Ja zur Delegation, Nein zur Substitution

Rheinland-Pfalz: Physician Assistants zur Entlastung für Hausärzte?

Viele Praxen sind am Limit, Besserung ist nicht in Sicht. Zur Entlastung der Hausärzte schlägt der Hausärzteverband Rheinland-Pfalz den Einsatz von Physician Assistants vor. Und will damit auch der Politik zuvorkommen. Die Idee ist ähnlich dem Verah-Modell, nur noch etwas höherwertiger.

Von Anke ThomasAnke Thomas Veröffentlicht:
Wie kann die hausärztliche Versorgung in Zukunft sichergestellt werden? Darüber diskutierten beim 11. Hausärztetag RLP: (von links) Professor Nicola Buhlinger-Göpfarth, Elisabeth Schnellbächer, Dr. Rita Bangert-Semb, Dr. Alexandra Lehnen, Clemens Hoch

Wie kann die hausärztliche Versorgung in Zukunft sichergestellt werden? Darüber diskutierten beim 11. Hausärztetag RLP: (von links) Professor Nicola Buhlinger-Göpfarth, Elisabeth Schnellbächer, Dr. Rita Bangert-Semb, Dr. Alexandra Lehnen, Clemens Hoch

© Anke Thomas

Mainz. Die demografische Entwicklung wird Hausärzten in Zukunft immer mehr Arbeit bescheren. Gleichzeitig stehen viele Hausärzte kurz vor dem Ruhestand, genügend Nachwuchs ist nicht in Sicht. Von der Politik, so die Furcht der Hausärzte, drohen zunehmend Eingriffe, die die Substitution ärztlicher Leistungen vorsehen. Beispiele sind Apotheker, die gegen Grippe impfen oder Pflegekräfte, die in Modellprojekten ärztliche Tätigkeiten übernehmen. Letzteres ist zwar schon seit 2008 im Paragrafen 63 Abs. 3c SGB V vorgesehen, bisher scherte sich aber niemand darum. Mit dem Gesetz zur Weiterentwicklung der Gesundheitsversorgung (GVWG) hat der Gesetzgeber aber im Juli 2021 mit dem Paragrafen 64d SGB V Krankenkassen dazu verpflichtet, Modellvorhaben zur Übertragung ärztlicher Tätigkeiten auf Pflegekräfte umzusetzen.

Um dem etwas entgegenzuhalten und Praxen zu entlasten, könnten Physician Assistants (PA) zum Einsatz kommen, erklärt Dr. Barbara Römer, Chefin des Hausärzteverbandes Rheinland-Pfalz beim 11. rheinland-pfälzischen Hausärztetag am Freitag in Mainz. Ja zur Delegation, Nein zur Substitution lautet die Devise der Hausärzte.

Delegation verhindert Substitution

In Deutschland gibt es bereits Studiengänge zum PA, diese sind aber eher für den Einsatz in Kliniken ausgerichtet, so Professor Nicola Buhlinger-Göpfarth. Die in Pforzheim niedergelassene Hausärztin hat vor kurzem die Professur für PA an der Europäischen Fachhochschule Rhein/Erft angetreten. In ihrem Vortrag „ Substitution verhindern: Hausärztliche PA als Gegenentwurf“ warb sie für das Konzept. Dabei sei bereits ein Curriculum erarbeitet worden, in dem PA Kenntnisse erwerben sollen, die in der Hausarztpraxis hilfreich sind.

Die Idee, die dahinter steckt: Eine Verah oder NäPa kann den Studiengang nebenberuflich absolvieren und sich damit akademisch weiter qualifizieren. Das würde den Beruf der MFA auch attraktiver machen. Die Akademisierungsmöglichkeit könne zudem junge Menschen motivieren, in einer Arztpraxis zu arbeiten, so Buhlinger-Göpfarth. Ähnlich dem Konzept der Verah bleibe beim Einsatz der PA das Heft des Handelns in der Hand der Ärzte, die aber höherwertige Aufgaben delegieren könnten. Delegation, so die Überzeugung Buhlinger-Göpfarths, verhindere Substitution. Und wenn die Hausärzte der Politik nichts anzubieten hätten, werden ihnen Modelle übergestülpt werden.

Wer soll das bezahlen?

Der Grundgedanke beim PA-Einsatz: Die Versorgung werde sich dazu hinentwickeln, dass Patienten von einem Team versorgt würden. Die Ärztin oder der Arzt könne sich mehr und mehr um die Patienten kümmern, die die ärztliche Betreuung wirklich benötigen würden.

Aber wer soll das bezahlen? Das Studium zur PA an einer privaten Hochschule kostet um die 9000 Euro, erklärt Buhlinger-Göpfarth auf Anfrage der „Ärzte Zeitung“. Einstiegsgehalt eines PA betrage etwa 3300 Euro brutto, etwas mehr als das Gehalt einer Verah.

Die Ampelkoalition plane, innovative Versorgungsmodelle zu fördern, meint Buhlinger-Göpfarth. Und auch Römer plädiert dafür, PA für die Praxen auszubilden und einzusetzen. Mehr Geld wird es erst dann geben können, wenn die Hausärzte zeigen, dass die Versorgung mit PA funktioniert, ist Römer überzeugt. Die Hausärzte müssten in Vorleistung gehen. Das Konzept der Verah sei in der Versorgung angekommen. Auch wenn es nicht direkt mehr Geld für die Verah gab, sondern im Endeffekt als Blaupause für die NäPa diente. Für die NäPa wurden später dann ja Leistungen in den EBM eingeführt, so Elisabeth Schnellbächer, Verah und NäPa-Referentin. In der HzV gibt es ebenfalls Zuschläge für den Einsatz von Verah.

Videosprechstunden mit PA

Die PA könnten zum Beispiel auch Videosprechstunden übernehmen, fügte Hausärztin und Digitalisierungsexpertin Dr. Rita Bangert-Semb an. Dabei könnte ein PA zum Beispiel das ärztliche Gespräch vorbereiten und schon mal nach dem Grund des Arztbesuchs und weiteren Daten fragen.

Ob sich das PA-Konzept durchsetzt oder nicht: Einig sind sich die Hausärzte, dass ein Umdenken erforderlich ist. Mit einem einfachen „weiter so“ wird es nicht gehen.

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Kommentare
Veröffentlichte Meinungsäußerungen entsprechen nicht zwangsläufig der Meinung und Haltung der Ärzte Zeitung.
Lilia Renner

Wir brauchen erst mal fähige MFAs, viele Hausärzte erledigen Arbeit der Arzthelferin -es ist Ressourcen-Verschwendung!
Dann kann das gut mit NÄPA ergänzen, wo nimmt man nur diese?


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