Steigerung um 150 Prozent. Besonders steil fiel der Anstieg von 2021 auf 2022 aus, und zwar um rund neun Prozent.

„Die besonderen Belastungen durch Corona haben die Entwicklung noch einmal verschärft", sagte Andreas Schmidt. Er ist Geschäftsführer des Instituts für Betriebliche Gesundheitsförderung (BGF-Institut) der AOK Rheinland/Hamburg, das die Versichertendaten von mehreren zehntausend Klinikbeschäftigten in Hamburg und Nordrhein-Westfalen ausgewertet hat.

Als Ursachen für die vielen Fehlzeiten nennt Schmidt eine Kombination mehrerer Faktoren: belastende Themen im Arbeitsalltag, zu wenig Personal und Zeit und fehlende Unterstützung bei der Bewältigung der Ereignisse.

Besonders betroffen: Branchen mit viele zwischenmenschlichen Kontakten

Ein ebenfalls vorgenommener Branchenvergleich zeigt, dass in der Pflegebranche noch mehr Beschäftigte wegen psychischer Belastung arbeitsunfähig geschrieben werden - 22,2 Fälle je 100 Versicherte. In den Krankenhäusern liegt die Quote bei 19 je 100 Versicherte, nur knapp vor der öffentlichen Verwaltung (18,6 Fälle) und Erziehung und Unterricht (16,4 Fälle).

Der Bericht führt die hohen Fallzahlen in diesen Branchen auf die intensive Beziehungsarbeit, viele zwischenmenschliche Kontakte und Konflikte sowie auf besonders herausfordernde Situationen zurück.

Weitere Aussagen aus dem Diagnosebericht:

  • Frauen sind branchenübergreifend deutlich häufiger betroffen als Männer. Im Zehn-Jahresvergleich wurden bei Frauen 54 Prozent mehr Fälle registriert.
  • Mit zunehmendem Alter erhöht sich das Risiko einer AU aufgrund psychischer Belastung. Über 60-jährige Menschen werden deshalb häufiger und länger krankgeschrieben.
  • Von den unterschiedlichen psychischen Störungen werden am häufigsten „Reaktion auf schwere Belastungen / Anpassungsstörungen" attestiert, gefolgt von „depressiven Episoden" und „andere neurotische Störungen". (di)
Mehr zum Thema
Das könnte Sie auch interessieren
Update Multiple Sklerose: Aktuelle Erkenntnisse und Entwicklungen

© libre de droit | iStock

Update MS

Update Multiple Sklerose: Aktuelle Erkenntnisse und Entwicklungen

Anzeige | Merck Healthcare Germany GmbH
Einfluss der MS-Therapie auf Immunzellen im Liquor

© Yozayo | iStock

Intrathekale Entzündung

Einfluss der MS-Therapie auf Immunzellen im Liquor

Anzeige | Merck Healthcare Germany GmbH
Ein erreichbares Ziel bei MS?

© Merck KGaA

Therapiefreie Remission

Ein erreichbares Ziel bei MS?

Anzeige | Merck Healthcare Germany GmbH
Kommentare
Sonderberichte zum Thema

Opioid-induzierte Obstipation

Paradigmenwechsel in der Behandlung: Vom Stuhl zum Nervensystem

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Grünenthal GmbH, Aachen
Abb. 1: Verlauf des Rett-Syndroms

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [2]

Rett-Syndrom

Diagnose und Verlauf einer herausfordernden Erkrankung

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Acadia Pharmaceuticals (Germany) GmbH, München
Abb. 1: Folgen einer Fehldiagnose bei Menschen mit einer Seltenen Erkrankung (SE), die angaben, dass ihre SE oder die SE einer von ihnen betreuten Person mindestens einmal falsch diagnostiziert wurde (n=4.756)

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [2]

Neuromyelitis-Optica-Spektrum-Erkrankungen

Weshalb das rechtzeitige Erkennen und Behandeln wichtig ist

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Alexion Pharma Germany GmbH, München
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Kasuistik

Plötzliche Niesanfälle bringen Mann in Lebensgefahr

Herzbericht 2026

Das sind die aktuellen Trends in der Herzmedizin

Lesetipps
Illustration eines molekularen Modells von Messenger RNA.

© Dr_Microbe / Getty Images / iStock

Personalisierte mRNA-Therapien

Verheißungsvolle RNA-Krebsimpfstoffe: Wo steht die Forschung gerade?

Eine Ärztin tropft Allergielösung auf den präparierten Unterarm einer Patientin für den Pricktest.

© Alexander Raths / stock.adobe.com

Steigende Prävalenz

Allergiediagnostik: Dos und Don’ts für die Hausarztpraxis

Eine Thrombose in einem Gefäß

© freshidea / stock.adobe.com

ASS und P2Y12-Inhibitoren

So geht die Plättchenhemmer-Therapie in der Praxis!