Work-Life-Balance

Studie: Jeder zweite Beschäftigte fühlt sich ausgebrannt

Für viele Menschen ist der Job eine erheblich Belastung – trotz Urlaub und ausreichend Schlaf. Eine Studie zeigt auf, warum Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer häufig so schlecht abschalten können.

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Die schlechte Abgrenzung von Privatleben und Job sorgt dafür, dass sich viele Menschen überlastet fühlen.

Die schlechte Abgrenzung von Privatleben und Job sorgt dafür, dass sich viele Menschen überlastet fühlen.

© allstoria / Getty Images / iStock

Berlin. Fast die Hälfte der deutschen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer hat regelmäßig das Gefühl, ausgebrannt zu sein. Das zeigt eine Studie des Softwarehauses BuchhaltungsButler in Zusammenarbeit mit DataPulse Research, die am Montag veröffentlicht wurde.

Darin geht es um die Auswirkungen von Arbeitsstress auf die mentale Gesundheit. Demnach bedeutet der Job für viele Menschen eine erhebliche Belastung - trotz ausreichender Erholungszeiten und Urlaub.

Für die Studie wurden mehr als 1.000 Vollzeit-Arbeitnehmer befragt, wie ihre Arbeit das Wohlbefinden beeinflusst. Die Ergebnisse seien alarmierend, heißt es: 23 Prozent der Befragten fühlen sich täglich oder sehr oft geistig erschöpft oder ausgebrannt, 21 Prozent etwa die Hälfte der Zeit.

Weitere 46 Prozent berichten von gelegentlichem Stress. Frauen geben häufiger an, von stressbedingten Symptomen wie Angst, Kopfschmerzen oder Schlaflosigkeit betroffen zu sein.

Die Arbeit nimmt den Feierabend und den Urlaub ein

Die Studie zeigt, dass viele Menschen auch außerhalb der regulären Arbeitszeiten mit ihrem Job zu tun haben. Fast ein Drittel der Befragten fühlt sich sehr oft oder täglich gezwungen, beruflich ständig erreichbar zu sein. Ein weiteres Viertel überprüft regelmäßig auch abends oder im Urlaub berufliche Nachrichten - Zeiten, die eigentlich der Erholung dienen sollten. 46 Prozent der Befragten gaben an, regelmäßig vier oder mehr Wochen Urlaub im Jahr zu machen, ein weiteres Viertel immerhin drei Wochen.

Auch die Schlafgewohnheiten der Deutschen scheinen grundsätzlich nicht das Hauptproblem zu sein: Mehr als die Hälfte der Befragten schläft zwischen 6 und 7 Stunden pro Nacht, 12 Prozent sogar 8 bis 9 Stunden.

„Für viele Deutsche liegt es nicht an zu wenig Urlaub oder Schlaf, dass sie sich ausgebrannt fühlen. Das Problem ist oft die mangelnde Trennung von Arbeit und Privatleben“, erklärt Maxin Schneider, Verantwortliche für Personalentwicklung bei BuchhaltungsButler. „Das erschwert es vielen Menschen, sich in der Freizeit angemessen zu erholen.“

Work-Life-Balance: Männer schätzen ihre Balance positiver als Frauen

Trotz der hohen Belastung berichten nur 25 Prozent der Befragten von einer schlechten Work-Life-Balance. Eine Mehrheit von 50 Prozent bewertet ihre Balance als durchschnittlich, während 25 Prozent sie als gut oder sehr gut empfinden. Ob eine „durchschnittliche“ Work-Life-Balance allerdings tatsächlich als zufriedenstellend bzw. als gesund empfunden wird, lässt sich aufgrund der Daten nicht sagen.

Möglich sei auch, dass Arbeitnehmer es heute als normal empfinden, dass Jobbelange in das Privatleben reinragen und dies nicht als ungewöhnlich schlechte Work-Life-Balance wahrnehmen. Ein Unterschied zeigt sich zwischen den Geschlechtern: Männer neigen dazu, ihre Work-Life-Balance positiver einzuschätzen als Frauen.

Aktuell werde viel diskutiert, ob die Deutschen zu wenig arbeiten, gar zu faul sind. Die Ergebnisse der Studie bestätigten dies nicht, sondern zeigten ein differenziertes Bild: Der Arbeitsdruck sei real und viele Menschen fühlen sich aufgrund der mangelnden Abgrenzung von Job und Privatleben überlastet.

Schneider betont: „Unternehmen sind gefordert, neue Arbeitszeitmodelle, aber vor allem auch neue Arbeitskulturen zu entwickeln, die den Bedürfnissen der Mitarbeitenden gerecht werden.“ (kaha)

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