Lebensmittelkennzeichnung

Der Nutri-Score soll‘s sein

Das Ampelmodell soll den Weg zu einer gesünderen Ernährung ebnen: Die Bundesbürger sprechen sich klar für den Nutri-Score als Lebensmittelkennzeichnung aus. Bundesernährungsministerin Klöckner will bald liefern, Fachgesellschaften begrüßen die Entscheidung.

Von Margarethe UrbanekMargarethe Urbanek Veröffentlicht:
Ministerin mit Ampel: Die Bundesbürger präferieren den Nutri-Score.

Ministerin mit Ampel: Die Bundesbürger präferieren den Nutri-Score.

© Janine Schmitz / photothek.net

BERLIN. Fachgesellschaften und ärztliche Berufsverbände begrüßen die Entscheidung von Bundesernährungsministerin Julia Klöckner (CDU), zeitnah den Nutri-Score in Deutschland als Kennzeichnung von Zucker-, Fett- und Salzgehalten in vielen Lebensmitteln einzuführen.

Klöckner hatte am Montag in Berlin die Ergebnisse einer Bevölkerungsbefragung vorgestellt. Danach sprechen sich 57 Prozent der Deutschen für die Einführung des farbigen Nutri-Score-Logos aus. Bei Personen mit Adipositas ist der Wunsch nach diesem Ampelmodell mit am stärksten (67 Prozent). Klöckner plant die Einführung als freiwillige Maßnahme für die Industrie.

Gesunde Ernährung fördern

„Wir unterstützen ausdrücklich die Nährwertkennzeichnung in Form des Nutri-Scores“, erklärt Professor Berthold Koletzko von der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ). Die Pädiater hatten sich wiederholt für die Einführung des Nutri-Scores ausgesprochen.

Die DGKJ fordert seit geraumer Zeit „effiziente politische Maßnahmen“ zur Prävention von Übergewicht. Ein Viertel der Erwachsenen hierzulande ist adipös.

Auch die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) zeigt sich zufrieden mit den Ergebnissen der Umfrage: „Sie bestätigt eindrücklich die zahlreichen wissenschaftlichen Nachweise zur Wirksamkeit des Labels. Mit der Entscheidung für den Nutri-Score leistet Frau Klöckner direkt einen Beitrag, eine gesunde Ernährung zu fördern“, erklärte Barbara Bitzer, Geschäftsführerin der DDG am Montag.

Klöckner selbst sprach am Montag von einem „Meilenstein in der Ernährungspolitik“. Damit will sie auch eine „Wegmarke“ hin zu einer gesünderen Ernährung der Bevölkerung setzen. Seit Jahren schwelt die Debatte um eine transparentere Kennzeichnung von Lebensmitteln. Klöckner wurde in der Vergangenheit häufig kritisiert, die erweiterte Nährwertkennzeichnung nicht entschieden genug voranzutreiben.

Zeitnah ins Bundeskabinett

„Die Ergebnisse der von uns beauftragten wissenschaftlich fundierten Verbraucherbefragung sind europarechtlich zwingend vorgeschrieben, um ein Modell einzuführen“, verteidigte sich Klöckner am Montag.

Sie kündigte an, noch „sehr zeitnah die rechtliche Grundlage für die Verwendung von Nutri-Score“ zu schaffen und diese dem Bundeskabinett zur Abstimmung vorzulegen. Schon im kommenden Jahr könnte die Industrie den Score – freiwillige – auf Verpackungsvorderseiten einsetzen.

Die europaweit verpflichtende Kennzeichnung auf der Rückseite bleibt erhalten. Der Nutri-Score biete nur eine Orientierung, so Klöckner. Er ließe keine Rückschlüsse auf die Zusammensetzung der Lebensmittel zu, sondern nur die erste Bewertung eines Nahrungsmittels.

Der Nutri-Score bezieht neben dem Gehalt an Zucker, Fett und Salz empfehlenswerte Bestandteile wie Proteine in eine Bewertung ein und gibt dann einen einzigen Wert an – in einer fünfstufigen Skala von „A“ auf dunkelgrünem Feld für die günstigste Bilanz über ein gelbes „C“ bis zu einem roten „E“ für die ungünstigste. Ein zunehmend hoher Anteil Übergewichtiger sei auch eine volkswirtschaftliche Belastung, so die Ernährungsministerin.

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