Ausstellung

Auf der Suche nach neuem und altem Hirn

Frankfurter Hirnforscher untersuchte die evolutionäre Entwicklungsgeschichte des Gehirns.

Veröffentlicht: 10.06.2019, 05:15 Uhr
Auf der Suche nach neuem und altem Hirn

Exponate aus Ludwig Edingers konservierten Tiergehirnen sind in Frankfurter zu sehen.

© Pete Smith

FRANKFURT/MAIN. Schon seit jeher haben sich Gelehrte mit der Frage befasst, was eigentlich das Bewusstsein ist, wo sich das Gedächtnis befindet und auf welche Weise Sinnesempfindungen mit bestimmten Hirnstrukturen verknüpft sind.

Der Frankfurter Hirnforscher Ludwig Edinger (1855-1918) erlangte Ruhm dadurch, dass er lange vor anderen Wissenschaftlern die Entwicklungsgeschichte des Gehirns in den Mittelpunkt seiner Forschung stellte.

Aufgrund vergleichender anatomischer Studien, die er zunächst an den Gehirnen totgeborener menschlicher Föten anstellte, konnte er schon früh „alte“ und „neu erworbene“ Hirnareale voneinander unterscheiden. Später dehnte er seine Forschung aus und gewann Erkenntnisse über die evolutionäre Entwicklungsgeschichte des Gehirns.

Die Sonderausstellung „Vergessen“ im Historischen Museum Frankfurt zeigt eine Auswahl von Edingers konservierten Tiergehirnen, beispielsweise Präparate eines Dickschnabelsittichs, Schwarzleguans, Dornhais, Reihers, Karpfens, Löwen sowie einer Seekuh und einer Giraffe.

Der Frankfurter Arzt wurde als erster Forscher in Deutschland zum Professor für Neurologie ernannt. Von Edinger stammten die ersten Farbtafeln mit Querschnitten durch die Gehirne unterschiedlicher Tierstämme. Bedeutende Erkenntnisse erlangte er über den Nucleus accessorius nervi oculomotorii.

Der später nach ihm und Carl Friedrich Otto Westphal benannte Edinger-Westphal-Kern steuert den Pupillenreflex und damit die Adaption des Auges.

Später wies Edinger nach, dass viele Tiere auf gewisse Reize nicht reagieren können, weil ihr Gehirn nicht über die für die Reizverarbeitung geeigneten Strukturen verfügt.

Tatsächlich revolutionierte Edinger die menschliche Sicht auf die Tierwelt – indem er zum Beispiel nachwies, dass Fische und Amphibien nicht wie lange vermutet „taub“ sind, nur weil sie auf einen Glockenklang anders reagieren als der Mensch. (smi)

Lesen Sie dazu auch: Ausstellung: Vergessen bedeutet Fluch und Segen zugleich

Mehr zum Thema

Patientenleitlinie

Leitplanken für Diabetiker im Straßenverkehr

Außerirdische Herkunft

Zucker aus dem Weltall

Kommentare

Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar verfassen zu können.
Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Newsletter bestellen »

Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte, Medizinstudenten, MFA und weitere Personengruppen viele Vorteile.

Die Anmeldung ist mit wenigen Klicks erledigt.

Jetzt anmelden / registrieren »

Top-Meldungen
COPD ist nicht nur eine Raucherkrankheit

Viele Risikofaktoren

COPD ist nicht nur eine Raucherkrankheit

Arzt Fritz von Weizsäcker erstochen
Update

Messerattacke in Klinik

Arzt Fritz von Weizsäcker erstochen

Arznei-Roulette in Altenheimen?

Polypharmazie

Arznei-Roulette in Altenheimen?

Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen