Kuriose Forschungspreise

Ig-Nobelpreis: Von Liebe, Eis und Darmspülungen

Forschung, die zuerst zum Schmunzeln anregt und dann zum Nachdenken: Diese prämiert der Ig-Nobelpreis. Dieses Jahr ging es um Eiscreme als ergänzende Krebstherapie, der Kunstdarstellung von Einläufen – und wie sich die Haut bei einem Date verändert.

Alexander JoppichVon Alexander Joppich Veröffentlicht:
Moderator Marc Abrahams mit dem Preisgeld: einem echten Trillionen-Dollar-Geldschein – aus Zimbabwe. Daneben der Ig-Nobelpreis, den die Gewinner zugeschickt bekommen und selbst zusammenbauen müssen.

Moderator Marc Abrahams mit dem Preisgeld: einem echten Trillionen-Dollar-Geldschein – aus Zimbabwe. Daneben der Ig-Nobelpreis, den die Gewinner zugeschickt bekommen und selbst zusammenbauen müssen.

© Michael Dwyer / AP / dpa

Cambridge (USA). Unwürdiger Preis? Übersetzt man den Namen des „Ig Nobel Prize“ ins Deutsche mag man zuerst aufhorchen: Wer will schon einen Preis verliehen bekommen, der unwürdig oder schändlich (englisch: ignoble) ist? Jede Menge Forscher und Forscherinnen, wie sich bei der 32. Verleihung des alternativen Wissenschaftspreises in der Nacht zum Freitag gezeigt hat. Pandemie-bedingt wurde er zum dritten Mal in Folge in einer virtuellen Verleihung vergeben. Normalerweise werden die Preise jeden September in Harvard verliehen – von tatsächlichen Nobelpreis-Trägern.

Forschungen auf dem Gebiet der Medizin waren auch in diesem Jahr für die hinter dem Award stehende Organisation „Improbable Research“ preiswürdig: So gewannen Forschende der Universität Leiden die Auszeichnung in der Sonderkategorie „Applied Cardiology Prize“ für die Erkenntnis, dass bei Dates Menschen, die eine Anziehung zueinander spüren, ihren Herzschlag und den elektronischen Leitungswiderstand ihrer Haut miteinander synchronisieren. Mittels Messung der Hautbeschaffenheit und Herzfrequenz konnten die Wissenschaftler voraussagen, welche Teilnehmer sich sympathisch fanden (Nat Hum Behav 2021; online 1. November). Lächeln, Augenkontakt und Nachahmung der Körpersprache waren dagegen keine verlässlichen Prädikatoren für gegenseitige Anziehung.

Ig-Nobelpreis 2022: Die Zeremonie im Video

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Eiscreme als Kryotherapie? Wohl nicht die schlechteste Idee

Der Ig-Nobelpreis in der Kategorie Medizin ging nach Polen: Das Komitee zeichnete Wissenschaftler aus, die untersucht hatten, dass Eiscreme als unterstützende Kryotherapie bei hoch-dosierten Chemotherapien mit Melphalan bei autologer hämatopoetischer Stammzelltransplantation dienen könnte, um Entzündungen der Mundschleimhaut zu verhindern. Die Forschenden hatten das Nahrungsmittel statt der traditionellen Gabe von Eiswürfeln gegeben, die unbeliebt bei Patienten sind – so steht es in ihrer Studie (Sci Rep 2021; online 18. November). Zwar gab es keine Gegenüberstellung von Eiswürfeln, -chips und Speiseeis, im Vergleich zur Kontrollgruppe fanden die Forscher aber heraus, dass auch eine Kryotherapie mit Eiscreme ein signifikantes Präventionspotenzial bei Oraler Mukositis hat.

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Im Bereich Kunst erhielten zwei Forscher den Ig-Nobelpreis für ihre Studie zur Darstellung von Einläufen auf Maya-Vasen. Diese könnten nicht etwa zur Reinigung des Darms gedient haben, sondern zur rektalen Gabe von Drogen: Die Autoren vermuten, dass die Verabreichung einer halluzinogenen Flüssigkeit aus Alkohol, Tabak und/oder Seerosengewächsen einen rituellen Rausch ausgelöst oder intensiviert haben könnte (J Ethnopharmacol 1986; online 16. Juni 2019).

Weiterhin gingen unter anderem Auszeichnungen an Forscher, die einen Algorithmus entwickelt haben, wann ein Tratschender die Wahrheit sagen oder lieber flunkern soll, und nach Italien für den mathematischen Nachweis, dass nicht die Kompetentesten Erfolg haben, sondern diejenigen mit dem meisten Glück.

Harvard-Absolvent und Moderator Marc Abrahams schloss die Veranstaltung mit den traditionellen Worten: „Wenn Sie keinen Preis heute Abend gewonnen haben – und insbesondere, wenn Sie einen gewonnen haben: Mehr Erfolg im nächsten Jahr!“

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