Rauchprävention

Hausarzt stellt Automaten für Zigaretten kalt

Ein Hausarzt setzt in Köln ein deutliches Zeichen gegen das Rauchen. Seine Geduld sei am Ende, sagt er – und macht weiter mobil.

Veröffentlicht: 17.07.2017, 05:16 Uhr

KÖLN. Ein deutliches Zeichen gegen die Gesundheitsgefährdung durch das Rauchen hat Dr. Joachim Kamp in Emsdetten gesetzt. Mit Folie hat er Zigarettenautomaten umhüllt und damit außer Betrieb gesetzt. Außerdem brachte er markante Aussagen wie "wegen 140.000 Toten geschlossen" oder "Tabakindustrie ködert Kinder" an. Wie zu erwarten war, ist die Folie schnell wieder entfernt worden.

"Meine Geduld ist am Ende, ich habe zuvor alles andere versucht", sagt der Hausarzt und Palliativmediziner. Kamp engagiert sich seit langem für ein Tabakwerbeverbot und hat oft gegen die internationale Tabakmesse in Dortmund mobil gemacht. Der 51-Jährige ist Sprecher von "Rauchfrei NRW" und sitzt im Vorstand des Ärzteverbands Tabakprävention.

Das Echo auf die Aktion mit den Zigarettenautomaten sei grandios gewesen, berichtet Kamp. "Ich habe auch sehr viele positive Rückmeldungen von Ärzten erhalten." Der Politik wirft der Hausarzt Versagen vor. So habe der Vorsitzende der Unionsfraktion Volker Kauder (CDU) das Tabakwerbeverbot verhindert. "Die neue NRW-Landesregierung will jetzt sogar wieder Raucherclubs zulassen", empört er sich.

Dabei seien die verheerenden gesundheitlichen Konsequenzen des Rauchens bekannt. Der Vater von vier Kindern kritisiert, dass die Tabakwerbung häufig gezielt auf Jugendliche ausgerichtet sei und viele Fernseh- und Kinofilme ein positives Bild von Rauchern vermittelten. Der Arzt klärt in Berufsschulen über die Folgen des Tabakkonsums auf und wird dabei von einem Patienten unterstützt, der eine Kehlkopfoperation hinter sich hat. Zwar seien die Berufsschüler von dem Gehörten beeindruckt. "In dem Alter ist es aber oft schon zu spät." Zwar sollten Erwachsene rauchen dürfen, wenn sie wollen. "Vor jedem Zigarettenverkauf müsste es aber ein Aufklärungsgespräch über die Folgen des Rauchens geben, so wie es auch vor einer Operation üblichist."

Kamp will die Automaten-Aktion an anderen Orten wiederholen – nicht zuletzt bei der nächsten Tabakmesse in Dortmund. (iss)

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