Kommentar zum Saarland

Saar-Politik wagt sich aus der Corona-Deckung

Die Regierung im Saarland geht bei den Lockerungen voran, doch einer Debatte über eine Impfpflicht oder 2G geht sie aus dem Weg.

Von Dr. Michael KudernaDr. Michael Kuderna Veröffentlicht:

Die „neue Freiheit“ bei den Corona-Vorschriften im Saarland zeigt das doppelte Dilemma, in dem alle Beteiligten stecken: Auch wenn die Politik die Impfpflicht ausschließt, muss sie dennoch den Anreiz für Impfmuffel mittels andauernder Beschränkungen hoch halten – doch die Umsetzung (sprich: Kontrollen) bleiben allein schon wegen der Datenschutzbestimmungen bei den Unternehmern hängen. Und dazu gehören auch Kleinunternehmen wie Bäckereien, Eckkneipen oder eben auch Arztpraxen. Das zweite Dilemma: Wie findet man beim Spagat zwischen der Rückkehr zur „weitestgehenden Normalität“ und gebotener Vorsicht die richtige Balance?

Klar, man kann die übergroße Mehrheit von geimpften, genesenen und aus medizinischen Gründen von einer Impfung ausgenommenen Menschen nicht auf Dauer für verquere Denker in Geiselhaft nehmen. Und auch für diejenigen, denen man die Spritze bis zum Einkaufszentrum oder am besten noch bis zur Haustür bringen muss, ist mein Mitleidspotenzial längst aufgebraucht.

Aber die Ratio stellt mich doch vor die Frage: Was passiert, wenn die Warner recht haben und doch noch eine größere Erkrankungswelle auf das Gesundheitswesen zukommt? Hat die Politik dann tatsächlich die Kraft, noch einmal ein Stück zurückzurudern, falls beispielsweise die Gesundheitsämter mit der Nachverfolgung nicht mehr nachkämen?

Conclusio: Die Saar-Regierung geht mutig einen Schritt in die richtige Richtung, wenn auch vielleicht ein paar Wochen zu früh – selbst KV-Bundeschef Gassen forderte den „Freedom Day“ ja erst für Ende Oktober. Noch mutiger und bei Gelingen viel einfacher wäre es allerdings, beherzt eine gesellschaftliche Debatte über mögliche Impfpflichten und 2G zu führen. Das wäre wirklich „German Mut“ statt „German Angst“.

Schreiben Sie dem Autor: gp@springer.com

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