Rechtsmedizin

Forscher wollen Haaren mehr Informationen entlocken

Derzeit ist die DNA-Analyse der Goldstandard in der Rechtsmedizin. Doch auch Haar-Proteine verraten eine Menge über einen Menschen. Genug, um es vor Gericht zu verwenden?

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Mit einer Haarprobe Aussagen zum Lebensstil des Besitzers treffen? Noch sind Experten skeptisch.

Mit einer Haarprobe Aussagen zum Lebensstil des Besitzers treffen? Noch sind Experten skeptisch.

© Wtonhom1009 / fotolia.com

SAN FRANCISCO. Alter und Geschlecht, Ernährung und Lebensstil präzise aus einer Haarprobe ablesen? Bis dahin ist es noch ein Stück des Wegs, doch US-Forscher gehen die ersten Schritte. Mit Isotopenanalysen wollen sie diese Informationen in Zukunft Haaren entlocken und so auch die Rechtsmedizin vorantreiben.

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Veröffentlicht: 05.04.2017

In einem Video zeigen die Wissenschaftler, wie ihre Analysetechnik funktioniert.

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Das Verfahren habe durchaus Vorteile gegenüber DNA-Analysen, weil es mehr über den Lebensstil der Person aussage, berichtete das Team um Glen Jackson auf einem Treffen der Amerikanischen Chemischen Gesellschaft in San Francisco. "Man könnte genetisch identische Zwillinge haben, und wenn einer übergewichtig und der andere schlank ist, könnte unsere Methode diesen Unterschied möglicherweise an den Haaren ablesen." Allerdings, so betonen neben Jackson auch deutsche Experten, sind noch viele Fragen offen.

Den Chemikern um Jackson von der West Virginia University gelang es ihren Angaben nach, aus Haarproben von 20 Frauen mit 80-prozentiger Wahrscheinlichkeit den Body-Mass-Index der Haarbesitzerin richtig zu bestimmen. Die Trefferquote bei einem weiteren Versuch, unter 20 Haarproben von Männern und Frauen das richtige Geschlecht zu bestimmen, lag laut Forschern bei 90 Prozent.

Doch wie funktioniert diese Analysetechnik? Der Fokus liegt auf Elementen, die im Haarbestandteil Keratin vorkommen, beispielsweise Kohlenstoff und Stickstoff. Sie liegen in unterschiedlichen Varianten vor - Fachleute sprechen von Isotopen. Je nach Ernährung und Lebensstil stehen die Isotope eines Elements in einem bestimmten Verhältnis zueinander. Aus mehreren solchen Isotopen-Verhältnissen kann man eine Art Fingerabdruck generieren, der sich von Mensch zu Mensch unterscheidet.

Forensik-Experten der Universität Heidelberg sagen, der Ansatz der US-Chemiker habe "durchaus Charme", bleiben angesichts geringer Fallzahlen, wenig Details und fehlender Vergleichsgrößen zu aussagekräftigen Biomarkern aber skeptisch. "Bisherige Erfahrungen mit Isotopenanalysen in der Rechtsmedizin sowie auch mit toxikologischen Haaranalysen lassen gewisse Zweifel aufkommen, dass es in absehbarer Zeit gelingen wird, aus Haaranalysen Aussagen mit einer solchen Genauigkeit treffen zu können, wie sie im Strafrecht erforderlich wäre", ist Kathrin Yen vom Institut für Rechtsmedizin und Verkehrsmedizin überzeugt.

Welche weiteren Ansätze gibt es bislang? Weil die DNA in Haaren fragil ist und je nach Witterung schnell brüchig wird, versuchen Forscher, Haare auf Basis markanter Proteinstellen zuzuordnen. Denn Proteine sind wesentlich robuster als DNA.

Eine weitere Idee kommt aus der Molekularbiologie. Dort werde versucht, aus spezifischen Veränderungen des DNA-Strangs (DNA-Methylierung) Hinweise auf die Lebensgewohnheiten zu erhalten, berichtet Marc Bartel (Uni Heidelberg). Rechtsmediziner der LMU München forschen seit längerem daran, mittels Isotopenuntersuchungen von Haaren die geografische Herkunft Verstorbener zu ermitteln.

In Deutschland werden Haaranalysen in der forensischen Toxikologie derzeit zum Nachweis von Alkohol, Drogen oder Medikamenten durchgeführt. Auch Monate zurückliegender Konsum kann so nachgewiesen werden. (dpa)

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