Nordrhein-Westfalen

Schwangere: Vier Anrufe für eine Hebamme

Studie zeigt Engpässe vor allem im Krankenhaus: Hebammen schreiben oft Gefahrenanzeigen.

Veröffentlicht: 29.11.2019, 11:55 Uhr

Köln. Schwangere in Nordrhein-Westfalen mussten im Durchschnitt vier Hebammen anrufen, bevor sie eine für die Betreuung im Wochenbett finden. Bei rund acht Prozent der Frauen waren sogar mehr als zehn Anrufe nötig. Das zeigen die ersten Ergebnisse des Forschungsprojekts „HebAB.NRW – Geburtshilfliche Versorgung durch Hebammen in NRW“ der Hochschule für Gesundheit in Bochum (hsg).

Nach der Studie, an der 1783 Frauen und 1924 Hebammen teilgenommen haben, erreichen die Schwangeren im Schnitt in 23,8 Minuten den Kreißsaal. Bei 78,3 Prozent hatte die Hebamme im Kreißsaal genügend Zeit für die Betreuung. Die Untersuchung zeigt auch Lücken in der Versorgung. 1,1 Prozent der Frauen wurden trotz Wehen im Kreißsaal wegen Überfüllung abgewiesen. 6,8 Prozent fanden nach Angaben der hsg keine Hebamme für die Betreuung während der Schwangerschaft, 3,2 Prozent keine für die Betreuung im Wochenbett.

Auch im stationären Bereich gibt es Kapazitätsengpässe. 43,1 Prozent der befragten Hebammen hatten im zurückliegenden Monat wegen Arbeitsüberlastung oder Ressourcendefiziten im Kreißsaal eine Gefahrenanzeige geschrieben. 25,6 Prozent berichteten über eine vorübergehende Schließung des Kreißsaals.

Der nordrhein-westfälische Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) sieht Handlungsbedarf. Offenbar müsse die Vermittlung zwischen Schwangeren und Hebammen verbessert werden. „Daher werde ich die Einrichtung einer digitalen Plattform zur passgenauen und wohnortnahen Vermittlung unterstützen.“

Zudem müssten die Hebammen in den Kliniken entlastet werden. Für nötig hält Laumann genügend Studienkapazitäten für die Akademisierung der Hebammenausbildung und mehr qualifizierten Nachwuchs. „Eine Möglichkeit zur Verbesserung der Arbeitszufriedenheit der Hebammen ist auch der hebammengeleitete Kreißsaal“, sagte er. Zu diesem Thema laufe zurzeit eine Studie, die Anfang 2020 vorliegen soll. „Bei positiven Ergebnissen werde ich die Verbreitung dieses Modells für Nordrhein-Westfalen in geeigneter Weise unterstützen.“ (iss)

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